Die Zahl der Begegnungen zwischen Menschen und Schwarzbären nimmt in Japan zu. Nach mehreren Sichtungen eines Tieres nahe der Stadt Utsunomiya reagierten die Behörden mit weitreichenden Maßnahmen. Fast hundert öffentliche Schulen blieben vorübergehend geschlossen, und es laufen Notfallübungen, um Einsatzkräfte auf mögliche Bärenangriffe vorzubereiten.
Behörden trainieren den Bären-Ernstfall
An den Übungen beteiligen sich Polizei, Jäger und Mitarbeiter der Kommunen. Damit der Ablauf möglichst realistisch ist, übernimmt ein Verwaltungsmitarbeiter die Rolle des Bären. Wie ein Video der Washington Post zeigt, zieht er dafür ein Bärenkostüm mit Maske an. Auslöser der Übungen sind die zuletzt deutlich gestiegenen Sichtungen wilder Schwarzbären.
Nachdem ein Tier mehrfach in der Nähe von Utsunomiya auftauchte, entschieden sich die Behörden vorsorglich zur Schließung von fast hundert öffentlichen Schulen. Anschließend üben die Einsatzkräfte, wie sie das Tier im Ernstfall sicher überwältigen und Anwohner schützen können. Ziel ist es, bei einer Begegnung mit einem Schwarzbären schnell und koordiniert reagieren zu können.
Immer mehr Sichtungen von Schwarzbären
Obwohl bei den Sichtungen in der vergangenen Woche niemand verletzt wurde, sind die Begegnungen zwischen Menschen und Bären ein weiteres Beispiel für einen landesweiten Anstieg. Dieser stellt Japans traditionelle Vorstellung von einem harmonischen Zusammenleben mit der Natur zunehmend auf die Probe.
Die Tiere tauchen längst nicht mehr nur in abgelegenen Wäldern auf, sondern auch in Skiorten, kleinen Dörfern und sogar am Stadtrand von Metropolen wie Tokio oder Kyoto. Wegen der zunehmenden Vorfälle haben inzwischen die USA, Kanada und Großbritannien ihre Reisehinweise für Japan angepasst. Auch Deutschland warnt vor der Bärenpopulation: „Halten Sie Abstand von den Tieren, bleiben Sie ruhig und rennen Sie nicht weg.“

Als Ursache nennen Experten unter anderem den Klimawandel. Heftige Unwetter setzen Buchenwäldern zu, deren Nüsse eine wichtige Nahrungsquelle für Schwarzbären sind. Weil sie in der Natur immer schwerer Futter finden, wagen sich die Tiere häufiger in Wohngebiete und suchen dort nach Essensresten.


