Details enthüllt

Vertrauensbruch: Hertha-Fans rechnen mit Berliner Polizei ab

Brisante Details aus Polizei-Unterlagen: Die Fanhilfe Hertha BSC sieht in den Gewaltexzessen kein Einzelversagen – und fordert personelle Konsequenzen.

Author - Sebastian Schmitt
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Nach dem massiven Polizeiansatz vor und nach dem Spiel gegen Schalke fordert die Fanhilfe Hertha BSC personelle Konsequenzen bei der Berliner Polizei.
Nach dem massiven Polizeiansatz vor und nach dem Spiel gegen Schalke fordert die Fanhilfe Hertha BSC personelle Konsequenzen bei der Berliner Polizei.imago/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Der Streit zwischen Hertha BSC, Fans und Polizei schwelt seit Tagen. Jetzt zieht die Hertha-Fanhilfe in einer ausführlichen Stellungnahme  nach den Gewaltexzessen rund um das Schalke-Spiel Bilanz. Die Hertha-Fanhilfe spricht von massivem Vertrauensverlust – und stellt klare Forderungen.

Die Vorwürfe sind bekannt, die Wunden noch offen. Brutale Polizeieinsätze, Verletzte, umstrittene Hausdurchsuchungen – all das beschäftigt die Fans von Hertha BSC seit Tagen. Neu ist nun nicht der Inhalt, sondern die Konsequenz, mit der die Fanhilfe diese Ereignisse zusammenführt – und bewertet.

„Feindbild Fan“: Hertha-Fanhilfe fordert Konsequenzen

In ihrer aktuellen Stellungnahme macht die Fanhilfe deutlich: Das Vertrauen in die Polizei Berlin ist nachhaltig beschädigt. Nicht abstrakt, sondern konkret. Besonders in die Personen, die seit Monaten für die Einsatzleitung im Olympiastadion verantwortlich sind.

Die Gewaltexzesse am Spieltag gegen Schalke, die massive Präsenz am Eingang zur Ostkurve und die Hausdurchsuchungen in den Tagen vor dem Spiel werden als Teil einer längeren Negativentwicklung beschrieben – nicht als Ausrutscher.

Fünf Polizisten bewachten nach dem Schalke-Spiel die Notaufnahme, auf der verletzte Hertha-Fans behandelt wurden.
Fünf Polizisten bewachten nach dem Schalke-Spiel die Notaufnahme, auf der verletzte Hertha-Fans behandelt wurden.Fanhilfe Hertha BSC

Neu und brisant ist vor allem ein Detail aus internen Unterlagen der Polizei. Dort ist selbst beim Choreoaufbau zum Gedenken an den verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein von der „heimischen Störerszene“ die Rede. Für die Fanhilfe ist das der Beleg für ein bei der Polizei fest verankertes Feindbild Fan.

Vertrauensbruch: Hertha-Fans rechnen mit Polizei ab

Erstmals fordert die Fanhilfe nun auch offen personelle Konsequenzen. Die Einsatzleitung für das Olympiastadion soll abgelöst werden. Wer über Monate eskaliere statt deeskaliere, dürfe keine Verantwortung mehr für Großveranstaltungen tragen. Ohne diesen Schritt, so die klare Botschaft, könne es keinen Neuanfang geben.

Iris Spranger, Senatorin für Inneres und Sport, steht bei Herthas Fans in der Kritik.
Iris Spranger, Senatorin für Inneres und Sport, steht bei Herthas Fans in der Kritik.Chris Emil Janssen/imago

Der Blick geht dabei bewusst nach vorn. Auch politisch. Mit Blick auf die Pläne, Olympische Spiele nach Berlin zu holen, wird der Zustand des Olympiastadions als Ort der Angst scharf kritisiert. Wo Zuschauer Übergriffe fürchten, könne kein olympischer Gedanke wachsen.

Hertha-Fanhilfe blickt auch auf Olympia in Berlin

Innensenatorin Iris Spranger wird dabei ausdrücklich in die Pflicht genommen. Ihren Worten müssten nun Taten folgen. Gefordert wird eine lückenlose Aufarbeitung, eine öffentliche Korrektur falscher Darstellungen: „Äußerungen aus dem Polizeiapparat der vergangenen Tage zeigen deutlich auf, dass jedes Mittel recht zu sein scheint, um Hertha BSC und seine Fans öffentlich zu diffamieren. Diese unterirdischen, mit Lügen gespickten Rechtfertigungsversuche aus Ihrem Verantwortungsbereich entbehren jeder Grundlage.“

Die Fanhilfe Hertha BSC fordert einen echten Dialog. Nicht als Geste. Sondern als Voraussetzung dafür, verlorenes Vertrauen überhaupt wieder herstellen zu können.