Kaum ein Mensch steht aktuell so im Fokus der Öffentlichkeit wie Gina H. Die 30-Jährige aus Reimershagen ist die Hauptverdächtige im Fall Fabian aus Güstrow. Hat sie etwas mit dem Tod des acht Jahre alten Jungen zu tun? Die Ermittler sind sicher, dass sie die Täterin ist. Bis zu ihrer Verurteilung gilt auch für Gina H. die Unschuldsvermutung. Ihre Untersuchungshaft während des Verfahrens verbringt die Frau in der Justizvollzugsanstalt Bützow, einer der ältesten und bekanntesten Haftanstalten in Deutschland.
Gina H. sitzt seit dem 7. November in Untersuchungshaft
Seit dem 7. November sitzt Gina H. in Untersuchungshaft – nachdem sie nach dem Tod von Fabian aus Güstrow mit dem Auffinden der Leiche selbst ins Rampenlicht geriet, gab es Anfang November auch bei ihr Durchsuchungen. Danach wurde sie festgenommen, sitzt seitdem in U-Haft. Für die Dauer des Verfahrens ist die JVA Bützow ihr Zuhause auf Zeit, eine Justizvollzugsanstalt, die zu den größten in Mecklenburg-Vorpommern gehört – und zu den ältesten in Deutschland.
Gebaut wurde sie von 1835 bis 1839, damals mit dem Namen „Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Landesstrafanstalt zu Dreibergen“. Hinter der heutigen JVA liegt eine lange Geschichte mit dunklen Kapiteln. Zur Zeit der Nationalsozialisten wurde sie etwa als Haftanstalt für Zwangsarbeiter genutzt.
Außerdem befand sich hier eine Hinrichtungsstätte, die für die Vollstreckung von Todesurteilen der NS-Justiz genutzt wurde. In einem umgebauten Apfelkeller wurden hier von 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Todesurteile mit dem Fallbeil vollstreckt.

Auch zu DDR-Zeiten war das Gefängnis gefürchtet: Es gehörte zu den „Drei großen B“, zu denen neben der Haftanstalt Bützow auch jene in Bautzen und Brandenburg zählten. 1951 übernahm die Volkspolizei der DDR die Führung in der Anstalt. Hier wurden Regimegegner untergebracht und musste unter den Haftbedingungen leiden. Nach der Wende herrschten hier noch bis Mitte der 90er-Jahre schlimme Zustände, die JVA wurde von Medien damals als „Schreckensknast“ bezeichnet. Inzwischen wurden die alten Hafthäuser saniert.
Bis zu 452 Inhaftierte haben in der JVA Bützow Platz
Heute ist in der JVA, in der Gina H. aufgrund der Vorwürfe im Fall Fabian in Untersuchungshaft sitzt, vieles anders. „Die Justizvollzugsanstalt Bützow ist eine Anstalt des geschlossenen Vollzuges mit bis zu 452 Inhaftierten und rund 280 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen“, heißt es auf der Website. Der Alltag im Strafvollzug sei straff organisiert und richte sich in den einzelnen Haftbereichen nach festen Ablaufplänen.
50 Prozent der Inhaftierten arbeiten hier oder nehmen an schulischen oder beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen teil, heißt es. Gearbeitet werden kann unter anderem in Näherei, Wäscherei, Bäckerei, Küche, Schlosserei und Tischlerei.

Auch gibt es in der JVA ein Freizeitangebot – jede Woche werden nach festen Plänen Sportarten wie Fußball, Tischtennis, Badminton und Volleyball angeboten. „Sport bietet den Inhaftierten die Möglichkeit, Aggressionen abzubauen und sich im sozialen und fairen Umgang miteinander zu üben“, heißt es auf der JVA-Website. Es gibt auch ein Fitnessstudio. Zu den Freizeitangeboten gehören außerdem eine Gefängnisbibliothek mit rund 2500 Büchern.
Außerdem werden eine Vogel-, Schildkröten-, Fisch- und Hühnerhaltung betrieben und es kann im Garten gearbeitet werden. Im Rahmen eines Katzenprojektes können Gefangene außerdem streunende Katzen auf dem Gelände versorgen und es gibt ein Theaterprojekt für männliche Gefangene.



