Geocaches verstecken sich überall. Drei Millionen solcher Schätze liegen inzwischen auf der Welt versteckt – und helfen dabei, ganz neue Ecken im eigenen Umfeld zu entdecken. imago/Panthermedia

Na, was ist denn hier passiert? Keine Sorge, liebe Leserinnen und liebe Leser, es ist Montag – normalerweise finden Sie an dieser Stelle die tollen Texte von Claudia Pietsch, die Ihre Gedanken zu Berlins Befindlichkeiten mit Ihnen teilt. Doch heute bin ich an der Reihe, denn meine Kollegin muss eine kleine Pause einlegen. Das gibt mir die Gelegenheit, endlich mal in der Zeitung von einem meiner größten Hobbys zu erzählen – und ich hoffe, dass Ihnen mein Artikel vielleicht eine kleine Anregung für die Frühlingstage geben wird, die uns bevorstehen.

Was ist Geocaching und wie funktioniert es? Eine Kurzanleitung

Denn: Ich möchte Ihnen etwas über das Geocaching erzählen. Kennen Sie nicht? Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine moderne Schnitzeljagd. Ich erkläre es mal vereinfacht: Jemand versteckt irgendwo auf der Welt einen Behälter, etwa eine Tupperdose, und veröffentlicht dessen Position im Internet.

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Andere können dann nach diesem „Geocache“ suchen. In der Dose ist meist nur ein kleines Büchlein, in das man seinen Namen schreibt, ähnlich des Gipfelbuches beim Bergsteigen. Rund drei Millionen solcher kleinen Schätze gibt es auf der Welt. Wer aber Goldmünzen und Edelsteine sucht, ist hier falsch: Der eigentliche Schatz beim Geocaching besteht darin, neue Ecken kennenzulernen. Die Welt zu entdecken und Abenteuer zu erleben auf der Suche nach dem Geocache. Der Weg ist das Ziel!

Geocaches verstecken sich an den unterschiedlichsten Orten. Hier: Ein Cache an einer Leitplanke. imago/imagebroker

Warum ich Ihnen das erzähle, fragen Sie? Weil mir dieses Hobby wie nichts anderes geholfen hat, diese Stadt und das Umland in all ihren Details kennenzulernen. Ich wohne jetzt seit 13 Jahren hier, eine lange Zeit. 2014 habe ich angefangen, nach Geocaches zu suchen. Natürlich bin ich auch durch meinen Beruf viel herumgekommen, habe Menschen getroffen und Ecken gesehen. Doch die Schnitzeljagd hat mich vor allem zu Orten geführt, die ich vermutlich auch bei meiner Arbeit als Reporter niemals entdeckt hätte.

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Etwa neulich: Da nahm ich mir einen Geocache im Landschaftspark Herzberge vor. Ein langgestrecktes Areal zwischen den Wohngebieten am S-Bahnhof Lichtenberg im Süden und dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge im Norden. Auch wenn Sie nicht hier wohnen: Ein Ausflug lohnt sich! Ich habe Schafe bewundern können, ebenso wie ehemalige Maschinen aus der Landwirtschaft, die hier und da an den Spazierwegen stehen.

Viele Geocaches sind auch hübsch geschmückt und dekoriert - hier ein besonderes Schätzchen aus dem Berliner Umland. Der Behälter ist eine Filmdose... und befindet sich in der Laterne. privat/FTH

Im südlichen Bereich findet sich eine riesige steinerne Bank, über und über besetzt mit Mosaiksteinchen besetzt, hergestellt Anfang der 1990er-Jahre von Berliner Jugendlichen. Und: Direkt nebenan stolpert man über alte Grabsteine, die hier offenbar eine neue Verwendung finden. Eine kleine halbkreisförmige Tribüne ist aus ihnen gebaut, ein Amphitheater im Mini-Format. Hier sitzt man etwa auf dem Grabstein von Waldemar Hoffmann, dessen Beruf ich Ihnen aber nicht verraten darf, weil er ein Teil des Geocaching-Rätsels ist.

Nur einer von vielen Ausflügen. Ich erinnere mich an eine Wanderung durch den Spiegelwald am Murellenberg in Charlottenburg. Kennen sie nicht? Sollten Sie aber! Große Verkehrsspiegel sind dort im Wald aufgestellt, auf dem Weg zur ehemaligen Wehrmachtserschießungsstätte Ruhleben. Über 230 Menschen wurden hier wegen Wehrdienstverweigerung oder Fahnenflucht erschossen. Ein Denkmal, das tatsächlich nachdenklich mache.

Gefunden! KURIER-Reporter Florian Thalmann auf der Jagd nach einem Geocache im Unterholz. privat/FTH

Eine andere Tour führte mich - nur aufgrund kleiner Plastikdosen – nach Woltersdorf. Bei herrlichem Wetter ging es im vergangenen Frühling auf den Aussichtsturm Kranichsberg und wieder hinab ins Schleusen-Tal. Einfach wundervoll! Auch eine Wanderung um die Schmöckwitzer Halbinsel kann ich bedingungslos empfehlen - genau wie eine Runde entlang des „Liederweges“ in Rehfelde. Einfach vom S-Bahnhof Lichtenberg mit dem Regio nach Rehfelde fahren, entlang mehrerer Wanderliedertafeln geht es dann zehn Kilometer übers Feld, pfeifend: „Heute wollen wir das Ränzlein schnüren“!

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All das habe ich entdeckt, weil es Geocaching gibt - und das schöne ist: Es ist so leicht. Sie müssen sich nur eine Geocaching-App auf Ihr Telefon laden und sich kostenfrei anmelden. Ein Stift und etwas Proviant sind meist die einzigen Dinge, die benötigt werden. Wichtig ist nur eines: Auch wenn es sich nach Schatzsuche anfühlt, dürfen die „Geocaches“ auf keinen Fall entführt werden. Sie werden nach dem Eintragen des Namens wieder genau so versteckt, damit auch andere Sucher noch Freude daran haben. Und seien Sie nicht traurig, wenn Sie den Schatz nicht gleich entdecken. Denken sie daran: Der Weg ist das Ziel!

Florian Thalmann schreibt eigentlich jeden Mittwoch über Tiere - aber nun zur Abwechslung auch mal am Montag über Berliner Befindlichkeiten. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com