Hygiene-Smileys zu teuer

Pankower Alleingang in Sachen Hygiene beendet

Als einziger Berliner Bezirk hielt Pankow bis zuletzt an einer Art Hygiene-Barometer für Restaurants und Imbisse fest. Nun ist die Ekel-Liste per Smiley Geschichte.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Ekeliger Küchenfußboden in Pankow
Ekeliger Küchenfußboden in PankowBA Pankow

Das Internetportal „Lebensmittel-Smiley“, das seit Jahren Restaurantbesucher im Bezirk Pankow vor Hygieneproblemen warnte, wurde eingestellt. Pankows Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) äußerte Enttäuschung über die Entscheidung und bezeichnete das Projekt als „Prestigeprojekt“, berichtet der Tagesspiegel.

Spitzname: Ekel-Liste oder Gastro-Pranger

Immer freitags veröffentlichte der Bezirk Pankow die aktuelle Smileyliste, auch „Ekelliste“ genannt. Per grünem, gelbem oder rotem Smiley gab es einen schnellen Überblick darüber, ob ein Restaurant, Café oder Imbiss ein hygienischer Ort ist, oder nicht.

Das Portal war einmalig in Berlin, Pankow sah sich in Sachen Verbraucherschutz als Vorreiter, der sich auch gegen Widerstände von großen Unternehmen durchsetzte.

Verbraucherschutz nach dänischem Vorbild

Pankow setzte nach dänischem Vorbild die transparente Hygienekontrolle seit 2011 um. Nicht zur Freude einiger kritisierter Gastronomen, die sich an den Pranger gestellt sahen und gegen die Liste klagten. Auch große Handelsketten wie Edeka und Rewe klagten. 2014 mussten die veröffentlichten Hygieneprotokolle gelöscht werden.

Doch Pankow blieb hartnäckig und stellte das System rechtssicherer auf. Bis jetzt den Lebensmittelinspekteuren endgültig der Stecker gezogen wurde. Das bisher erfolgreiche Portal ging Anfang Februar offline.

Gastro-Pranger in Pankow kommt nicht zurück

Laut der zuständigen Stadträtin Manuela Anders-Granitzki wurde das Smiley-Portal „auf unbestimmte Zeit“ abgeschaltet, ohne dass eine Rückkehr in Sicht sei. Der notorisch klamme Bezirk Pankow kämpft derzeit mit finanziellen Engpässen. Die Betriebskosten des Portals sind angesichts der gegenwärtigen Haushaltskrise untragbar geworden. 

Hinzu kommt, dass zu den regulären Kosten für den Betrieb mit einer geplanten Umstellung ab März 2026 weitere Belastungen in Höhe von 21.000 Euro entstanden wären. Verbraucherschutz und Transparenz bleiben so auf der Strecke. Bilder aus Pankower Imbiss- und Restaurantküchen bleiben unveröffentlicht.

Schmutzige Küche in einem Restaurant, aufgenommen von Lebensmittelkontrolleuren in Pankow.
Schmutzige Küche in einem Restaurant, aufgenommen von Lebensmittelkontrolleuren in Pankow.BA Pankow

Die berlinweite Einführung des Systems war gescheitert, nachdem die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz dies abgelehnt hatte.

In einem Bericht an die Pankower Bezirksverordneten schreibt Stadträtin Anders-Granitzki jetzt: „Trotz der über Jahre andauernden Anstrengungen des Bezirksamtes Pankow für die Stärkung des Verbraucherschutzes durch erhöhte Transparenz von Kontrollen von Lebensmittelbetrieben in Berlin blieb das Bezirksamt damit auf sich allein gestellt.“

Man habe „auch gegen den Widerstand großer Lebensmittelunternehmen“ an dem Projekt festgehalten. Die Senatsverwaltung verwies in dem Zusammenhang auf eine Gesetzesänderung, die die zukünftige Veröffentlichung von Kontrollergebnissen im Internet infrage stelle. Mit der Aufhebung des Lebensmittelüberwachungstransparenzgesetzes sehe man keine Grundlage mehr für solch ein System. Erfahrungen hätten darüber hinaus gezeigt, dass ein Modell wie das Smiley-Portal zusätzlichen Verwaltungsaufwand erzeugt. 

Das Gesetz sah vor, Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen öffentlich sichtbar zu machen, und zwar direkt am Betrieb, in Form eines Balkendiagramms („Hygiene-Barometer“). Der Senat beschloss 2025, dieses Gesetz ersatzlos zu streichen. Als Grund wurde angeführt, man wolle die Verwaltung entbürokratisieren.

Mehr Kontrolleure für mehr Hygiene

Die Senatsverwaltung will statt des Ampelsystems im Internet mehr Kontrolleure in die Restaurants vor Ort schicken und so für die Einhaltung von Hygienestandards sorgen.

Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch und FragDenStaat kritisieren die Abschaffung scharf. Die Streichung sei ein Rückschritt für Verbraucherrechte. Das Gesetz sei nie richtig angewendet worden, daher könne man nicht behaupten, es sei ineffektiv. Ohne Transparenz bleibe die Hygienequalität in Restaurants für Gäste unsichtbar.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie sollten Gäste über die Hygienestandards in Restaurants informiert werden? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com