Die ersten Tage in Berlin hat Mauro Lustrinelli bereits hinter sich. Seit Donnerstag ist der neue Cheftrainer des 1. FC Union Berlin in der Hauptstadt, lernte in Bad Saarow den Staff rund um die Profis kennen und fühlt sich nach eigener Aussage schon pudelwohl – auch wenn ihm bislang noch keine Currywurst über den Weg gelaufen ist.
Ab Montag füllt sich auch die Kabine wieder. Die Spieler kehren nach und nach aus dem Urlaub zurück, absolvieren die obligatorischen Leistungs- und Medizinchecks und stehen am Mittwoch erstmals wieder gemeinsam auf dem Trainingsplatz. Dann beginnt für die Eisernen nicht nur eine neue Zeit unter Lustrinelli, sondern auch eine Saison mit einigen neuen Regeln.
Konsequentes Vorgehen der Fifa
Wer die Weltmeisterschaft in den vergangenen zweieinhalb Wochen verfolgt hat, kennt die Änderungen bereits. Die Fifa geht in den USA, Kanada und Mexiko mit strengen Countdown-Regeln konsequent gegen Zeitspiel vor. Bei Einwürfen und Abstößen läuft nach einer sichtbaren Warnung des Schiedsrichters die Zeit. Ist der Ball anschließend nicht im Spiel, wechselt das Angriffsrecht. Auch bei Auswechslungen wird die Uhr gestoppt: Verlassen Spieler das Feld nicht innerhalb von zehn Sekunden, droht eine Verwarnung.
Ab dem 1. Juli werden diese Vorgaben auch in der Bundesliga gelten. Hinzu kommen zwei weitere Regeländerungen. Eine davon betrifft verletzte Spieler. Wer auf dem Feld behandelt werden muss, muss anschließend für eine Minute vom Platz. Seine Mannschaft spielt in dieser Zeit in Unterzahl. Torhüter sind von dieser Regel ausgenommen.
Wie groß der Einfluss dieser Neuerung sein kann, zeigte bereits das WM-Spiel zwischen Belgien und Iran. Belgiens Leandro Trossard lag mit sichtbaren Schmerzen auf dem Rasen, verzichtete aber auf eine Behandlung, obwohl die medizinische Abteilung bereits bereitstand. Der Grund: Er wollte sein Team nicht für eine Minute in Unterzahl bringen.
Neu ist auch die Rolle des Videoassistenten. Der VAR darf künftig ebenfalls eingreifen, wenn eine zweite Gelbe Karte überprüft werden muss, die zum Platzverweis führen würde.

Dabei könnte es nicht bleiben. Die DFL und die Schiedsrichter beobachten weitere WM-Regeln ganz genau. Diskutiert werden unter anderem Platzverweise für das Sprechen mit der Hand vor dem Mund, die Überprüfung von Eckstößen durch den VAR sowie härtere Sanktionen bei Protesten gegen den Schiedsrichter.
Vor allem die Regel zum Verdecken des Mundes dürfte vielen Fans inzwischen bekannt vorkommen. Sie ist eng mit dem Namen von Paraguays Nationalspieler Miguel Almirón verbunden. Deutschlands Sechzehntelfinal-Gegner hatte sich im WM-Spiel gegen die Türkei bei einer Rudelbildung die Hand vor den Mund gehalten. Dem Schiedsrichter war die Szene zunächst entgangen, der VAR machte ihn aber darauf aufmerksam. Almirón soll den Türken Mert Müldür beleidigt haben und sah die Rote Karte. Das anschließende Gruppenspiel gegen Australien verpasste er gesperrt, gegen Deutschland ist er wieder spielberechtigt.
Für Diskussionen sorgte dagegen der Fall von Englands Jude Bellingham. TV-Bilder zeigten auch ihn mit der Hand vor dem Mund in einer Diskussion mit Ghanas Kapitän Jordan Ayew. Konsequenzen hatte das allerdings keine. Bellingham blieb auf dem Platz und wurde nach Abpfiff sogar zum Spieler des Spiels gewählt.
Bei Union müssen sich die Profis zunächst ohnehin nur auf drei neue Regeln einstellen. Im Mittelpunkt der Vorbereitung wird etwas anderes stehen: die Spielidee von Mauro Lustrinelli. Bereits am 4. Juli testen die Eisernen beim FSV Optik Rathenow, einen Tag später geht es zum SV Grün-Weiß Lübben.


