Auf Berliner Straßenbahnen, Litfaßsäulen und Werbetafeln ist die Bundeswehr mit ihrer Nachwuchskampagne derzeit kaum zu übersehen. Passend dazu startete am 1. Juli die neue Doku „Generation Wehrdienst“ auf Youtube. Die Videoreihe begleitet mehrere Rekruten bei ihrer Grundausbildung und zeigt, was hinter den Toren der Südpfalz-Kaserne in Germersheim passiert.
Tag 1 in der Kaserne
Große Reisetaschen rollen über den Kasernenhof. Noch wird gelacht, doch die Nervosität ist den jungen Erwachsenen anzusehen. Wenige Minuten später ist Schluss mit lockerer Stimmung. „Als wir uns unten gemeldet haben, dachte ich: Jetzt wird's ernst“, erzählt Ahmed (18) aus Niedersachsen.

Seit Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen Post von der Bundeswehr.
Die jungen Erwachsenen, die in der Doku begleitet werden, haben sich bewusst für die Teilnahme entschieden.
Viele der Rekruten kennen sich beim Einrücken längst. Nachdem feststand, wer gemeinsam die Grundausbildung beginnt, vernetzten sie sich über Messenger und führten Videotelefonate. Das erste Treffen in der Kaserne fühlt sich deshalb für manche eher wie ein Wiedersehen an.
Mit der Anmeldung beginnt für die sie ein völlig neuer Alltag. Zunächst stehen Papierkram und Datenabfrage auf dem Programm, danach geht es auf die Stuben. Taschen auspacken, Spinde einräumen, Betten beziehen – und feststellen, dass schon eine kleine Falte im Bettlaken oder eine schiefe Kante bemängelt wird.

Danach wird das Antreten geübt. Stillstehen und Haltung bewahren. Der Ton ist rau, Diskussionen gibt es keine. „Also wenn Sie Schlaftabletten nehmen vor dem Dienst, dann können Sie direkt wieder nach Hause fahren“, macht eine Führungskraft unmissverständlich klar. Die Antwort kommt sofort und laut. „Jawohl!“
Vier Rekruten, ein Ziel
Wie unterschiedlich die Erwartungen an den ersten Tag sind, zeigt die Doku ebenfalls. Für Ahmed steckt hinter der Entscheidung vor allem ein Gedanke. „Alle wollen Frieden, aber nichts dafür tun.“ Ein Soldat sei für ihn jemand, „der für die Gemeinschaft sein Leben opfern würde“.
Leon (24) aus der Nähe von Hannover wagt mit der Bundeswehr einen Neustart. Ausschlaggebend seien die Kameradschaft und die Vergütung gewesen. Nach einem Karrieregespräch entschied er sich für die Teilnahme.

Tim (18) aus der Nähe von Bremen hat sich ganz bewusst für die Bundeswehr entschieden. „Ich hatte keine Lust auf einen Bürojob, sondern wollte etwas Aktives machen.“ In seiner Familie und seinem Freundeskreis tragen bereits mehrere Menschen Uniform. Entsprechend groß war die Vorfreude auf den ersten Tag.
David (17) aus der Nähe von München erinnert sich: „Ich habe Leute in Uniform gesehen und wusste, ich will eine Uniform tragen.“ Zur Vorbereitung schaute er sich auf TikTok Videos aus der Kaserne an. Dort wirkten die Unterkünfte deutlich moderner. Als er schließlich seine karge Stube betritt, kommentiert er mit einem Grinsen: „Schick hier.“
„Wenn's ernst wird, wird's laut“
Später versammelt sich die Kompanie im Unterrichtsraum. Der Hauptmann macht gleich zu Beginn deutlich: „Ordnung ist als Soldatin oder Soldat das halbe Leben.“ Pünktlichkeit sei selbstverständlich. Alkohol und andere Rauschmittel werden unter der Woche werde nicht toleriert, nur Melatonin zum Einschlafen sei erlaubt.
„Wenn's ernst wird, dann wird's laut, ungemütlich, kalt, dann stinkt es, dann sehen Sie Dinge, die nicht schön sind“, macht der Hauptmann klar.
Gleichzeitig versucht er, den jungen Frauen und Männern die Nervosität zu nehmen und gratuliert ihnen zu ihrer Entscheidung: „Sie haben sich für einen verdammt geilen Job entschieden.“ Er gibt einen Wunsch mit: Nach Dienstschluss solle nicht jeder nur aufs Handy schauen. Stattdessen gehe es darum, Zeit miteinander zu verbringen. „Sie sind jetzt Kameradinnen und Kameraden“, wird in feierlichem Ton erklärt.
Aus Fremden werden Kameraden
Für Tim war der erste Tag in der Kaserne sehr besonders. „Das erste Mal das alles in echt zu sehen und zu wissen, dass man bald auch dazugehört, war ein schönes Gefühl.“ Gleichzeitig weiß er, dass der schwierigste Teil erst noch kommt. „Aber je länger wir drin sind, desto einfacher wird es.“
Leon war anfangs sehr nervös. „Es ist etwas komplett Neues“, aber er zweifele nicht daran, dass er die Ausbildung durchzieht. Und er hat klare Ziele: „Ich möchte vor allem selbstbewusster und kräftiger werden.“

David glaubt, dass ihn die kommenden Wochen vor allem mental fordern werden. „Ich weiß, dass ich hier Disziplin lernen muss.“ Diese wolle er später auch mit nach Hause nehmen. Er ist sicher: „Wenn ich die Grundausbildung in den drei Monaten bestehe, dann werde ich sagen: Ich hab's geschafft.“
Ahmed hatte vorher Respekt davor, mit mehreren fremden Menschen ein Zimmer zu teilen. Doch schon nach kurzer Zeit freut er sich sogar darüber. „Es gibt immer was zum Lachen“, erzählt er und das sei für ihn bisher „das Schönste hier“. Immer wieder versucht er auch, seine Kameraden anzuspornen. „Geh über deine Grenzen. Wenn du nicht mehr kannst, bleib trotzdem dran.“


