Moabit

Lebenslang für Berliner nach Tod auf der Ostsee

Zwei Freunde sind auf dem Rückweg von einer Segel-Regatta. Vor der schwedischen Küste kommt es zu einem Streit. Dann treibt einer leblos im Meer.

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Dieses Boot ist zum Tatort geworden, liegt im Hafen.
Dieses Boot ist zum Tatort geworden, liegt im Hafen.TT News Agency/AP

Zwei Freunde auf Segeltörn. Vor der schwedischen Küste gibt es Streit. Einer ertrinkt. Der andere wird als Mörder verurteilt. Lebenslange Haft für Andreas F. (66). Der drahtige Mann in einer rosafarbenen Baumwoll-Joppe wie versteinert. Richter Thomas Groß: „Schuldig des heimtückischen Mordes.“ Er habe Thomas B. (71) zweimal massiv unter Wasser gedrückt. Der Richter: „Es war kein Rettungsversuch. Sie haben Thomas B. vorsätzlich ertränkt.“

Anderthalb Jahre nach der Tat fällt das Urteil

Der Tod im offenen Meer: Am 1. August 2024 waren Andreas F. und der Schöneberger Rechtsanwalt, Biker und Segler B. auf dem Rückweg von einer Regatta vor Norwegen. B. gehörte auch der Trimaran – ein Boot mit drei schmalen Rümpfen. Im Kattegat zwischen Nord- und Ostsee kam es zum Streit. Nach zwei Wochen in der Enge ging es nach Angaben von F. um Sicherheits- und Ausstattungsmängel an Bord.

Was geschah an Bord der acht Meter langen „Jolly Rose“? Rentner F. aus einer Villengegend in Zehlendorf bestritt von Anfang an: „Ich wollte ihn retten. Aber ich bekam ihn nicht richtig zu fassen, meine Kräfte verließen mich“.

Die Verteidiger: „Ein Rettungsversuch, der tragisch fehlgeschlagen ist.“ Ein Unglück. Es gebe auch kein Mordmotiv. Andreas F.: „Seit drei Jahrzehnten waren wird Freunde. Die Liebe zum Segeln verband uns.“

Lange Suche im Prozess nach der Wahrheit

Die mühsame Suche nach Wahrheit. Sechs Monate lief der Prozess. Mehrere Gutachter wurden befragt und 15 Zeugen. Darunter die Besatzung eines Flugzeugs der schwedischen Küstenwache, das zufällig in der Nähe war. Die Kameras der Turboprop-Maschine können Objekte über große Entfernungen detailliert erfassen.

Gestochen scharfe Bilder aus 1000 Metern Höhe. Zu sehen auch: Ein Mann im Wasser, erst nach einer Weile wird er auf den Trimaran gezogen, dann scheinbar ein Gerangel. Der Richter: „B. kann sich aus einem Würgegriff befreien, gleitet erneut ins Wasser.“ Denn B. habe begriffen: „Der Feind ist an Bord.“ Er habe nicht damit gerechnet, dass F. ihm folgen würde.

Das Gericht weiter: „Als ein Ehepaar auf einem anderen Segelboot zum Rettungsring greift, springt F. ins Wasser.“ Er habe eine Rettung seines Freundes nicht gewollt. Von hinten habe er sich genähert, B. sei nicht an den Rettungsring gekommen. Der Richter: „Aber seine Bewegungen waren gleichmäßig und kräftesparend.“ Am Ertrinken sei B. nicht gewesen.

Opfer wurde lange unter Wasser gehalten

Doch dann tauchte F. auf. Der Richter: „12 bis 13 Sekunden hielt er B. massiv unter Wasser, der kann sich von dem ersten Angriff freimachen, kommt nach oben wie ein Korken.“ Doch F. habe erneut angriffen: „Er presst ihn mit beiden Händen unter Wasser, zieht den leblosen Körper dann hinter sich her.“

Die Verteidiger hatten auch argumentiert: „Es gibt kein Motiv.“ Richter Groß nun: „Es hat eines gegeben, das wir nicht konkretisieren können. Möglicherweise wegen eines Konflikts, der bei F. etwas freigelegt hat, was zu lange unter der Oberfläche rumort hat.“

Es begann eine große Rettungsaktion mit Hubschraubern. Doch jede Hilfe kam zu spät. F. ist seitdem in Haft. Mit Revision gegen das Urteil wird gerechnet. KE.