Es wird zu wenig Lohn gezahlt, Beschäftigte werden zu Überstunden verdonnert oder Stundenzettel verschwinden! In Deutschland nutzen Tausende Arbeitgeber miese Tricks, um nicht den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen.
Verstöße bei jeder vierten Kontrolle
Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Partei Die Linke in Berlin hervor. Demnach überprüfte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls im Jahr 2025 bundesweit 25.765 Arbeitgeber. In 6121 Fällen leiteten die Ermittler Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Mindestlohngesetz ein.
„Im Schnitt wird bei jeder vierten Kontrolle ein Mindestlohn-Verstoß aufgedeckt“, sagte der Linken-Abgeordnete Cem Ince, der die Anfrage gestellt hatte.

Am meisten Verstöße im Gastgewerbe
Besonders häufig betroffen war das Gast- und Hotelgewerbe: Fast 2500 Verfahren entfielen laut Ministerium allein auf diese Branche. Jeweils mehr als 500 Verfahren gab es auch bei Speditionen, Baufirmen sowie in Friseur- und Kosmetikstudios. Auch bei Taxis, Getränkeshops und Sicherheitsdiensten registrierte der Zoll zahlreiche Verstöße.
Der Mindestlohn stieg zum 1. Januar von 12,82 auf 13,90 Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betraf die Erhöhung rund 4,8 Millionen Jobs. Die Kontrollen erreichen damit nur einen Bruchteil der Betriebe, die Menschen zum Mindestlohn beschäftigen.

Ince verweist auf Schätzungen aus Beschäftigtenbefragungen, die im jüngsten Bericht der Mindestlohnkommission genannt werden. Demnach würden bis zu 2,5 Millionen Menschen „um den Mindestlohn betrogen“, sagt der Abgeordnete. Die bisherigen Gegenmaßnahmen reichten nicht aus.


