Baumhäuser, Kletterwelten und Fantasie-Dörfer. Eigentlich klingt das nach einem perfekten Familienausflug. Doch hinter den Kulissen kämpft einer der außergewöhnlichsten Freizeitparks Ostdeutschlands ums Überleben. Jetzt machen die Betreiber des Erlebnisparks „Turisede“ in Sachsen öffentlich, wie groß ihre Existenzsorgen wirklich sind.
Die Besitzer des Freizeitparks sind verzweifelt
Der Park in Neißeaue (Sachsen) an der deutsch-polnischen Grenze zieht seit Jahren Besucher mit seiner außergewöhnlichen Welt zwischen Baumwipfeln an. Zur Anlage gehört sogar Deutschlands erstes Baumhaushotel. Trotzdem bleiben die Gäste aus. Die Besitzer sind verzweifelt.

„Wir haben zu wenige Gäste“, sagt Betreiber Jürgen Bergmann (66) in der Vox-Sendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“. Besonders bitter: Obwohl Polen direkt vor der Haustür liegt, stammen lediglich rund vier Prozent der Besucher aus dem Nachbarland. So geht es für den Betrieb nicht weiter.
Für Bergmann und seine Lebensgefährtin Doreen Stopporka (47) geht es längst nicht nur um einen Freizeitpark. Seit 27 Jahren sind die beiden ein Paar, haben gemeinsam fünf Kinder und stecken nahezu ihre gesamte Zeit in das Herzensprojekt. Freizeit? Fehlanzeige. „Arbeit und Familie ist bei uns das Gleiche. Wir haben keine Freizeit“, erzählt Bergmann.

Dass der Unternehmer heute überhaupt noch weitermachen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor einigen Jahren musste er bereits Insolvenz anmelden. Damals gelang der Neustart, noch einmal soll es so weit aber nicht kommen. Die Eheleute kämpfen schon wieder ums Überleben.
Der Freizeitpark finanziert sich nicht mehr selbst
Deshalb setzt das Paar inzwischen auf mehrere Standbeine. Neben dem Freizeitpark betreiben sie ein Unternehmen für künstlerische Holzgestaltung. Rund 80 Beschäftigte bauen Baumhäuser, Erlebniswelten und Freizeitparks in ganz Europa. Etwa zwei Drittel der Einnahmen stammen mittlerweile aus diesem Geschäft. Trotzdem bleibt der finanzielle Druck groß.
Während Bergmann ständig darüber nachdenkt, wie neue Attraktionen finanziert werden können, hält Doreen Stopporka den laufenden Betrieb zusammen. „Mein Alltag ist zeitweise sehr, sehr stressig. Es kommt viel zusammen, es geht viel durcheinander, wo man Entscheidungen treffen muss. Von einer Sekunde in die andere muss man sich in ein anderes Thema reindenken“, beschreibt sie den Alltag.
Stillstand ist für das Paar keine Option. Nach eigenen Angaben laufen derzeit 25 bis 30 Projekte gleichzeitig. Stillstand funktioniert hier nicht. Die Besitzer des Freizeitparks müssen immer wieder Geld zurücklegen, um den Freizeitpark weiterzuentwickeln. „Man muss ja auch immer genügend ansparen, um jedes Jahr eine neue Attraktion zu bauen“, erklärt Bergmann.

Dabei sieht der Park spektakulär aus. Gäste können nicht nur einen Tagesbesuch buchen, sondern auch eine Übernachtung in modernen Baumhäusern und da fehlt es einem an nichts. Es gibt Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer mit Liebe zum Detail. Überall finden sich Schmuckstücke, die die Baumhäuser zieren. Für Familien mit Kindern wird die Übernachtung zu einem echten Abenteuer.
Aufgeben ist für die Besitzer keine Option
Aufgeben wollen die beiden Sachsen nicht. Ihr Ziel ist es, den außergewöhnlichen Freizeitpark im Osten dauerhaft zu erhalten. „Ich glaube, mein größter Wunsch ist, dass alle wichtigen Stellen der Firma mit guten Leuten besetzt sind und dass sie weiterhin alle Lust haben, den Weg mit uns weiterzugehen“, sagt Bergmann.



