Der Streit zwischen Hertha BSC, Fans und Polizei schwelt seit Tagen. Jetzt zieht die Hertha-Fanhilfe in einer ausführlichen Stellungnahme nach den Gewaltexzessen rund um das Schalke-Spiel Bilanz. Die Hertha-Fanhilfe spricht von massivem Vertrauensverlust – und stellt klare Forderungen.
Die Vorwürfe sind bekannt, die Wunden noch offen. Brutale Polizeieinsätze, Verletzte, umstrittene Hausdurchsuchungen – all das beschäftigt die Fans von Hertha BSC seit Tagen. Neu ist nun nicht der Inhalt, sondern die Konsequenz, mit der die Fanhilfe diese Ereignisse zusammenführt – und bewertet.
„Feindbild Fan“: Hertha-Fanhilfe fordert Konsequenzen
In ihrer aktuellen Stellungnahme macht die Fanhilfe deutlich: Das Vertrauen in die Polizei Berlin ist nachhaltig beschädigt. Nicht abstrakt, sondern konkret. Besonders in die Personen, die seit Monaten für die Einsatzleitung im Olympiastadion verantwortlich sind.
Die Gewaltexzesse am Spieltag gegen Schalke, die massive Präsenz am Eingang zur Ostkurve und die Hausdurchsuchungen in den Tagen vor dem Spiel werden als Teil einer längeren Negativentwicklung beschrieben – nicht als Ausrutscher.

Neu und brisant ist vor allem ein Detail aus internen Unterlagen der Polizei. Dort ist selbst beim Choreoaufbau zum Gedenken an den verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein von der „heimischen Störerszene“ die Rede. Für die Fanhilfe ist das der Beleg für ein bei der Polizei fest verankertes Feindbild Fan.
Vertrauensbruch: Hertha-Fans rechnen mit Polizei ab
Erstmals fordert die Fanhilfe nun auch offen personelle Konsequenzen. Die Einsatzleitung für das Olympiastadion soll abgelöst werden. Wer über Monate eskaliere statt deeskaliere, dürfe keine Verantwortung mehr für Großveranstaltungen tragen. Ohne diesen Schritt, so die klare Botschaft, könne es keinen Neuanfang geben.

Der Blick geht dabei bewusst nach vorn. Auch politisch. Mit Blick auf die Pläne, Olympische Spiele nach Berlin zu holen, wird der Zustand des Olympiastadions als Ort der Angst scharf kritisiert. Wo Zuschauer Übergriffe fürchten, könne kein olympischer Gedanke wachsen.
Hertha-Fanhilfe blickt auch auf Olympia in Berlin
Innensenatorin Iris Spranger wird dabei ausdrücklich in die Pflicht genommen. Ihren Worten müssten nun Taten folgen. Gefordert wird eine lückenlose Aufarbeitung, eine öffentliche Korrektur falscher Darstellungen: „Äußerungen aus dem Polizeiapparat der vergangenen Tage zeigen deutlich auf, dass jedes Mittel recht zu sein scheint, um Hertha BSC und seine Fans öffentlich zu diffamieren. Diese unterirdischen, mit Lügen gespickten Rechtfertigungsversuche aus Ihrem Verantwortungsbereich entbehren jeder Grundlage.“



