Rezept aus den 70ern

Schmeckt wie früher: DDR-Softeis aus Rostock ist Gewinner auf Eismesse

Die historischen Maschinen haben die Eismacher aus einem Berliner Keller gerettet.

Author - Stefanie Hildebrandt
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DDR-Softeis bleibt ein Verkaufshit.
DDR-Softeis bleibt ein Verkaufshit.Hendrik Schmidt/dpa

DDR-Softeis ist auch über 30 Jahre nach der Wende der Renner. Das zeigt die Rostocker Eiswerkstatt. Auf der Eismesse „Gelatissimo“, einer Fachmesse für handwerklich hergestelltes Speiseeis, haben die Eismacher eine Auszeichnung als eine der besten Eisdielen Deutschlands erhalten.

DDR-Maschinen und DDR-Rezept

Mit ihren Kreationen schafften es die Rostocker unter die Top 100. Das Besondere: Das Unternehmen setzt konsequent auf Originalrezepturen und Produktionstechnik aus DDR-Zeiten.

„Unsere Maschinen arbeiten ohne Luftaufschlag. Das Eis ist komprimierter, es ist noch wie früher", erklärt Mitgründer Felix Rehberg am Produktionsstandort dem Nordkurier. Man bekomme noch den „klassischen Gehirnfrost", wenn man das Eis zu schnell esse. Das Softeis kommt klassisch in der Muschel mit kleinem Namenslöffel, oder im umweltfreundlichen Waffelbecher zu den Kunden. Für die Herstellung des Eises verwende man ausschließlich restaurierte DDR – Softeismaschinen.

„Viele schreiben zwar DDR-Softeis ran, aber das ärgert mich manchmal auch ein bisschen, denn viele haben es einfach nicht", sagt der 36-jährige Rehberg. Häufig würden moderne Maschinen verwendet, die ein anderes Ergebnis lieferten.

Immernoch die beste Kombination: Softeis Vanille-Schoko.
Immernoch die beste Kombination: Softeis Vanille-Schoko.imago/Schöning

DDR-Softeis-Geheimnis: es liegt an der Luft

Die Eismaschinen der Rostocker Eiswerkstatt  stammen aus den Jahren 1980 bis 1989 und sind damit älter als Rehberg selbst. Als er und sein Mitgründer 2013 mit der Eisproduktion begannen, holten sie die ersten Geräte aus einem Berliner Keller, wo eine Eisdiele aufgegeben worden war.

Die Maschinen wurden anschließend wieder funktionstüchtig gemacht. Mittlerweile haben die Eismacher ganze 18 historische Eismaschinen, auch um sie als Ersatzteilspender zu verwenden.

Die Maschine hat in der Tat viel mit dem vielgeliebten Geschmack von früher zu tun: Ein einziger Hersteller, der VEB Kältetechnik Niedersachswerfen in Thüringen, produzierte in der DDR Softeismaschinen, die „Ilka Eisfreezer“. In den westdeutschen Pendants wurde mit Pumpenmaschinen bis zu 30 Prozent Luft in die Eiscreme geschlagen. Im Osten fehlte die Luft.

Softeis: Aus den USA in die DDR

Noch älter als die Maschinen ist das Rostocker Rezept für das originale DDR-Softeis. Es stammt aus den 70er-Jahren und wurde vor etwa fünf bis sechs Jahren erworben. „Es gab verschiedene Hersteller. Es gab Anona im sächsischen Colditz oder auch Komet aus Großpostwitz in der Oberlausitz. Und dann gab es noch ein, zwei, die sich daran angelehnt haben, und die Rezeptur konnten wir erwerben", erläutert Rehberg.

Die Idee für Softeis stammt aber nicht aus der DDR, sondern aus den USA. Sie wurde in den 50er Jahren nach Deutschland importiert. Softeis wird bei deutlich höheren Temperaturen (-6 Grad) als herkömmliches Speiseeis (-18 Grad) hergestellt.

In den Maschinen wird ein flüssiger Eismix - häufig angerührt aus Pulver und Wasser, manchmal auch mit Milch - gekühlt und als Softeis in seiner charakteristischen Zipfel-Form in die Eiswaffeln gefüllt.

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