In jeder Stadt gibt es Friedhöfe – und jeder kann sie besuchen. Oft schützt nur ein einfaches Eisentor die Ruhestätte für die sterblichen Überreste von Menschen. Doch es gibt einen Friedhof auf der Erde, den niemals jemand zu Gesicht bekommen wird: Point Nemo! Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Friedhof für Raumschiffe – und der liegt am unzugänglichsten Punkt der Erde. Wir verraten das Geheimnis des sagenumwobenen Ortes.
Der Point Nemo ist der entlegenste Ort im Pazifik
In Science-Fiction-Filmen wurden in der Vergangenheit immer wieder Friedhöfe für Raumschiffe thematisiert – doch dabei handelt es sich häufig um Schrottplätze. Wie ein Friedhof für solche Flugkörper wirklich aussieht, wird niemals jemand erfahren.
Denn er liegt auf dem Grund des Pazifischen Ozeans! Hier befindet sich „Point Nemo“, der unzugänglichste Ort der Welt, der auch als „Pazifischer Pol der Unzugänglichkeit“ bezeichnet wird. Es handelt sich um eine Stelle auf dem Pazifik, die am weitesten von Festland und jeglichen Inseln entfernt ist.
Der Ingenieur Hrvoje Lukatela aus Kroatien bestimmte den genauen Ort bereits im Jahr 1992. Die nächstgelegenen Landmassen sind die Pitcairinseln in knapp 2700 Kilometern Entfernung. 2024 schaffte es der britische Abenteurer Chris Brown an den entlegenen Ort – er hat es sich zur Aufgabe gemacht, als erster Mensch der Welt alle entlegensten Orte auf dem Planeten zu besuchen. Denn Pole der Unzugänglichkeit gibt es nicht nur im Pazifischen Ozean. Sie liegen auch unter anderem in der Antarktis und am Nordpol.

Der Pol der Unzugänglichkeit, der auch im Pazifik liegt, erfüllt eine wichtige Aufgabe: Er wird seit Jahren als Friedhof für Raumschiffe genutzt. Der Grund: Weil er so weit weg von jeglicher Zivilisation liegt, können Flugkörper aus dem All hier ohne Gefahren zum Absturz gebracht werden. Sie werden so gesteuert, dass sie über Point Nemo in die Erdatmosphäre eintreten und an jener Stelle im Ozean versinken.
Raumstation „Mir“ stürzte hier in den Pazifischen Ozean
Eines der bekanntesten Beispiele ist die Raumstation Mir, die im Jahr 2001 kontrolliert zum Absturz gebracht wurde. Sie schlummert seitdem auf dem Grund des Pazifischen Ozeans. Wie auch viele unbemannte Raumkapseln, die man zur Erde zurückbringen wollte, aber nicht einfach irgendwo auf dem Land abstürzen lassen konnte.

Auch Schiffe wurden am Point Nemo im Pazifik entsorgt
Doch nicht nur Raumschiffe schlummern an Point Nemo: Auch Satelliten wurden hier in der Vergangenheit regelmäßig zum Absturz gebracht. Insgesamt 263 Raumflugkörper sollen an dem entlegenen Ort versenkt worden sein – und das nur zwischen 1971 und 2016. Und: Der entlegene Ort wurde auch schon genutzt, um Frachtschiffe gezielt zu entsorgen, indem man sie wasserte und sie kontrolliert sinken ließ.
Schon heute ist klar, dass hier unter anderem auch die Internationale Raumstation ISS landen wird. Sie soll laut NASA bis zum Ende des Jahrzehnts, also bis spätestens 2030, außer Dienst gestellt werden. Dann wird auch dieses Monstrum der Raumfahrt über Point Nemo zum Absturz gebracht – und in den Fluten des Pazifiks versinken.

Wie viel von den Flugkörpern übrigens wirklich am Grund des Ozeans ankommt, ist unklar. Denn: Ein Teil verglüht natürlich beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Wie viele Wracks hier schlummern, wird aufgrund der Meerestiefe von bis zu 4000 Metern nie ein Mensch herausfinden. Der Aufwand für die Reise in diese Tiefe wäre nicht zu rechtfertigen.




