Ein Staffordshire-Terrier, ursprünglich war von einem Pitbull die Rede, hat in Deutschland ein vierjähriges Mädchen getötet. Die kleine Matilda aus Drosa (Sachsen-Anhalt) hatte keine Chance. Und während sich das halbe Internet über die Bestie auf vier Beinen empört, stellt sich mir eine andere Frage: Warum sprechen wir über den Hund – und nicht über die Verantwortung der Erwachsenen?
Wer lässt einen Listenhund mit Kindern zusammenleben?
Ja, das klingt hart. Und ja, die Mutter ist mit Sicherheit schwer traumatisiert. Niemand will, dass dem eigenen Kind so etwas geschieht. Aber Mitgefühl darf nicht blind machen für das, was hier offenkundig schiefgelaufen ist. Denn dieses Kind hätte nie in einer Wohnung mit einem Listenhund leben dürfen. Punkt.
Ich sage das als Mutter. Und ich sage das als Hundefreund. Staffordshire Terrier und Pitbulls können – gut erzogen, gut ausgelastet, in den richtigen Händen – friedliche Tiere sein. Aber es lässt sich nicht wegdiskutieren: Diese Hunde sind von ihrer Physiologie her in der Lage, tödliche Verletzungen zuzufügen. Wer das ignoriert, handelt nicht mutig. Sondern unverantwortlich.
Listenhunde im Kinderzimmer – ein Risiko, das niemand eingehen darf
Zur Einordnung: Listenhunde sind Rassen, denen in mehreren Bundesländern eine erhöhte Gefährlichkeit zugeschrieben wird. Sie unterliegen besonderen Auflagen: Maulkorbpflicht, Leinenzwang, Wesenstests, Haltergenehmigungen. Experten betonen zu Recht, dass nicht allein die Rasse über das Risiko entscheidet, sondern auch Erziehung, Haltung und Sozialisierung. Aber genau das macht den Fall noch schlimmer: Denn hier stimmte offenbar nichts davon.

Laut Bild-Informationen wurde der Rüde namens Abel regelmäßig in einem Käfig in der Wohnung gehalten. Ein Hund, der Auslauf, Führung und Beschäftigung braucht wie kaum eine andere Rasse – eingesperrt auf engstem Raum. Wer schon einmal ein Tier im Zoo gesehen hat, das zu lange in einem Gehege saß, kennt die Folgen: Unruhe, Aggression, Kontrollverlust. Jetzt stelle man sich dieses Tier in einer Wohnung vor, gemeinsam mit einer Vierjährigen. Und einem Säugling übrigens auch.
Matilda streichelte den Hund – dann biss er zu
Zu dem tödlichen Angriff kam es, als eine dritte Person den Hund aus dem Käfig ließ. Matilda, die sich im Wohnzimmer aufhielt, streichelte Abel. Der Staffordshire-Terrier biss sich im Bauch des Kindes fest. Die Erwachsenen versuchten mit aller Kraft, den Hund zu lösen – vergeblich. Ein Kind, das streicheln wollte. Ein Hund, der explodierte. Eine Konstellation, die jeder hätte kommen sehen können, der auch nur einen Funken Verantwortungsbewusstsein besitzt.

Gegen die Mutter und den Mann, der den Käfig öffnete, wird nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Richtig so. Denn fahrlässig ist noch das freundlichste Wort für das, was hier passiert ist. Dieses Kind wurde nicht vom Hund im Stich gelassen. Es wurde von den Erwachsenen im Stich gelassen, die es hätten schützen müssen.
Wer ein Kind hat, muss sein Ego hintenanstellen
Warum hält man einen solchen Hund, wenn kleine Kinder im Haushalt leben? Vermutlich, weil man es cool findet. Weil man seinen Lebensstil nicht ändern will – auch nicht als Eltern. Aber Elternschaft bedeutet nun mal, Entscheidungen nicht nach dem eigenen Ego zu treffen, sondern nach der Sicherheit der Kinder. Wer dazu nicht bereit ist, sollte sich fragen, ob er bereit für Kinder ist.
Matilda ist tot. Abel, der Hund, wurde in ein Tierheim gebracht. Er wird vermutlich nie wieder vermittelt werden. Auch sein Leben ist zerstört – weil Menschen versagt haben, nicht weil ein Tier getan hat, wozu es unter diesen Umständen fast zwangsläufig fähig war.
Dieses Mädchen wäre noch am Leben, wenn die Erwachsenen um sie herum auch nur einen Bruchteil der Fürsorge aufgebracht hätten, die sie einem Hund schuldig geblieben sind. Das ist keine Tragödie. Das ist Versagen.


