Sie war das Aushängeschild der DDR auf hoher See. Jetzt kämpft das Traditionsschiff um sein Comeback: Die legendäre Schonerbrigg „Wilhelm Pieck“, heute besser bekannt als „Greif“, wird derzeit aufwendig saniert. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Zweimaster im kommenden Jahr wieder segeln.
Schiff ist Geburtstagsgeschenk für Wilhelm Pieck
Entstanden ist das Schiff aus politischer Symbolik. Gebaut wurde es 1951 als Geschenk zum 75. Geburtstag von DDR-Staatspräsident Wilhelm Pieck – finanziert durch eine landesweite Spendenaktion.
Schiff läuft am 26. Mai 1951 vom Stapel
Mehr als eine Million DDR-Mark kamen zusammen, sodass Werftarbeiter Hand anlegen konnten. Am 26. Mai 1951 lief der erste Stahl-Schiffneubau der DDR in Rostock-Warnemünde vom Stapel.
Kurz darauf übergab Pieck das Schiff der Jugend – mit klarer Botschaft: „Gut ausgebildete und qualifizierte Seeleute (…) durch ihr fachliches Können zeigen, dass in der DDR eine neue Jugend herangewachsen ist, (…) die durchdrungen ist vom Geiste des Friedens und der Völkerverständigung“.
Greifswald kaufte das Schiff für symbolische eine Mark
In den folgenden Jahren entwickelte sich die „Wilhelm Pieck“ zum Segelschulschiff einer vormilitärischen Jugendorganisation – und damit auch zum Baustein im Ausbildungssystem der DDR. Heimathafen war Greifswald-Wieck, gesegelt wurde vor allem auf der Ostsee mit Richtung Polen und Sowjetunion. Aber auch große Fahrten wie 1957 durch den Ärmelkanal bis ins Mittelmeer oder nach Odessa standen an.

Nach der Wende stand das Schiff vor dem Ausverkauf. Die Treuhand wollte die „Wilhelm Pieck“ 1990 verkaufen – doch Bürger liefen Sturm. Unter dem Motto „Das Schiff bliwt hier“ setzte sich Greifswald durch, kaufte den Zweimaster für symbolisch eine Mark. Fortan setzte das Schiff unter dem neuen Namen „Greif“ in See.
Die „Greif“ gilt heute als Kulturdenkmal
Dadurch wurde aus dem ehemals ideologischen Projekt ein offenes Traditionsschiff. Plötzlich durfte jeder mitsegeln, die Routen führten nun auch nach Dänemark und Schweden.
2020 tauchen zahlreiche Probleme am Schiff auf
Doch der Zahn der Zeit setzte massiv zu: 2020 stellten Inspekteure fest, dass der Rumpf marode ist, Stahlplatten nur noch wenige Millimeter dick sind und das Schiff nicht mehr seetauglich ist. Seitdem lag die „Greif“ im Hafen und durfte nur noch besichtigt werden – nicht aber auslaufen.
Seit Oktober 2022 läuft die Rettungsaktion: Komplettsanierung von Grund auf. Unterstützt wird das Projekt von dem Förderverein Rahsegler Greif, finanziert mit Millionen. Allein die Stadt Greifswald steckt laut NDR 7,7 Millionen Euro in das Projekt. Für Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grünen) ist klar: Das Schiff sei ein Denkmal von nationaler Bedeutung.
Im März 2026 kehrt das Schiff ins Wasser zurück
Seitdem keimt Hoffnung: Im März 2026 kehrte die „Greif“ nach fast drei Jahren im Trockendock zurück ins Wasser. Neue Außenhaut, frisches Holzdeck, moderne Technik – vieles wurde erneuert. Doch innen ist noch Arbeit nötig. Doch bald soll die DDR-Legende wieder Wind in den Segeln haben. 2027 könnte die „Greif“ zurück auf der Ostsee sein.




