Pleitewelle in Deutschland

Depot in der Krise: Wie die Deko-Kette um das Überleben kämpft

Nach einem erneuten Insolvenzantrag kämpft das Unternehmen um das Überleben und plant radikale Einschnitte.

Author - Sebastian Krause
Teilen
Die Insolvenzwelle rollt in Deutschland weiter: Nun hat auch die Deko-Kette Depot Insolvenz beantragt.
Die Insolvenzwelle rollt in Deutschland weiter: Nun hat auch die Deko-Kette Depot Insolvenz beantragt.Alicia Windzio/dpa

Die Deko-Kette Depot steckt schon wieder in der Krise: Die GDC Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Aschaffenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte.

Depot gibt sich trotz Schieflage kämpferisch

Trotz der erneuten Schieflage gibt sich die Führung kämpferisch. Geschäftsführer Christian Gries will den Möbel- und Deko-Händler retten und erklärt: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und möglichst viele Filialen erhalten.“ Doch der Gegenwind ist heftig.

Starker Online-Handel und Konkurrenz durch Plattformen

Als Gründe für die Insolvenz nennt Gries neben Zöllen und der starken Online-Konkurrenz durch Plattformen wie Temu vor allem die Kaufzurückhaltung der Kunden. „Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise.“ Dauerhafte Rabatte seien für das Unternehmen jedoch keine Lösung, um profitabel zu bleiben.

Christian Gries, Geschäftsführer von Depot, gibt sich kämpferisch und will mit dem Unternehmen weitermachen.
Christian Gries, Geschäftsführer von Depot, gibt sich kämpferisch und will mit dem Unternehmen weitermachen.Spöttel Bild/imago

Klar ist: Einschnitte werden kommen. Gries rechnet mit weiteren Filialschließungen – wie viele genau, ist noch offen. „Eine genaue Zahl können wir noch nicht sagen.“ Stattdessen kündigt der Chef an, „alles auf den Prüfstand stellen“ zu wollen, Gespräche mit Vermietern zu führen und das Konzept von Depot zu überarbeiten.

Geschäftsführung steuert den Sanierungskurs

Das zuständige Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung bereits angeordnet. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Thomas Rittmeister bestellt.

Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise.

Christian Gries, Geschäftsführer

Bedeutet: Die Geschäftsführung bleibt zunächst im Amt und steuert den Sanierungskurs selbst. Zuvor hatte bereits die „Lebensmittelzeitung“ über die Entwicklung berichtet.

Depot betreibt nur noch 150 Geschäfte – von ehemals 400

Depot sitzt im unterfränkischen Großostheim und kämpft schon länger mit Problemen. Besonders während und nach der Corona-Pandemie geriet das Unternehmen unter Druck. Bereits 2024 musste Depot einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung stellen – mit drastischen Folgen. Bundesweit wurden zahlreiche Filialen dichtgemacht.

Die Zahlen zeigen, wie stark der Rückgang ist: Aktuell betreibt Depot noch mehr als 150 Geschäfte, vor einigen Jahren waren es noch rund 400. Zur Zahl der Beschäftigten wollte sich Gries auf Nachfrage nicht äußern.

Auch Mäc Geiz stellt in dieser Woche Insolvenzantrag

Der Fall Depot ist kein Einzelfall. Die gesamte Branche ächzt unter der schwachen Konsumlaune und dem boomenden Onlinehandel. Laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts fürchtet inzwischen jeder sechste Einzelhändler in Deutschland um seine Existenz. Im April stuften 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Lage als existenzbedrohend ein – so viele wie nie zuvor.

Die Deko-Kette Depot betrieb einst bis zu 400 Filialen. Heute sind es nur noch 150.
Die Deko-Kette Depot betrieb einst bis zu 400 Filialen. Heute sind es nur noch 150.Christian Rothenberg/dpa

Erst in dieser Woche hatte auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz Insolvenz angemeldet. Insgesamt ist die Zahl der Pleiten im Handel so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der Kreditversicherer Allianz Trade zählte im vergangenen Jahr 2.571 Insolvenzen. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen weiter steigen werden.

Zehntausende Geschäfte haben ihre Türen geschlossen

Und der Aderlass im deutschen Einzelhandel geht noch weiter: In den vergangenen Jahren haben Zehntausende Geschäfte ihre Türen geschlossen – nicht nur wegen Insolvenzen. Nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Läden 2026 erstmals unter die Marke von 300.000 fallen. Zum Vergleich: Ende 2015 gab es noch etwa 372.000 Geschäfte.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com