Wer krank ist, bekommt bisher bis zu sechs Wochen weiter seinen Lohn – doch genau das könnte sich bald ändern. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung prüfen Union und SPD derzeit einschneidende Maßnahmen, um den hohen Krankenstand in Deutschland zu senken.
Neue Pläne: Kürzere Lohnfortzahlung im Gespräch
Demnach steht unter anderem zur Diskussion, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu kürzen. Bislang zahlen Arbeitgeber im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen das volle Gehalt weiter. Künftig könnte dieser Zeitraum reduziert werden.
Auch eine weitere weitreichende Idee ist im Gespräch: Arbeitgeber sollen die Lohnfortzahlung möglicherweise nur noch einmal pro Jahr leisten müssen. Wird die maximale Dauer erreicht und ein Arbeitnehmer später erneut krank, würde dann direkt die Krankenkasse einspringen – mit dem deutlich niedrigeren Krankengeld.
Besonders brisant: Auch ein sogenannter Karenztag wird offenbar wieder diskutiert. Das bedeutet, dass Beschäftigte am ersten Krankheitstag kein Geld mehr bekommen würden – erst ab dem zweiten Tag würde die Lohnfortzahlung einsetzen. Für Arbeitnehmer wäre das ein direkter finanzieller Einschnitt.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass solche Regelungen nicht ungewöhnlich sind. In Ländern wie Schweden oder Großbritannien gibt es bereits Karenztage oder eine eingeschränkte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Erfahrungen dort fallen jedoch gemischt aus: Zwar melden sich Beschäftigte kurzfristig seltener krank, langfristige Auswirkungen auf Gesundheit und Arbeitsausfälle sind jedoch umstritten.
Deutschland bei Krankentagen vorn
Hintergrund der Debatte ist laut Regierungskreisen vor allem die Entwicklung der Krankentage. Deutschland liegt im europäischen Vergleich weit vorne. Beide Koalitionspartner wollen die Zahl der Ausfälle reduzieren. Allerdings gilt: Beschlossen ist noch nichts. „Am Ende zählt nur, worauf sich alle einigen“, heißt es aus politischen Kreisen.


