46 Millionen Liter pro Jahr

Traditionsmarke in Not: Fruchtsaft-Gigant steht vor der Insolvenz

Die angespannte Lage des Traditionsunternehmens spitzt sich zu. Die Geschichte einer Marke steht auf der Kippe.

Author - Sebastian Krause
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Dem Safthersteller Beckers Bester droht die Insolvenz.
Dem Safthersteller Beckers Bester droht die Insolvenz.imago/Manfred Segerer

Große Sorge um eine deutsche Traditionsmarke: Dem Fruchtsafthersteller Beckers Bester droht offenbar die Insolvenz. Damit wächst nicht nur der Druck auf das 1932 gegründete Familienunternehmen, sondern auch auf Hunderte Anleger, die seit Monaten auf ihr Geld warten.

Insolvenz in Eigenverantwortung geplant

Der Betrieb aus Nörten-Hardenberg in Niedersachsen bereitet wohl eine Insolvenz in Eigenverwaltung vor. Das geht aus einem Schreiben der Investmentplattform Invesdor an betroffene Investoren hervor. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet.

Beckers Bester hat viel Geld eingenommen

Betroffen sind Anleger, die über die Crowdinvesting-Plattform Finnest, heute Invesdor, Geld in Beckers Bester gesteckt haben. Seit Mitte 2025 fließen weder Zinsen noch Rückzahlungen. Der Safthersteller, der sich in vierter Generation im Familienbesitz befindet, begründet den Zahlungsstopp mit einem sogenannten Solvenzvorbehalt. Heißt: Nach Einschätzung des Unternehmens könnten Auszahlungen die wirtschaftliche Stabilität gefährden.

Beckers Bester stellt nach eigenen Angaben rund 46 Millionen Liter Saft pro Jahr her.
Beckers Bester stellt nach eigenen Angaben rund 46 Millionen Liter Saft pro Jahr her.imago/Schöning

Ende April versuchte Beckers Bester offenbar noch, sich mit den Investoren außergerichtlich zu einigen. Das Angebot sorgte allerdings für neuen Ärger. Anleger sollten nur zehn Prozent ihres ursprünglich investierten Kapitals zurückbekommen. Eine Einigung kam bislang nicht zustande.

Geld sollte in den Ausbau der Produktion gesteckt werden

Dabei geht es um viel Geld. Nach Angaben der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ sammelte der Hersteller in mehreren Finanzierungsrunden insgesamt mehrere Millionen Euro ein. Das Geld sollte unter anderem in den Ausbau der Produktion fließen.

Gerade darin liegt nun für viele Anleger das Problem. Die Gelder wurden als sogenannte Nachrangdarlehen vergeben. Im Fall einer Insolvenz würden sie also erst berücksichtigt, wenn andere Gläubiger bedient sind. Dass die Lage so heikel geworden ist, trifft ein Unternehmen, das in der Branche seit Jahrzehnten als feste Größe gilt.

Unternehmen produziert rund 46 Millionen Liter Saft

Beckers Bester nennt sich selbst eine Marke mit mehr als 90 Jahren Geschichte und sitzt bis heute in Nörten-Hardenberg. Das Unternehmen gehört nach Branchenangaben zu den größeren deutschen Saftherstellern, produziert rund 46 Millionen Liter im Jahr und beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter. Schon vor Jahren setzte Beckers Bester bewusst auf Crowdinvesting, um Wachstum, neue Maschinen und den Ausbau der Abfüll- und Verpackungstechnik zu finanzieren.

Bereits 2018 und 2019 warb das Unternehmen über Finnest um Anlegergeld für neue Maschinen, computergestützte Abfüllsysteme sowie die Modernisierung und Erweiterung der Glas- und Tetra-Pak-Füllanlagen. Die jetzige Schieflage kommt also nicht aus dem Nichts. Das Familienunternehmen hatte die Crowd einst als wichtigen Baustein für Wachstum und Finanzierung entdeckt. Nun könnten gerade diese Konstruktionen für private Investoren zum Risiko werden, weil Nachrangdarlehen im Krisenfall besonders schwach abgesichert sind.

Viele Wechsel an der Spitze des Unternehmens

Hinzu kommt: Auch an der Spitze des Unternehmens war zuletzt viel Bewegung. Erst Ende 2025 übernahm Wolf-Peter Korth aus dem Kreis der Eigentümerfamilie die Geschäftsführung, nachdem Unternehmensberater Lothar Welker abgelöst worden war. Damals war bereits von organisatorischen Veränderungen und großen Herausforderungen die Rede. Branchenmedien berichteten zudem, dass es in kurzer Zeit mehrere Wechsel an der Unternehmensspitze gegeben habe.

Nach Angaben von Invesdor besteht zwar weiter die Chance auf eine außergerichtliche Lösung. Möglich sei auch ein neues Angebot an die Anleger. Bislang liegt aber kein neuer Vorschlag auf dem Tisch.

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