Die neusten Übernachtungszahlen für Hotels und Pensionen an der Ostsee klingen nach Fortschritt. Gut so, Mecklenburg-Vorpommern ist schließlich wie kaum ein anderes Bundesland Tourismus-Land. Rund 8,2 Millionen Gäste haben im vergangenen Jahr Mecklenburg-Vorpommern besucht. Das seien etwa 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr teilten die landeseigene Tourismusgesellschaft und Tourismus-Staatssekretär Jochen Schulte mit. Mit 33,3 Millionen Übernachtungen erzielten die Herbergen ein kleines Plus von 1,2 Prozent. Doch hinter den Kulissen brodelt es.
Die Schattenseite des Ostsee-Urlaubs
Obwohl die Ostsee-Orte nach dem Rekordjahr 2019 vor Corona im Jahr 2025 ein neues Hoch sei 35 Jahren verzeichnen, gibt es eine Schattenseite im Urlaubs-Paradies.
Dehoga-Chef in Mecklenburg-Vorpommern Lars Schwarz schlägt Alarm: Der politische Blick auf die Übernachtungszahlen verkleistere den Blick auf die Realität. Und die besagt, dass wir auf der Stelle treten“, so Schwarz gegenüber dem Nordkurier.

Dramatische Einbrüche bei Umsatz und Erlösen
„Es nützt ja nichts, Zahlen zu verkaufen und so zu tun, als herrsche in der Branche eitel Sonnenschein. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben bei den betriebswirtschaftlichen Zahlen in den einzelnen Häusern dramatische Einbrüche beim Umsatz und den Erlösen.“
Schwarz nennt Zahlen aus der Gastronomie, die immanent wichtig für den Tourismusstandort Ostseeküste ist: „Im Gastgewerbe, also in der Gastronomie, haben wir im Vergleich der Jahre 2019 und 2025 ein Minus von 18 Prozent.“
Mehr Übernachtungen weniger Restaurantbesuche
Mit anderen Worten: „Was nützen mehr Übernachtungen, wenn die Gäste in der Wertschöpfungskette aber viel weniger Geld da lassen beziehungsweise ausgeben. Denn mit diesem weniger Geld, das am Ende im Portemonnaie bleibt, muss die Tourismusbranche höhere Energiepreise und Personalkosten stemmen“. Deshalb sei die Situation so schwierig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, so Schwarz.
Die Aussagen der Politik und der Landestourismusgesellschaft seien „sträflich falsch“. Mittel um in Infrastruktur und Häuser zu investieren fehlten in der Branche.

Zuletzt hatten traditionsreiche Hotels an der Ostsee schließen müssen. Der „Scheelehof“ in Stralsund und das „Usedom Palace“ in Zinnowitz etwa. Dort sollen stattdessen Ferienwohnungen entstehen. Auch das „Aedenlife Hotel & Resort“ in Trent auf Rügen musste kürzlich wegen der Insolvenz des größten Hotelbetreibers Europas, der Revo Hospitality Group, schließen. Als Ursachen für die Krise bei Revo gelten gestiegene Lohnkosten sowie höhere Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel.
Schleswig-Holstein ernstzunehmender Mitbewerber
Das Jahr 2026 sei laut Schwarz gut angelaufen, er hoffe auf einen guten Sommer an der Ostsee, auf Rügen, auf Usedom, auf Hiddensee, auf dem Darß und an der Seenplatte.
Krisen und Kriege weltweit lassen Urlauber schließlich gern vor der eigenen Haustür entspannen. Aber auch im Nachbarland Schleswig-Holstein gibt es schöne Küstenabschnitte, Meer und Entspannung. Der Nachbar sei ein ernstzunehmender Mitbewerber und auch die Kreuzfahrtbranche ziehe Gäste ab, so Schwarz.


