Den irren Sammler erwartet jetzt ein Verfahren wegen Schmuggels und Verstoßes gegen Gesetze zum Schutz bedrohter Arten . dpa/Guardia Civil

Manchmal denke ich, dass mich nach rund 15 Jahren als Reporter kaum noch etwas schocken kann – aber manchmal kommt dann doch alles ganz anders. So ist es schon im Bereich der Tiergeschichten, die ich seit Jahren schreibe – es gibt immer wieder schöne Geschichten, aber leider auch schockierende Storys über Welpenhandel und Tierquälerei. Doch die Geschichte, auf die ich beim Wälzen der Nachrichtenportale jetzt stieß, überbietet wirklich alles. Und ist zugleich so gruselig, dass sie mich absolut ratlos zurücklässt.

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Vielleicht haben Sie schon davon gehört: In der Nähe der spanischen Stadt Valencia machten Ermittler der Polizei vor Tagen einen unglaublichen Fund. Sie stießen auf einem großen Grundstück in der kleinen Stadt Bétera auf ein Privatmuseum, das man wohl mit gutem Gewissen „makaber“ nennen kann.

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Insgesamt 1090 ausgestopfte Tiere entdeckten die Polizisten in zwei Lagerhallen, heißt es. „Es war unglaublich. Was wir dort gefunden haben, hat alles übertroffen, womit wir gerechnet hatten“, sagte einer der Ermittler später in einem Interview.

Die spanischen Polizisten bekamen einen Hinweis auf die Sammlung

Die Polizisten hätten zuvor einen Hinweis auf die Sammlung bekommen, heißt es. Der Eigentümer habe sie erst nicht auf das Grundstück lassen wollen – doch als sie mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss anrückten, musste er die Türen öffnen. Die Bilder, die die spanische Polizei inzwischen veröffentlichte, sind so gruselig, dass es dafür kaum Worte gibt: Seite an Seite stehen die Exponate da, ausgestopfte Exemplare von teils ausgestorbenen Tieren, etwa eine afrikanische Säbelantilope. 405 der Tiere ständen auf der Liste des Artenschutzabkommen CITES.

Beamte der Guardia Civil untersuchen und dokumentieren den Fund. dpa/Guardia Civil

Ein majestätischer Elefant ist zu sehen, daneben ein Nashorn. Außerdem ein Löwe im Sprung. Steinböcke, die auf künstlichen Felsen balancieren und Wölfe, die den Mond anheulen. Auf einem Foto ist eine Szenerie zu sehen, die mich an die Eröffnungsszene des Films „König der Löwen“ erinnert, wenn alle Tiere zum Felsen kommen, um die Geburt von Löwenbaby Simba zu huldigen. Denn: Hier stehen die Tiere so dicht an dicht wie die Passagiere in der U-Bahn in der Hauptverkehrszeit. Ein irres Sammelsurium des konservierten Lebens.

Die Wände der Sammel-Halle sind mit afrikanischen Landschaften tapeziert

Noch dazu gibt es sogar Kulissen: Die Wände der Hallen hat der skurrile Sammler mit afrikanischen Landschaften tapeziert. Eine Wand ist über und über behängt mit Tierköpfen, montiert an Platten – wie die klassischen Jagdtrophäen. Und es wird noch perverser: Auch Hocker, angefertigt aus abgeschnittenen Elefantenfüßen, Möbelstücke aus Krokodilhaut und Stoßzähne gehören zur Kollektion. Die Polizei schätzt den Wert der Sammlung auf 30 Millionen Euro.

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Ich habe in dieser Kolumne schon oft die Frage gestellt, was eigentlich in manchen Menschen vorgeht – aber noch nie war ich so erstaunt wie dieses Mal. Wie krank muss man sein, um Freude daran zu entwickeln, eine solche private Sammlung aufzubauen? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, verstorbene Tiere zu konservieren – allerdings, wenn überhaupt, nur zu Bildungs- oder Forschungszwecken, etwa für ein Naturkundemuseum. Aber nicht, damit sich ein offenbar ziemlich reicher Typ, der sonst nichts mit seinem Geld anzufangen weiß, daran ergötzen kann.

Noch dazu wirft der Fall Fragen auf. Wie kann es jemandem gelingen, unbemerkt von allen Behörden, Exponate solcher Größe anzusammeln? Wir reden hier schließlich nicht von seltenen Muscheln oder Steinen, die viele, aus dem Urlaub kommend, mal im Handgepäck verstecken. Sondern unter anderem von einem ausgewachsenen Elefanten! „Kann mir mal jemand erklären, wie ein ausgestopfter Elefant nach Spanien gekommen ist?“, fragt etwa ein Nutzer auf Twitter.

1090 Tiere zählten die Polizisten in der privaten Sammlung. dpa/Guardia Civil

Noch dazu möchte man gar nicht darüber nachdenken, unter welchen Umständen die Tiere zu Tode kamen. Mir scheint es, als hätte der eifrige Sammler sein Geld womöglich nicht nur für die Objekte an sich ausgegeben, sondern auch dafür, an den richtigen Stellen andere Leute zu schmieren.

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Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie der Aufbau einer solchen Kollektion gelingen kann. Seine Identität ist bisher unklar, darüber wollte die spanische Polizei nicht sprechen. Er habe aber angekündigt, Papiere vorlegen zu wollen, auch wenn das bisher nicht geschehen sei. Ich hoffe, dass der Mann eine saftige Strafe bekommt – und dass die Stücke seiner privaten Ausstellung zumindest einem vernünftigen Zweck zugeführt werden. Damit das Leid der Tiere nicht völlig umsonst war.

KURIER-Autor Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com