Hertha-Kolumne

Ach, Hertha, warum holt ihr keine Stimmungskanone?

Schalke holt mit Edin Dzeko einen Weltstar und entfacht Euphorie. Hertha hingegen spart – und verliert im Aufstiegsrennen an Boden.

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Ohne Neuzugang müssen Toni Leistner, Fabian Reese und Deyovaisio Zeefuik für Hertha BSC in der Rückrunde liefern.
Ohne Neuzugang müssen Toni Leistner, Fabian Reese und Deyovaisio Zeefuik für Hertha BSC in der Rückrunde liefern.O. Behrendt/imago

Die große Show um den ersehnten Aufstieg in die Erste Bundesliga, verbunden mit viel Euphorie, findet derzeit nicht bei Hertha BSC statt. Sie geht gerade beim alten Rivalen Schalke 04 über die Bühne. Der ähnlich wie Hertha finanziell notorisch knapp bei Kasse befindliche Traditionsklub hat mit dem 146-maligen bosnischen Nationalspieler Edin Dzeko einen Top-Stürmer, ja, einen Weltstar in die Zweite Liga geholt. Die Krux ist, dass die „Tormaschine“ im März 40 Jahre alt wird und den Zenit einer großen Karriere überschritten hat. Es stellt sich die Frage, was solch ein Altstar einem ambitionierten Zweitligisten, immerhin Tabellenführer, bringen kann.

Dzeko entfacht Schalke‑Euphorie

Auf jeden Fall ungeheure Aufmerksamkeit, im Erfolgsfall viel Anerkennung, natürlich Tore, aber vor allem eine Euphorie-Welle unter der Anhängerschaft, die das Team zum Aufstieg tragen kann. 1200 Fans beim ersten Dzeko-Training und 6000 verkaufte Dzeko-Trikots nach zwei Tagen zeigen die Dimension.

Der Bosnier, 2009/10 mit 22 Treffern für den VfL Wolfsburg Torschützenkönig der Bundesliga, hat sich auf all seinen Stationen – Manchester City, AS Rom, Inter Mailand oder Fenerbahce Istanbul – als absoluter „Knipser“ erwiesen. Schalke aber besitzt ohne Zweifel eine hohe Anziehungskraft. Dzeko hatte selbst zuerst den Kontakt zum Revierklub gesucht. Am Sonntag beim Spitzenspiel gegen Kaiserslautern (2:2) traf Dzeko nach seiner Einwechslung zum Anschlusstreffer.

Hertha ohne Star, ohne Schwung

Das Kontrastprogramm zu Schalke liefert derzeit Hertha BSC. Auch die Blau-Weißen sollten mit ihrer Geschichte, ihrem Zuschauerpotenzial und dem Bonus als Hauptstadt genügend Anreize für Profis wie eben Dzeko bieten. Das Team, das unbedingt aufsteigen will, schwächelt nach vier Remis in Serie. Die Aufstiegsplätze rücken so nicht näher.

Edin Dzeko haucht dem FC Schalke 04 sofort neues Leben ein.
Edin Dzeko haucht dem FC Schalke 04 sofort neues Leben ein.Maik Hölter/TEAM2sportphoto/imago

Nicht nur Schalke, auch die anderen fünf Aufstiegskandidaten, die in der Tabelle vor Hertha liegen, haben sich im Januar personell verstärkt. Da verwundert es schon, dass die Klubführung nicht ins finanzielle Risiko gehen will und aller Voraussicht nach keinen Winter-Transfer tätigen wird – höchstens es gibt noch stattliche Erlöse durch späte Verkäufe.

Aufstiegskampf wird zur Nervenprobe

Cheftrainer Stefan Leitl muss mit dem vorhandenen Personal auskommen, das nach Ansicht vieler Trainerkollegen allerdings das qualitativ beste der Zweiten Liga ist. Und er muss den längerfristigen Ausfall wichtiger verletzter Profis wie Kennet Eichhorn und Maurice Krattenmacher kompensieren. Einen dringend benötigten „Knipser“ wie Dzeko wird er nicht bekommen. Torjäger Haris Tabakovic, der 2023/24 großartige 22 Treffer für Hertha erzielte, konnte nach seinem Abgang nie ersetzt werden. Weder Luca Schuler, zuletzt als größter Chancenverschwender aufgefallen, noch Sebastian Grönning oder Dawid Kownacki haben bislang das Format des wuchtigen Tabakovic.

Weltmeister Sami Khedira spielte 2020/21 für Hertha BSC zwar nur achtmal, war aber in der Kabine ein wichtiger Faktor für Trainer Pal Dardai.
Weltmeister Sami Khedira spielte 2020/21 für Hertha BSC zwar nur achtmal, war aber in der Kabine ein wichtiger Faktor für Trainer Pal Dardai.Ulmer/imago

Auch mit einem beliebten Altstar, wie es Edin Dzeko ist, wird Hertha ihren Anhang nicht überraschen können. Dabei hat der Klub einst durchaus Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Im Februar 2021 holte der damalige Sportdirektor Arne Friedrich in Sami Khedira (damals 33 Jahre alt) seinen ehemaligen Teamkameraden aus der Nationalelf von Juventus Turin nach Berlin.

Warum Führung bei Hertha BSC jetzt entscheidend ist

Khedira, auch fünf Jahre Stammspieler bei Real Madrid, kam zwar nur noch neunmal zum Einsatz, war dabei dennoch wertvoll. Pal Dardai, damals Trainer, war voll des Lobes: „Als Mensch und als Spieler hat er Großartiges geleistet. Nicht nur sein Name war Weltklasse, auch wie er aufgetreten ist. Er war mein verlängerter Arm in der Kabine.“

Im Sommer 2021 folgte mit der Rückkehr von Kevin-Prince Boateng (damals 34) noch ein Altstar dem Ruf der Hertha. Er half mit seiner enormen internationalen Erfahrung dem Team und war in den beiden Relegationsspielen um den Klassenerhalt gegen den Hamburger SV (0:1/2:0) wichtigster Ansprechpartner von Trainer Felix Magath und soll die Aufstellung maßgeblich mitbestimmt haben. Solche Typen hat Hertha derzeit nicht in petto. Vor allem Führungsspieler wie Fabian Reese oder Toni Leistner müssen vorangehen. Sie wissen: Nun sind Siege Pflicht!