Zu geringes Gehalt

Für die Hälfte der Rentner im Osten wird es eng - Armut droht

Eine neue Auswertung zeigt, wie viele Beschäftigte mit ihrem heutigen Einkommen später nur eine Rente an der Armutsgrenze erwarten können.

Author - Paula Hitzemann
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In Ostdeutschland liegen 54 Prozent aller Beschäftigten unter der Grenze der Armutsrente.
In Ostdeutschland liegen 54 Prozent aller Beschäftigten unter der Grenze der Armutsrente.IMAGO

45 Jahre arbeiten und trotzdem im Alter kaum über die Runden kommen? Genau darüber machen sich viele Beschäftigte Gedanken. Neue Zahlen zeigen: Die Sorge ist berechtigt. Besonders im Osten reicht das derzeitige Einkommen vieler Arbeitnehmer rechnerisch nicht aus, um später eine gesetzliche Rente oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze zu erhalten.

Mehr als jeder Zweite im Osten von Armutsrente betroffen

Grundlage sind Daten des Bundesarbeitsministeriums und des Statistischen Bundesamts, die der Linke-Abgeordnete Dietmar Bartsch angefordert hatte. Laut der Antwort steuert nach heutigem Stand mehr als jeder zweite Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland auf eine Rente an der Armutsgefährdungsgrenze zu. Bundesweit gilt das für mehr als jeden Dritten.

Der Linke-Abgeordnete Dietmar Bartsch kritisiert die Pläne der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren im Zuge der Rentenreform abzuschaffen.
Der Linke-Abgeordnete Dietmar Bartsch kritisiert die Pläne der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren im Zuge der Rentenreform abzuschaffen.Michael Kappeler

Die Armutsgefährdungsgrenze lag 2025 laut Statistischem Bundesamt bei 1446 Euro brutto. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. Wer nach 45 Beitragsjahren also eine Rente beziehen möchte, die darüberliegt, müsste gegenwärtig mindestens 3771 brutto monatlich verdienen.

Das Bundessozialministerium wies in seiner Antwort an Bartsch darauf hin, dass es sich um eine „abstrakte Modellrechnung“ handele, die von einem über 45 Jahre konstanten Lohnverhältnis ausgehe. Aber tatsächlich verändert sich das Einkommen im Laufe des Berufslebens häufig, weshalb aus dem Gehalt eines Jahres nicht auf die Einkommenssituation im Alter geschlossen werden kann.

Im Osten verdienen viele unter der Grenze

Die jüngsten Verdienstdaten zeigen, warum das Thema gerade im Osten so brisant ist. Bundesweit verdienen knapp 39 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 3700 Euro brutto im Monat. In Ostdeutschland trifft das sogar auf 54 Prozent zu. Fast 60 Prozent liegen dort unter einem Monatsverdienst von 3900 Euro.

Wer nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente von mehr als 1446 Euro erreichen möchte, müsste heute ein Bruttogehalt von mindestens 3771 Euro im Monat haben.
Wer nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente von mehr als 1446 Euro erreichen möchte, müsste heute ein Bruttogehalt von mindestens 3771 Euro im Monat haben.Tommyandone/IMAGO

Für den Linke-Abgeordneten Dietmar Bartsch ist das ein deutliches Warnsignal. „Die Schieflage bei Löhnen und Renten ist inakzeptabel groß“, Leistung zahle sich zu selten aus. Scharfe Kritik übte er außerdem an den Plänen der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren im Zuge einer Rentenreform abzuschaffen. Das sei ein „harter Angriff auf alle Arbeitnehmer“.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) griff Bartsch an. Dieser vermittle den Eindruck, „Arbeitnehmer seien vor allem zu teuer, zu faul und zu krank“. Stattdessen brauche Deutschland eine Lohnoffensive: „Unser Land sollte wieder zum Hochlohnland werden. Arbeit muss sich auszahlen“, forderte Bartsch.

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