Scharfe Kritik an dem Dokumentarfilm „Kommunist“ über den letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz. Nach der Uraufführung am 8. Mai warf der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Burkhard Bley, dem Filmemacher Lutz Pehnert eine Weichzeichnung der DDR und eine Verhöhnung der Opfer der SED-Diktatur vor.
RBB hat den Film über Egon Krenz mitproduziert
Der Film von Autor Lutz Pehnert war vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) produziert und unter anderem von der MV Filmförderung finanziert worden. Lutz Pehnert ist der Sohn des stellvertretenden DDR-Fernsehchefs und späteren Vize-Kulturministers Horst Pehnert.
Produktion hat keinen journalistischen Anspruch
Lutz Pehnert hatte dem NDR gesagt, er habe den letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden Krenz in seiner Widersprüchlichkeit porträtieren wollen. Sein Dokumentarfilm sei keine journalistische Produktion, eher ein filmischer Essay. Er habe gar nicht die Absicht gehabt, einen weiteren journalistischen Aufarbeitungsfilm zu machen.
„Und ein Dokumentarfilm leistet sich eine andere Herangehensweise. Und das schließt natürlich ein, dass man nicht alle Aspekte, die man vielleicht von einem solchen Thema erwartet, erfüllen kann.“ Natürlich sei es ihm schon um eine differenzierte Betrachtung gegangen, aber mit einer anderen Intention, sagte Pehnert.
RRB sieht Film vor allem als einen Debattenbeitrag
Der mitproduzierende RBB erklärte auf NDR-Anfrage: „Kommunist“ ist keine klassische TV-Geschichtsdokumentation, sondern ein künstlerischer Kinodokumentarfilm, vor allem ein Debattenbeitrag.“ Der RBB habe den Film redaktionell betreut, teilte ein Sendersprecher mit.
Der Film ist kein differenzierter Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sondern er vermittelt bewusst ein geschöntes Bild von der DDR, unterschlägt historische Fakten und bedient sich manipulativ der Bildsprache der DDR-Propaganda.
„Die filmische Umsetzung, die Bildsprache und Erzählweise legen aus unserer Sicht nahe, dass ‚Kommunist‘ Diskussionen und Kontroversen auslöst. Aus Sicht des RBB gehört die Auseinandersetzung mit solchen Themen zu den Aufgaben des künstlerischen Dokumentarfilms.“
Kritik an Film durch manipulierte Bildsprache
An dieser Beschreibung nahm der Landesbeauftragte für Diktaturaufarbeitung Burkhard Bley indirekt Anstoß. „Der Film ist kein differenzierter Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sondern er vermittelt bewusst ein geschöntes Bild von der DDR, unterschlägt historische Fakten und bedient sich manipulativ der Bildsprache der DDR-Propaganda“, kritisierte Bley.

So viel Förderung hat der Film über Krenz bekommen
Der vom RBB produzierte Film wurde vom Deutschen Filmförderfonds des Kulturstaatsministers mit knapp 60.000 Euro gefördert. Von der MV Filmförderung kamen 70.000 Euro Produktionsförderung. Während die Bundesförderung nach Angaben der Behörde automatisiert nach klaren Richtlinien vergeben werde, entscheide bei der MV Filmförderung ein unabhängiges Gremium vertraulich über die Förderung.
Zwar hatte es dort nach NDR-Informationen durchaus eine Diskussion über den Filmstoff gegeben, letztlich aber auch eine klare Förderentscheidung. Laut Richtlinie ist das Gremium zum Stillschweigen über seine Entscheidungen verpflichtet.
Förderrichtlinie enthält keine journalistischen Kriterien
Diese Richtlinie enthält keinerlei journalistische Kriterien. Bedingung ist, dass der Film die Würde des Menschen achtet, die Grundrechte respektiert und einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen erwarten lässt, heißt es darin.
Ob ein Stoff eine Förderung erfährt, obliegt einem staatlich unabhängigen fachkundigen Vergabegremium. Der Aufsichtsrat der MV Filmförderung ist an solchen Förderentscheidungen nicht beteiligt.
Ausschlaggebend ist zudem ein Landesbezug. Dem Vergabe-Gremium der MV Filmförderung gehört neben anderen Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen auch ein Vertreter des NDR an. Zudem ist der NDR Medienpartner des Filmkunstfestes.
Filmkunstfest widerspricht der Kritik am Film
Das Filmkunstfest widersprach in einer schriftlichen Stellungnahme nach NDR-Anfrage entschieden der Kritik des Landesbeauftragten, das Filmkunstfest sei der Verpflichtung, die Kontroverse um Krenz historisch einzuordnen, nicht gerecht geworden. Vielmehr habe das Festival eine Möglichkeit geschaffen, sich mit dem Film in einer öffentlichen Veranstaltung auseinanderzusetzen.

Zudem sei es eine elementare Aufgabe des Festivals, Filmproduktionen aus dem Lande eine Sichtbarkeit im Rahmen des Festivals zu geben und eine Möglichkeit zur öffentlichen Bewertung und Auseinandersetzung mit diesen Arbeiten zu schaffen. „Ob der Film misslungen ist, liegt im Auge des Betrachters“, heißt es von Festivalleiter Volker Kufahl und von der Aufsichtsratsvorsitzenden der Filmland GmbH, Barbara Teewag.




