Wussten Sie es schon?

Kassen im Supermarkt werden für Rentner verändert: Das steckt dahinter

In immer mehr Supermärkten gibt es Plauderkassen: Hier darf länger gesprochen werden – ein Konzept, das gezielt gegen Einsamkeit im Alter hilft.

Author - Florian Thalmann
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In manchen Supermärkten warten Rentner auch mal länger, weil an den Kassen ausführlich geplaudert werden darf. Eine Aktion, die gegen Einsamkeit im Alter helfen soll.
In manchen Supermärkten warten Rentner auch mal länger, weil an den Kassen ausführlich geplaudert werden darf. Eine Aktion, die gegen Einsamkeit im Alter helfen soll.Jochen Tack/Imago

Jeder muss ab und an in den Supermarkt – und die meisten wollen am liebsten so schnell wie möglich rein und noch schneller wieder raus. Waren einsammeln, ab an die Kasse, zahlen, fertig. Doch immer mehr Supermärkte sorgen dafür, dass hauptsächlich Rentner auch mal länger warten müssen. Doch was nervig klingt, erfüllt einen wichtigen Zweck: In verschiedenen Märkten gibt es inzwischen Kassen, an denen ausführlich geplaudert werden darf, statt nur die Einkäufe zu zahlen. Das soll gegen Einsamkeit helfen – und vor allem alleinstehenden Senioren den Alltag erleichtern.

Darum warten Senioren im Supermarkt länger

Schnell zahlen und wieder raus? An den sogenannten Plauderkassen klappt das nicht. Hier müssen Rentner auch mal länger warten, denn genau das ist das Konzept der besonderen Kassen.

Hier wird nicht nur bezahlt, sondern auch mal ausführlich über Gott und die Welt gesprochen – und während Plauderei an anderen Kassen eher nervig ist und den Ablauf stört, ist sie an den speziellen Kassen ausdrücklich erwünscht.

Eingeführt wurden die sogenannten Plauderkassen erstmals in einem Supermarkt in den Niederlanden. Die Kette „Jumbo“ eröffnete eine solche Kasse in einem ihrer Märkte in Vlijmen. Damit sollten Kundinnen und Kunden angesprochen werden, die auch mal etwas länger reden wollen. Der Grund ist ernst: In Holland hat man laut Berichten erkannt, dass die Einsamkeit im Alter ein großes Problem ist.

Allerdings gibt es neben der sogenannten „Kletskassa“ auch normale Kassen, an denen man nur schnell bezahlen kann. Es wird also niemand aufgehalten, der es nicht möchte.

Vor allem Seniorinnen und Senioren, die im Alter allein sind, nehmen das Angebot der Plauderkassen imn Supermarkt gern an.
Vor allem Seniorinnen und Senioren, die im Alter allein sind, nehmen das Angebot der Plauderkassen imn Supermarkt gern an.Martin Wagner/imago

Und der Modellversuch wurde nach den ersten Kassen größer und größer: Die Supermarktkette Jumbo wollte solche Plauderkassen in rund 200 Märkten einrichten. Hier warten vor allem Rentner länger – und das ist kein Ärgernis, sondern ein tolles Angebot, das gegen Einsamkeit hilft. In den Filialen der Kette wollte man außerdem zusätzliche Plauderecken einrichten, um das Gesprächsangebot auch fernab der hektischen Kassen möglich zu machen.

Auch in Deutschland gibt es die ersten Plauderkassen

Und auch in Deutschland ist das Modell inzwischen angekommen! Beispiel Berlin: Erst im März eröffnete in einem Supermarkt in Tegel (Rewe, Ernststraße 7) die erste Plauderkasse der Stadt. Jeden Dienstag und Donnerstag können hier an der Kasse für jeweils zwei Stunden Gespräche geführt werden.

„Ein freundlicher Austausch beim Bezahlen, ein paar persönliche Worte. Das kann den Tag heller machen“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) anlässlich des Starts der Aktion. Möglich ist das Plaudern jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr und immer am Donnerstag von 14 bis 16 Uhr.

An der Kasse im Supermarkt geht es normalerweise hektisch zu, aber immer mehr Märkte sorgen mit Plauderkassen für Entschleunigung.
An der Kasse im Supermarkt geht es normalerweise hektisch zu, aber immer mehr Märkte sorgen mit Plauderkassen für Entschleunigung.Martin Wagner/imago

Einsamkeit sei eine der großen Herausforderungen in unserer Gesellschaft, so die Bezirksbürgermeisterin weiter. „Sie begegnet uns mitten im Alltag – und genau dort müssen wir ansetzen.“ Initiiert wurde die Plauderkasse im Rahmen der Einsamkeitsstrategie des Bezirksamts Reinickendorf.

Rentner warten länger – und das hilft gegen Einsamkeit

Die Plauderkasse „ist bewusst frei von Hektik gestaltet und lädt dazu ein, ins Gespräch zu kommen – ganz selbstverständlich beim Einkauf“, teilte das Bezirksamt mit. Da warten vor allem Rentner auch gern mal etwas länger – und das nervt nicht etwa, sondern hilft gegen das Alleinsein.

Wie finden Sie die Idee der Plauderkassen? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!