Regel mit Zündstoff

Kein Deutsch, kein Eintritt: Strandbad greift nach Rettung eines Kleinkinds durch

Ein Strandbad in Halle lässt Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht mehr hinein. Der Betreiber spricht von Sicherheit.

Author - Sebastian Krause
Teilen
Ins Heidebad in Halle kommt man nur noch rein, wenn man Deutsch sprechen kann.
Ins Heidebad in Halle kommt man nur noch rein, wenn man Deutsch sprechen kann.Heiko Rebsch/dpa

Diese Regel sorgt für Zündstoff: Im Heidebad in Halle an der Saale dürfen Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse vorerst nicht mehr baden gehen. Der Betreiber begründet den Schritt mit der Sicherheit am Wasser.

Dramatischer Vorfall am Wochenende

Die Entscheidung wurde durch einen dramatischen Vorfall am vergangenen Wochenende ausgelöst. Geschäftsführer Mathias Nobel musste nach eigenen Angaben ein Kleinkind aus viel zu tiefem Wasser retten.

Sicherstellen, dass Besucher die Baderegeln verstehen

Nobel, selbst Rettungsschwimmer, sagt der Deutschen Presse-Agentur: „Wir müssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der Badegäste gewährleisten zu können.“

Bei hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad genießen Janin (r.) und Andrea mit ihrem Nachwuchs die Abkühlung im Heidebad in Halle/Saale.
Bei hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad genießen Janin (r.) und Andrea mit ihrem Nachwuchs die Abkühlung im Heidebad in Halle/Saale.Hendrik Schmidt/dpa

Wenn am Eingang auffalle, dass es Verständigungsprobleme gebe, werde im Einzelfall entschieden, wie weiter verfahren werde. Es gehe vor allem darum, dass Badegäste wissen, wie sie sich am Wasser verhalten müssen.

Bad-Chef will bei der Linie hart bleiben

Die neue Einlassregel gilt seit wenigen Tagen. Seitdem seien vereinzelt Menschen nicht eingelassen worden. Nobel räumt ein, dass seine Entscheidung Kritik ausgelöst habe. Dennoch bleibt der Bad-Chef hart: „Wir bleiben da aber konsequent.“

Der Auslöser war offenbar ein Beinahe-Drama: Am vergangenen Wochenende sei ein Kleinkind in viel zu tiefem Wasser gewesen. Nobel musste eingreifen und das Kind retten. „Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich“, sagt der Geschäftsführer des Heidebades.

Rettungsschwimmer hätten bei Badegästen Bedenken

Gerade an heißen Tagen werde es am Einlass voll. Nach Nobels Darstellung reichten die Hinweisschilder, die an mehreren Stellen im Bad hängen, nicht mehr aus. Die neue Regelung soll die bestehenden Baderegeln ergänzen. Besonders Kinder müssten verstehen, wie sie sich am Wasser zu verhalten haben – und sie müssten von Menschen beaufsichtigt werden, die ebenfalls wissen, was im Notfall zu tun ist.

Wir müssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der Badegäste gewährleisten zu können.

Mathias Nobel, Geschäftsführer

Auch die Rettungsschwimmer müssten Badegäste direkt ansprechen können. Komme etwa eine Gruppe ins Heidebad, in der keine einzige Person ausreichend Deutsch verstehe, hätten er und sein Team Bedenken, sagte Nobel. Der Betreiber verweist dabei auf die Verantwortung seines Personals: Es müsse schnell reagieren können, wenn Menschen sich falsch verhalten oder in Gefahr geraten.

Bademeister will sein Personal entlasten

Mit der Regel will Nobel auch seine Bademeister entlasten. In der Vergangenheit habe es Diskussionen gegeben, weil diese nicht bereit gewesen seien, die Schwimmregeln einzeln in ein Übersetzungsprogramm zu sprechen. „Mein Personal ist so schon an der Grenze“, sagt er.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com