Kreuzottern sind faszinierende Tiere - aber sie können auch ganz schön beängstigend sein. imago/imagebroker

Ich liebe Tiere sehr – aber natürlich gibt es, wie bei vielen Menschen, auch für mich Tiere, die ich nicht so sehr mag wie andere. Von meiner Spinnen-Angst habe ich im Rahmen meiner Kolumne an anderer Stelle schon einmal berichtet. Heute geht es um eine weitere Tierart, die viele Menschen fürchten: Schlangen! Ich finde sie ja überaus faszinierend… aber am liebsten ist es mir, wenn uns eine Glasscheibe voneinander trennt. Und wenn ich Geschichten wie die folgende lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf…

Schlangen im Plattenbau halten: Muss das wirklich sein?

Vielleicht haben sie es gehört oder gelesen: In der japanischen Großstadt Kurashiki ging erst vor ein paar Tagen eine Python verloren. Der Besitzer hielt sie in seiner Wohnung in einem Glaskasten – und wollte sie an jenem Tag von einem Freund abholen, der auf das Tier aufgepasst hatte, heißt es in Berichten. Doch dann war die Würgeschlange plötzlich verschwunden, eine tagelange Suchaktion begann. Das Ende der Geschichte:  Die Python hatte sich im Auto versteckt, lag im Handschuhfach hinter einer Kabelverkleidung.

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Diese Geschichte ist gut ausgegangen – doch das ist nicht immer so. Erst im vergangenen Jahr besuchte ich für meine Arbeit beim KURIER eine Auffangstation für Reptilien nahe Brandenburg an der Havel. Der Besitzer, ein Tierschützer, ist Profi im Bereich der Reptilien.

Oft wird er gerufen, wenn es zu Zwischenfällen in den Wohnungen von Schlangenhaltern kommt… oder sogar eines der Tiere türmt. 14 waren es beispielsweise, die im Juli 2021 in einer Wohnung in Potsdam entdeckt wurden. Eine der Giftschlangen lag hinter dem Nachttisch des Halters.

Die konfiszierten, befreiten oder gefundenen Tiere leben in der Auffangstation in Terrarien. Seit ich die Station besuchte, ist mein Respekt noch größer, denn nur eine dünne Glaswand trennt mich beim Besuch von Tieren, die mir mit ihrem Gift große gesundheitliche Schäden zufügen, mich sogar töten könnten. Man stelle sich vor, was passiert, wenn ein solches Tier, womöglich noch illegal gehalten, im Plattenbau türmt. Und kaum vorstellbar, dass offenbar immer mehr Menschen solche Tiere halten.

Kreuzottern sind giftig, aber es ist unwahrscheinlich, an ihrem Gift zu sterben. imago/Blickwinkel

Eigentlich hatte ich gedacht, dass mir die Begegnungen mit den Tieren nach meinem Umzug nach Berlin erspart bleiben würden. Ich wuchs in Sachsen auf, in einem Dorf in der Sächsischen Schweiz. Die Lage am Wald, die pralle Sonne, die aufgeheizten Wiesen und Felsen machten die Grundstücke neben den Häusern meiner Eltern und meiner Oma zu perfekten Lebensräumen für Kreuzottern.

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Noch heute schickt mir mein Vater im Sommer Bilder, wenn sich wieder eine der Schlangen, dick wie ein Starkstromkabel, in den Garten verirrt hat, sich auf den Steinplatten des Gehwegs vor dem Haus sonnt. Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, doch er schreibt nur scherzhaft „Grüße aus den Everglades“ dazu.

Dass man im Sommer nicht barfuß durch tiefes Gras gehen sollte, lernte ich schon früh – und zum Glück blieb mir ein Biss erspart. Ein tödlicher Biss ist sowieso unwahrscheinlich, nur für alte Menschen, Kinder und Kranke kann es gefährlich werden. Aber wie beim Corona-Virus gilt: Wenn man herausfindet, dass man zur Risikogruppe gehört, kann es schon zu spät sein.

Sind Kreuzottern giftig? Eigentlich schon, aber...

Das Gift der Kreuzotter ist übrigens stärker als das der Diamant-Klapperschlange… da sie aber einen kleineren Vorrat hat, sind die Folgen nicht so schlimm. Was aber, wenn man einer richtig gefährlichen Giftschlange begegnet? Genau davor warnte der Tierschützer der Auffangstation in Brandenburg. So eine Klapperschlange passe beispielsweise in jedes Lüftungsrohr, sagte er.

Ein Satz, der mich ziemlich verunsicherte. „Und sie legt nicht einmal Eier, sondern bringt ihre Jungen lebend zur Welt. Plötzlich leben also im Kabelschacht eines Plattenbaus Klapperschlangenbabys – es ist ein riesiger Aufwand, so ein Haus wieder sicher zu machen.“ Seitdem frage ich mich immer, wenn ich einen meiner Nachbarn treffe: Könnte es sein, dass er oder sie eine gefährliche Schlange hält? Man kann nur hoffen, dass alle, die sich – aus welchen Gründen auch immer – so ein Tier halten, verantwortungsbewusst damit umgehen.

KURIER-Autor Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt: wirvonhier@berlinerverlag.com