Der Frühling schiebt die Natur an. Es wird wieder wärmer. Überall sprießen Blätter, Blüten und bald auch Beeren. Vieles sieht harmlos aus, manches sogar lecker. Doch nicht alles, was im Wald oder auf der Wiese wächst, gehört in den Mund. Einige Früchte sind essbar, andere können gefährlich werden – besonders für Kinder. Wir erklären Ihnen, welche Früchte gefährlich sind und welche Folgen ein Genuss haben kann.
Tollkirsche: Schon wenige Beeren sind tödlich
Tollkirsche: Eine der giftigsten Pflanzen Europas. Die glänzenden, dunklen Beeren der Tollkirsche wirken harmlos, sind es aber nicht. Schon drei bis fünf Früchte können für Kinder lebensgefährlich sein, bei Erwachsenen sind es zehn bis zwölf. Der Wirkstoff Atropin erweitert die Pupillen, beschleunigt den Puls und trocknet die Schleimhäute aus. Erste Symptome treten schnell auf: rote Haut, Sprachstörungen, Halluzinationen, Krämpfe. Ohne Behandlung drohen Bewusstlosigkeit und Atemlähmung. Wer versehentlich eine Beere isst, muss sofort medizinische Hilfe holen.
Schwarzer Holunder: Roh giftig, gekocht unbedenklich
Schwarzer Holunder: Die Pflanze zeigt ab Mai seine Blüten, im Spätsommer hängen die dunklen Beeren schwer an den Zweigen. Sie riechen und schmecken richtig verarbeitet herrlich. Doch roh sind die Beeren gefährlich. Der Grund: cyanogene Glycoside (ein Blausäureäquivalent). Sie können Bauchschmerzen auslösen und werden erst beim Erhitzen unschädlich. Sirup, Mus oder Marmelade sind kein Problem. Vorsicht gilt trotzdem: Blätter, Rinde, unreife Beeren und sogar die Samen enthalten Giftstoffe, die im Extremfall lebensgefährlich sein können.

Zwergholunder: Die gefährliche Doppelgänger‑Falle
Zwergholunder: Sieht ähnlich wie schwarzer Holunder aus, ist aber immer hochgiftig. Großer Unterschied: Diese Früchte riechen unangenehm. Die schwarzen Beeren des Zwergholunders dürfen niemals gegessen werden. Sie enthalten die höchste Giftkonzentration der Pflanze und bleiben selbst nach dem Kochen gefährlich. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal: Die giftigen Beeren wachsen nach oben, die des Schwarzen Holunders hängen nach unten. Das Laub ist gefiedert und besteht aus sieben bis elf lanzettförmigen Blättern. Wer hier zugreift, riskiert schwere Vergiftungen.

Heckenkirsche: Verwechslungsgefahr mit Johannisbeeren
Rote Heckenkirsche: Verwechslungsgefahr mit Johannisbeeren. Die roten Früchte der Heckenkirsche sehen harmlos aus und erinnern an rote Johannisbeeren. Genau das macht sie so gefährlich. Kinder greifen schnell zu – und landen im schlimmsten Fall im Krankenhaus. Eine stärkere Vergiftung tritt aber gewöhnlich erst nach dem Verzehr von 30 Beeren auf. Der Genuss führt zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. In größeren Mengen können Herzprobleme, Fieber und Krämpfe auftreten. Auch Tiere reagieren empfindlich: Schon wenige Beeren können für Kaninchen tödlich sein.

Vogelbeere: Roh ungenießbar, gekocht köstlich
Vogelbeere: Wird gerne mal mit der Tollkirsche verwechselt, obwohl diese schwarz ist. Die leuchtend roten Beeren der Vogelbeere (Eberesche) sorgen oft für Unsicherheit. Giftig oder nicht? Roh sind sie ungenießbar, weil Parasorbinsäure den Magen reizt. Beim Kochen oder Trocknen wandelt sie sich jedoch in Sorbinsäure um – und die ist verträglich. Dann lassen sich Gelee, Marmelade oder sogar Schnaps daraus herstellen. Der robuste Baum gehört zu den Rosengewächsen und ist ein wichtiger Winterfutterbaum für Vögel. Für Menschen gilt: nur gekocht genießen.

Pfaffenhütchen: Hübsch giftig
Pfaffenhütchen: Bunte Früchte, gefährliche Wirkung. Das Pfaffenhütchen wächst an Waldrändern und fällt durch seine orange-roten Kapseln auf. Kinder greifen gerne zu – ein Fehler. Die Früchte enthalten das Alkaloid Evonin. Die Symptome treten erst spät auf: Erbrechen, Durchfall, Magenkrämpfe. Die tödliche Dosis liegt bei 30 bis 40 Früchten, weshalb schwere Fälle selten sind. Trotzdem gilt: Finger weg von den hübschen Kapseln.

Seidelbast: Schöne Beeren, starke Gifte
Seidelbast: Schön anzusehen, hochgiftig beim Verzehr. Der Seidelbast blüht früh im Jahr und duftet stark. Im Sommer trägt er rote Beeren, die Johannisbeeren ähneln. Genau das macht ihn gefährlich. Der Samen in der Beere und die Rinde enthalten Mezerin und Daphnetoxin – zwei starke Gifte. Nach dem Verzehr brennt der Mund, Zunge und Lippen schwellen an, später folgen Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Kopfschmerzen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Herzrasen, Fieber und einem tödlichen Kreislaufkollaps. Schon vier bis fünf Beeren können für Kinder tödlich sein, zehn bis zwölf für Erwachsene.



