Darf man in Berlin Enten füttern? Naturschützer raten davon ab - denn gut tut den Wasservögeln zu viel Brot auf keinen Fall. imago/F. Anthea Schaap

Zwar gab es zuletzt noch ein paar kalte Tage, doch laut Prognosen scheint der Frühling nun auch in weiten Teilen Deutschlands endlich Einzug zu halten. Das bedeutet: Es zieht auch viele Berliner wieder hinaus in die Parks und Gärten der Stadt – denn es geht doch nichts über einen Spaziergang, wenn es draußen schöner wird, wenn die Sonnenstrahlen unsere Nasen kitzeln und die Blümchen sprießen. Dann gehört auch eines zur Freizeitbeschäftigung vieler Menschen: Enten füttern im Park! Doch davon raten Naturschützer immer wieder ab. Denn das, was wir als nette Geste empfinden, kann für die Tiere tödlich enden.

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Besonders jetzt, im Frühjahr, wenn die Enten brüten und mit ihren Jungtieren über die Park-Seen gleiten, zieht es viele hinaus an die Ufer. Immer dabei: Eine Tüte mit altem Brot. Das wird dann in Stücke gerissen und den Wasservögeln zum Fraß vorgeworfen. Besonders Kinder haben daran eine wahre Freude – und die Enten selbstverständlich auch. Viele der Vögel sind schon regelrecht auf das Futter trainiert, kommen bereits angeschwommen, wenn eine Tüte raschelt.

Bitte keine Enten füttern! Für die Tiere kann das leider gefährlich werden

Ich gebe es zu: Auch ich war in meiner Kindheit einer dieser Schlawiner, der die Tiere fütterte. Ich bin in einem kleinen Dorf in der sächsischen Schweiz aufgewachsen, gelegen direkt an der Elbe. Dort wuchs ich natürlich mit Enten auf. Auf den Elbwiesen fühlten sie sich heimisch… und ich kann mich erinnern, dass es mir immer große Freude machte, mit meiner Oma beim Sonntagsspaziergang etwas Brot mitzunehmen. „Komm, wir gehen Enten füttern“ – wer möchte das als Kind nicht?

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Aber wie so oft wird man im Erwachsenenalter oft von der harten Realität eingeholt – und das, was man als Kind für schön hielt, ist plötzlich gefährlich. Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass es gefährlich sein soll, Enten mit Brot zu füttern, konnte ich es kaum begreifen. Aber ja, es ist so: Naturschützer bestehen darauf, dass Enten auf keinen Fall gefüttert werden dürfen.

In vielen Regionen ist das Füttern von Enten in Park-Teichen verboten. imago/Hanno Bode

Gründe gibt es verschiedene. Brot an sich sei in kleinen Mengen nicht gefährlich, heißt es auf der Website „Vogel und Natur“. Aber: Für die Vögel ist es quasi Fast Food aus der Tüte – voller Kohlenhydrate, viel zu stark gesalzen. Werden Enten, die beispielsweise in einem Park leben, regelmäßig mit dem Brot gefüttert, könne es durch die einseitige Ernährung dazu kommen, dass sie an Nährstoffmangel leiden, heißt es.

Besser keine Enten füttern: Brot ist gefährlich für die Teiche und Seen!

Zudem werden die Vögel beim Füttern zutraulich, verlieren dadurch die Distanz zum Menschen. „Dadurch können sie leichter Opfer von Fahrzeugen oder Hunden werden“, heißt es beim Naturschutzbund NABU. Und: Auch für die Umwelt ist das alte Brot alles andere als gut. Die Reste könnten aufweichen, auf den Boden des Gewässers sinken und dort verfaulen. „Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt“, heißt es. Die schlimmste Folge: Der See könnte „umkippen“.

Es fällt schwer, das zu verstehen, aber: Auch wenn es noch so süß aussieht, wenn die Entenfamilien kommen, um sich ihr Brot zu holen, tut es den Vögeln überhaupt nicht gut. Das Problem: Wir werten das Futtern der Vögel als Highlight, genießen den Moment. Doch über die Folgen denken wir kaum nach. Das sollten wir aber. Erst recht, wenn das, was wir tun, Schaden anrichten kann. Übrigens auch ein Grund, warum das Füttern unter Umständen als Ordnungswidrigkeit eingestuft wird.

Was kann man an Enten verfüttern? Wenn es schon sein muss, dann...

Im Stadtpark Steglitz traf ich mich mal mit Kay Fischer, einem Enten-Beobachter, der die Wasservögel im Park über 15 Jahre lang begleitete. Er beobachtete sie, sah junge Enten aufwachsen und Jahre später sterben. Wurde von den Enten sogar akzeptiert – ich erinnere mich noch an einen Erpel namens Adalbert, der sich sogar auf Fischers Hand setzte. Selbst der „Enten-Flüsterer“ – so nannten wir ihn im KURIER – sprach sich aber gegen das Füttern aus. „Denn viele Parkbesucher übertreiben es, obwohl die Vögel alles finden, was sie zum Überleben brauchen“, sagte er.

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Wenn, dann hatte er nur Haferflocken dabei – denn „kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, verriet er lächelnd. Dazu raten auch andere Vogel-Beobachter. Wenn schon füttern, dann mit Getreide oder Obststücken – noch besser ist spezielles Wasservogelfutter, das es in Spezial-Geschäften gibt. Aber am allerbesten ist es, ganz darauf zu verzichten, sich lieber bei einem Spaziergang durch den Park an den Vögeln zu erfreuen. Sie lassen sich auch so wunderbar beobachten, ganz ohne dauerhafte Futterspenden.

KURIER-Autor Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com