Folge des Irankriegs

Größter Chemiestandort der DDR: Nach Rettung nun wieder insolvent

Erst im April galt das frühere Domo-Werk in Leuna als gerettet. Jetzt ist die neue Auffanggesellschaft schon wieder zahlungsunfähig.

Author - Sebastian Krause
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Domo Chemicals in Leuna steht vor dem Aus und hat Insolvenz beantragt.
Domo Chemicals in Leuna steht vor dem Aus und hat Insolvenz beantragt.Jan Woitas/dpa

Der Schock in Leuna ist zurück: Nur gut zweieinhalb Monate nach der mühsam abgewendeten Stilllegung des früheren Domo-Chemiewerks hat die Auffanggesellschaft Polyamid GmbH Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Neustart, der im April noch als Rettung für den Standort galt, steht damit schon wieder auf der Kippe.

Rohstoffpreise und Irankrieg belasten das Geschäft

Als Grund nennt der Betreiber die stark gestiegenen Rohstoffpreise durch den Irankrieg. Lieferanten hätten inzwischen Vorkasse für Lieferungen verlangt – für das Unternehmen wurde genau das zum Problem. Der Liquiditätsbedarf sei dadurch deutlich stärker gestiegen als geplant. Das berichtet der MDR.

Chemiewerk stand bereits vor dem Aus

Nach Angaben des Unternehmens ist eine Fortführung des Betriebs außerhalb eines Insolvenzverfahrens derzeit nicht mehr möglich. Die Leuna-Werke südlich von Halle waren der größte Chemiestandort der DDR. Als VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“ produzierten sie mit bis zu 30.000 Beschäftigten rund 700 Erzeugnisse, darunter Treibstoffe, Ammoniak und Kunststoffe.

Im April vergangenen Jahres galt das Chemie-Werk noch als gerettet. Jetzt steht es vor der erneuten Insolvenz.
Im April vergangenen Jahres galt das Chemie-Werk noch als gerettet. Jetzt steht es vor der erneuten Insolvenz.Jan Woitas/dpa

Das Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna hatte bereits Ende vergangenen Jahres vor dem Aus gestanden. Damals fehlte Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs. Monatelang wurde nach Investoren gesucht. Sachsen-Anhalt sicherte in dieser Zeit den Notbetrieb mit rund 80 Millionen Euro ab, weil die Anlagen nicht einfach gefahrlos heruntergefahren werden konnten.

Nach der vermeintlichen Rettung der nächste Rückschlag

Im April kam dann die vermeintliche Rettung: Die Chemieparkgesellschaft Infra Leuna und das Unternehmen Leuna-Harze übernahmen das Domo-Werk. Dafür wurde die Leuna Polyamid GmbH als Auffanggesellschaft neu gegründet. Dabei wurden der Standort, die Immobilie und 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten übernommen.

Seitens des Umweltministeriums behalten wir – wie auch schon im ersten Insolvenzverfahren – Anlagensicherheit sowie Immissions- und Umweltschutz weiter im Fokus.

Armin Willingmann, Energieminister

Doch die Ruhe hielt nicht lange. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Halle gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung. Geprüft wird, ob die ursprüngliche Insolvenz rechtzeitig angemeldet wurde. Für die Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Energieminister Willingmann hält Rettung für möglich

Vorerst soll der Betrieb weiterlaufen. Die Insolvenz soll in Eigenregie bewältigt werden, parallel beginnt erneut die Suche nach einem Investor. Energieminister Armin Willingmann (SPD) hält eine weitere Rettung des früheren Domo-Werks weiter für möglich. Er sei zuversichtlich, „dass das neu aufgestellte Unternehmen die akuten Schwierigkeiten mithilfe neuer Investoren lösen und Unternehmen vom Einstieg in Leuna überzeugen kann“, sagte der SPD-Politiker am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Gleichzeitig nannte Willingmann den erneuten Insolvenzantrag so kurz nach dem Neustart „für alle Beteiligten und vor allem für die Beschäftigten extrem bitter“. Das Werk im Süden Sachsen-Anhalts gilt als wichtig für die Chemieindustrie im Land. Willingmann betonte zudem: „Seitens des Umweltministeriums behalten wir – wie auch schon im ersten Insolvenzverfahren – Anlagensicherheit sowie Immissions- und Umweltschutz weiter im Fokus.“

Geschäftsführer gibt sich weiter zuversichtlich

Auch Infra-Leuna-Geschäftsführer Christof Günther zeigte sich – ebenso wie der Betriebsrat – zuversichtlich, dass ein neuer Investor gefunden werden kann. Günther sagte dem MDR, die Anlage habe eine gute Auslastung. Die Produkte seien stark nachgefragt. Das mache den Standort für Investoren attraktiv. Weitere staatliche Hilfe sei nicht notwendig.

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