Urlauber in Sorge

Dierhagen staunt über Plattform vor der Küste – doch dahinter steckt ein Mega‑Projekt

Eine Arbeitsplattform vor dem Strand von Dierhagen bewegt die Gemüter. Wird hier ein Widrad errichtet oder nach Öl gebohrt? Alles ganz anders.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Die neue Plattform in der Ostsee sorgt für Spekulationen.
Die neue Plattform in der Ostsee sorgt für Spekulationen.Facebook

„Weiß jemand, um was es sich bei der Platform vor dem Hauptübergang Dierhagen Plateau handelt?“ In den sozialen Medien rätseln Ostsee-Anwohner und Urlauber über eine neue Plattform imtten des Meers, direkt vor dem Strand von Dierhagen. Doch die Erklärung ist ganz einfach.

Windpark oder Ölbohrungen? Auf jeden Fall ein super wichtiges Energieprojekt

Experten erklären schnell, dass es sich bei der Konstrukion um eine mobile Hubinsel handeln soll. Eine „mobile, schwimmfähige Plattform mit ausfahrbaren Beinen, die sich über den Meeresspiegel hebt, um eine stabile Arbeitsfläche für Offshore-Konstruktion, Windkraft, Bohrungen und Wartung zu schaffen. Sie arbeitet unabhängig von Wellen und Gezeiten“, heißt es.

Wird in der Ostsee nach Öl gebohrt?

Aber was wird dort vor der Küste unter Wasser gebaut? Ein Bericht der Ostseezeitung schafft Klarheit.

Urlauber bleiben stehen, zeigen aufs Meer, spekulieren: „Kommt hier ein neuer Windpark hin?“ Andere munkeln über Ölbohrungen. Die Wahrheit ist weniger spektakulär – aber für Deutschlands Stromversorgung umso wichtiger.

Denn vor Dierhagen entsteht in der Ostsee gerade der Anschluss für den geplanten Offshore‑Windpark Gennaker, eines der größten Windprojekte der Ostsee. Die Plattform markiert das Ende dreier Bohrungen, die in den vergangenen Wochen unter dem Ostseebad hindurch getrieben wurden. Von hier aus werden nun Schutzrohre ins Meer gezogen, durch die später die dicken Stromkabel an Land gelangen.

Am Strand zwischen Neuhaus und Graal‑Müritz wurden dafür bereits meterweise Rohrleitungen zusammengeschweißt – ein ungewöhnlicher Anblick für Spaziergänger, aber technisch notwendig: Der strandnahe Abschnitt ohne Buhnen erleichtert das spätere „Wassern“ der Rohre.

Bauarbeiten bis 2027 – Strom für zwei Millionen Haushalte

Auch an Land geht es voran. Die Baugenehmigung für die Stromtrasse bis zum Umspannwerk Gnewitz liegt vor, die ersten Bagger rollen bereits, so die OStseezeitung.  Drei Kabelstränge werden sich künftig durch mehrere Gemeinden ziehen – meist in offener Bauweise, nur Straßen werden unterbohrt.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis Sommer 2027 sollen die Kabel liegen, Ende 2027 soll das gesamte Übertragungsnetz fertig sein. Kostenpunkt: rund zwei Milliarden Euro, finanziert über die Netzentgelte.

Der Windpark selbst wird gigantisch: 103 Anlagen, deutlich höher als die bisherigen Ostsee‑Windräder. Während heute etwa 50.000 Haushalte mit Strom aus der Region versorgt werden, sollen es künftig bis zu zwei Millionen sein.

Dünen bei Dierhagen an der Ostsee. Nach den Arbeiten verschwindet die Plattform wieder.
Dünen bei Dierhagen an der Ostsee. Nach den Arbeiten verschwindet die Plattform wieder.Imago/Werner Dieterich

Heute Infoabend für Anwohner

Damit die Bauarbeiten nicht nur sichtbar, sondern auch verständlich werden, lädt Netzbetreiber 50Hertz am 3. März zu einer öffentlichen Infoveranstaltung ins Stadtkulturhaus Dierhagen ein.

Der Windpark Gennaker ist 15 Kilometer nördlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst geplant. Rund um den bereits bestehenden Windpark „Baltic 1“ will Skyborn Renewables bis 2028 mehr als 100 weitere Offshore-Windräder mit einer Gesamtleistung von 900 MW errichten.

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