Rentner verletzt

Ausgebrochener Tiger bei Leipzig erschossen – Konsequenzen gefordert

Ein Tiger bricht aus einer privaten Anlage in Schkeuditz aus, greift einen 73-Jährigen an und wird von der Polizei erschossen.

Author - Tobias Esters
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Ein Tiger hinter Gittern – in Schkeuditz bei Leipzig entkam eine Raubkatze aus einer privaten Anlage und musste von der Polizei erschossen werden. (Symbolfoto)
Ein Tiger hinter Gittern – in Schkeuditz bei Leipzig entkam eine Raubkatze aus einer privaten Anlage und musste von der Polizei erschossen werden. (Symbolfoto)Akila Jayawardena/Matrix Images /IMAGO

Es war kurz vor 13 Uhr am Sonntag, als in Schkeuditz bei Leipzig der Notruf einging. Ein Tiger hatte sein Gehege verlassen. Was folgte, war ein Großeinsatz der Polizei, ein schwer verletzter Mann und am Ende ein Schuss, der nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Tiger greift 73-Jährigen an – Polizei erschießt Raubkatze

Die Polizeisprecherin Susanne Lübcke bestätigte: „Der Tiger hat sein Gehege verlassen. Er konnte dann von Polizeikräften im Bereich einer Gartenanlage angetroffen werden.“ Um jede weitere Gefahr für die Öffentlichkeit zu beseitigen, wurde das Tier erschossen. Bei dem schwer verletzten Mann handelt es sich laut Polizei um einen 73-jährigen Helfer, der sich in der Anlage aufhielt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Der Tiger war aus dem Gehege von Carmen Zander entkommen, einer Tiger-Dompteurin, die in einem Gewerbegebiet im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig Großkatzen hält. Dort sollen noch acht weitere Tiger leben. 

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort, darunter auch schwer bewaffnete Kräfte mit Langwaffen. Das Gelände wurde mit einer Drohne überflogen, um sicherzustellen, dass keine weiteren Tiere frei herumlaufen.

Schwer bewaffnete Polizisten sichern das Gelände der privaten Tigeranlage in Schkeuditz bei Leipzig nach dem Ausbruch der Raubkatze.
Schwer bewaffnete Polizisten sichern das Gelände der privaten Tigeranlage in Schkeuditz bei Leipzig nach dem Ausbruch der Raubkatze.Björn Stach/EHL Media/dpa

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der Dölziger Ortsvorsteher Thomas Druskat sagte der Leipziger Volkszeitung: „Man darf gar nicht daran denken, wenn auch noch andere Menschen zu Schaden gekommen wären.“ Er forderte, die Tiere in eine andere Haltungsform zu überführen.

Auch Anwohner zeigten sich erschüttert. Stefanie Kästner, die einen Reiterhof gegenüber der Tigerkäfige betreibt, sagte, sie finde es furchtbar und besorgniserregend, dass so etwas passieren konnte. Ein früherer Bekannter der Dompteurin, der sich selbst als „Tigerfan“ bezeichnet, äußerte sich ebenfalls kritisch: „Die Tiere sind viel zu eng untergebracht, auf viel zu engem Grund und Boden.“

Peta fordert: „Bundesregierung muss handeln“

Die Tierrechtsorganisation Peta nutzte den Vorfall, um erneut auf die Gefahren privater Wildtierhaltung aufmerksam zu machen. Peter Höfgen, Peta-Fachreferent für Wildtiere, sagte: „Im Prinzip muss die Bundesregierung jetzt endlich handeln.“ Peta habe das Veterinäramt Nordsachsen seit 2019 wiederholt auf aus Sicht der Organisation mangelhafte Haltungsbedingungen in Schkeuditz hingewiesen – zu kleine und unsichere Gehege, Verstöße gegen den Tierschutz. „Es hätte schon längst eine Beschlagnahmung der Tiere erfolgen müssen“, sagte Höfgen. Laut Peta gibt es seit längerer Zeit das Angebot einer Auffangstation, die Tiere aufzunehmen.

Der Vorfall weckte Erinnerungen an einen anderen dramatischen Fall vor zehn Jahren. Im September 2016 brachen im Leipziger Zoo zwei Löwen aus ihrem Gehege aus. Ein Tier konnte zurückgedrängt werden, das andere wurde erschossen. Danach wurde der Wassergraben am Löwengehege des Zoos deutlich verbreitert. Ob der gegenwärtige Vorfall ähnliche strukturelle Konsequenzen nach sich zieht, bleibt abzuwarten. Die Polizei ermittelt, ob sich aus dem Ausbruch auch strafrechtliche Konsequenzen für die Halterin ergeben.

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