Die große Show um den ersehnten Aufstieg in die Erste Bundesliga, verbunden mit viel Euphorie, findet derzeit nicht bei Hertha BSC statt. Sie geht gerade beim alten Rivalen Schalke 04 über die Bühne. Der ähnlich wie Hertha finanziell notorisch knapp bei Kasse befindliche Traditionsklub hat mit dem 146-maligen bosnischen Nationalspieler Edin Dzeko einen Top-Stürmer, ja, einen Weltstar in die Zweite Liga geholt. Die Krux ist, dass die „Tormaschine“ im März 40 Jahre alt wird und den Zenit einer großen Karriere überschritten hat. Es stellt sich die Frage, was solch ein Altstar einem ambitionierten Zweitligisten, immerhin Tabellenführer, bringen kann.
Dzeko entfacht Schalke‑Euphorie
Auf jeden Fall ungeheure Aufmerksamkeit, im Erfolgsfall viel Anerkennung, natürlich Tore, aber vor allem eine Euphorie-Welle unter der Anhängerschaft, die das Team zum Aufstieg tragen kann. 1200 Fans beim ersten Dzeko-Training und 6000 verkaufte Dzeko-Trikots nach zwei Tagen zeigen die Dimension.
Der Bosnier, 2009/10 mit 22 Treffern für den VfL Wolfsburg Torschützenkönig der Bundesliga, hat sich auf all seinen Stationen – Manchester City, AS Rom, Inter Mailand oder Fenerbahce Istanbul – als absoluter „Knipser“ erwiesen. Schalke aber besitzt ohne Zweifel eine hohe Anziehungskraft. Dzeko hatte selbst zuerst den Kontakt zum Revierklub gesucht. Am Sonntag beim Spitzenspiel gegen Kaiserslautern (2:2) traf Dzeko nach seiner Einwechslung zum Anschlusstreffer.
Hertha ohne Star, ohne Schwung
Das Kontrastprogramm zu Schalke liefert derzeit Hertha BSC. Auch die Blau-Weißen sollten mit ihrer Geschichte, ihrem Zuschauerpotenzial und dem Bonus als Hauptstadt genügend Anreize für Profis wie eben Dzeko bieten. Das Team, das unbedingt aufsteigen will, schwächelt nach vier Remis in Serie. Die Aufstiegsplätze rücken so nicht näher.

Nicht nur Schalke, auch die anderen fünf Aufstiegskandidaten, die in der Tabelle vor Hertha liegen, haben sich im Januar personell verstärkt. Da verwundert es schon, dass die Klubführung nicht ins finanzielle Risiko gehen will und aller Voraussicht nach keinen Winter-Transfer tätigen wird – höchstens es gibt noch stattliche Erlöse durch späte Verkäufe.
Aufstiegskampf wird zur Nervenprobe
Cheftrainer Stefan Leitl muss mit dem vorhandenen Personal auskommen, das nach Ansicht vieler Trainerkollegen allerdings das qualitativ beste der Zweiten Liga ist. Und er muss den längerfristigen Ausfall wichtiger verletzter Profis wie Kennet Eichhorn und Maurice Krattenmacher kompensieren. Einen dringend benötigten „Knipser“ wie Dzeko wird er nicht bekommen. Torjäger Haris Tabakovic, der 2023/24 großartige 22 Treffer für Hertha erzielte, konnte nach seinem Abgang nie ersetzt werden. Weder Luca Schuler, zuletzt als größter Chancenverschwender aufgefallen, noch Sebastian Grönning oder Dawid Kownacki haben bislang das Format des wuchtigen Tabakovic.

Auch mit einem beliebten Altstar, wie es Edin Dzeko ist, wird Hertha ihren Anhang nicht überraschen können. Dabei hat der Klub einst durchaus Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Im Februar 2021 holte der damalige Sportdirektor Arne Friedrich in Sami Khedira (damals 33 Jahre alt) seinen ehemaligen Teamkameraden aus der Nationalelf von Juventus Turin nach Berlin.
Warum Führung bei Hertha BSC jetzt entscheidend ist
Khedira, auch fünf Jahre Stammspieler bei Real Madrid, kam zwar nur noch neunmal zum Einsatz, war dabei dennoch wertvoll. Pal Dardai, damals Trainer, war voll des Lobes: „Als Mensch und als Spieler hat er Großartiges geleistet. Nicht nur sein Name war Weltklasse, auch wie er aufgetreten ist. Er war mein verlängerter Arm in der Kabine.“




