Technik am Limit

Einkaufen ohne Kasse gescheitert: Aldi beendet umstrittenes KI-Experiment

Nach vier Jahren ist Schluss. Der kassenlose Testmarkt in London wird wieder zur normalen Filiale.

Author - Tobias Esters
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Eine Aldi-Nord-Filiale in Berlin. (Symbolbild)
Eine Aldi-Nord-Filiale in Berlin. (Symbolbild)dpa

Die Idee klang nach Zukunft, doch in der Praxis hat sie sich nicht bewährt. Der Discounter Aldi beendet seinen kassenlosen Testmarkt in London und kehrt damit zu einem klassischen Filialkonzept zurück. Wie mehrere Medien berichten, wird der sogenannte Shop and Go Markt an der Greenwich High Road nach rund vier Jahren Betrieb umgestellt.

Hightech-Konzept ohne Kasse – so funktionierte der Einkauf

Das Konzept galt als besonders innovativ. Mithilfe von 343 Kameras und zahlreichen Sensoren wurde jeder Griff ins Regal erfasst. Kundinnen und Kunden konnten den Laden betreten, Produkte auswählen und ihn wieder verlassen, ohne an einer Kasse zu bezahlen. Die Abrechnung erfolgte automatisch im Hintergrund. Der Zugang funktionierte entweder über eine App mit hinterlegter Zahlungskarte oder durch das Scannen einer EC oder Kreditkarte am Eingang.

In der Theorie sollte das Einkaufen dadurch schneller und komfortabler werden. In der Praxis zeigte sich jedoch ein entscheidender Schwachpunkt. Vor dem Betreten des Marktes wurde automatisch ein Pfand von zehn Pfund einbehalten. Dieser diente als Sicherheit, um die Zahlungsfähigkeit zu prüfen. Ähnlich wie bei Fahrdiensten sollte der Betrag später mit dem tatsächlichen Einkauf verrechnet werden.

Eine Aldi-Filiale in Yorkshire: Der Discounter beendet in Großbritannien seinen kassenlosen Testmarkt und kehrt zum klassischen Einkaufskonzept zurück.
Eine Aldi-Filiale in Yorkshire: Der Discounter beendet in Großbritannien seinen kassenlosen Testmarkt und kehrt zum klassischen Einkaufskonzept zurück.Mark Newcombe/IMAGO

Für viele Kunden sorgte genau dieser Punkt für Unmut. Wer nur Kleinigkeiten kaufte oder den Laden ohne Einkauf wieder verließ, musste teilweise mehrere Tage auf die Rückbuchung warten. Zusätzlich wurde der genaue Pfandbetrag erst sichtbar, nachdem die Karte bereits gezückt war. Viele empfanden das als wenig transparent und störend im Ablauf.

Ein Sprecher von Aldi betonte, dass der Test von Anfang an als zeitlich begrenztes Projekt angelegt gewesen sei und nun planmäßig ende. Dennoch zeigt die Entscheidung, dass sich das Konzept im Alltag nicht wie erhofft durchgesetzt hat.

Viele Händler rudern bei kassenlosen Systemen zurück

Der Schritt steht nicht für sich allein. In der gesamten Branche wird derzeit neu bewertet, wie sinnvoll kassenlose Einkaufssysteme tatsächlich sind. Mehrere Händler haben ähnliche Modelle getestet und stoßen dabei auf hohe Kosten, technische Komplexität und Akzeptanzprobleme bei Kunden.

Der Fall macht deutlich, dass der Faktor Mensch im Einzelhandel weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Viele Kunden wünschen sich neben Schnelligkeit auch Orientierung, Transparenz und im Zweifel persönliche Ansprechpartner. Gerade bei Problemen oder Unklarheiten fehlt in vollständig automatisierten Märkten oft genau diese Unterstützung.

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