Rund um den Spektepark in Spandau eskaliert die Lage. Wildschweine durchstreifen Wege und Wohngebiete – für viele Anwohner ist die Angst längst Alltag geworden. Einige trauen sich kaum noch vor die Tür.
Anwohner fühlen sich eingeschlossen
„Man kann zurzeit nirgends mehr hingehen, ohne auf eine Rotte Wildschweine zu treffen“, schreibt eine besorgte Leserin. Die Tiere durchstreifen Wege, Grünflächen und sogar Wohngebiete. Einige Bewohner berichten sogar, sie könnten zeitweise ihre Häuser kaum noch betreten oder verlassen. Eine Situation, die viele als nicht mehr tragbar empfinden.
Besonders alarmierend: Es bleibt nicht mehr nur bei Begegnungen. In den vergangenen Wochen soll es erste Verletzte gegeben haben – am Falkenhagener Feld wurden laut Anwohnern Menschen durch Wildschweine angegriffen. „Es ist gefährlich für Menschen, besonders für Hunde und Kinder“, schreibt eine andere Leserin.
Ein Schicksal, von dem eine Leserin berichtet, bewegt besonders: Eine ältere Dame, die mit ihrem kleinen Hund spazieren war, wurde von einem Wildschwein zu Boden gerissen. Sie kam mit Prellungen davon – doch der Schock sitzt tief. Seitdem traut sie sich nicht mehr alleine vor die Tür.

Die Wut vieler Anwohner richtet sich auch gegen die Politik. Der Vorwurf: Das Problem werde zu oft auf falsches Verhalten der Menschen reduziert – etwa durch Fütterung.
Der Senat weist gegenüber dem Berliner KURIER diese Kritik nicht vollständig zurück, betont aber: Die Situation sei bekannt und man nehme die Sorgen ernst. Gleichzeitig stellt die Verwaltung klar: „Wildschweine suchen normalerweise nicht die Nähe des Menschen, sind nicht aggressiv und haben kein Interesse daran, Menschen zu schaden.“
Jagd der Wildschweine ist sehr kompliziert
Doch warum eskaliert die Lage dann? Ein Grund liegt offenbar in den schwierigen Bedingungen vor Ort. Die Jagd auf Schwarzwild findet zwar statt – „weiterhin intensiv, soweit dies im gegebenen gesetzlichen Rahmen möglich ist“ –, doch der Spektepark gilt als sogenannter befriedeter Bereich. Bedeutet: Aus Sicherheitsgründen darf dort grundsätzlich nicht geschossen werden.
Falsches Verhalten verschärft die Lage
Zwar sind sogenannte Stadtjäger im Einsatz, teilweise täglich und ehrenamtlich. Doch selbst sie stoßen an Grenzen. „Aufgrund der örtlichen Verhältnisse ist aus Sicherheitsgründen oftmals eine gefahrlose Schussabgabe nicht möglich“, so die Verwaltung. Hinzu kommt: Nicht alle Grundstückseigentümer erlauben Maßnahmen auf ihren Flächen.
Ein weiteres Problem bleibt bestehen: Trotz aller Warnungen würden Wildschweine weiterhin gefüttert – „zum Teil aus der Hand“. Das führe dazu, dass die Tiere ihre natürliche Scheu verlieren.


