Wer in der DDR groß wurde, kannte Dänemark mindestens aus DEFA‑Produktionen wie „Die Olsenbande“. Hinter dem vertrauten Bild verbirgt sich jedoch eine Geschichte, die am 9. April 1940 begann und die zu einer der eindrucksvollsten Widerstandsgeschichten Europas wurde.
9. April 1940: Von Kapitulation zu Widerstand
An diesem Tag begann für Dänemark der Zweite Weltkrieg – und gleichzeitig eine Widerstandsgeschichte, die in DDR‑Schulbüchern zwar erzählt wurde, die aber bis heute viele überrascht.

Kurz nach Sonnenaufgang marschierten deutsche Truppen in Dänemark ein. Der Befehl kam aus Berlin, der Einsatz trug den harmlos klingenden Namen „Unternehmen Weserübung“. Kampfhandlungen? Kaum. Nach wenigen Stunden kapitulierte die dänische Regierung – um zivile Opfer zu vermeiden.
7.000 Juden gerettet – in einer Nacht
Viele Dänen hielten sich zunächst an die Regeln der Besatzung, aber im Hintergrund erstarkte der Widerstand: Illegale Zeitungen machten die Runde, Sabotageakte häuften sich, Streiks legten Betriebe lahm.
Als die Nazis begannen, auch die dänischen Juden zu deportieren, reagierte die Bevölkerung geschlossen. Fischer, Nachbarn, Ärzte und Geistliche – sie alle halfen, Verfolgte zu verstecken und über die Ostsee nach Schweden zu bringen. Über 7.000 Menschen wurden so gerettet. Ein europaweit einmaliger Vorgang von Zivilcourage.
Warum diese Geschichte in der DDR erzählt wurde
In der DDR wurde diese Form des Widerstands bewusst hervorgehoben. Nicht als Heldensaga einzelner Eliten, sondern als Beispiel eines Volkes, das sich dem Faschismus widersetzte.
Dänische Filme wie „Rote Wiesen“ oder „Kein Pardon nach Mitternacht“ liefen in Kinos und Kulturhäusern. Sie zeigten Einzelschicksale von Widerstandskämpfern und stille Dramen im Untergrund. Kein Pathos, keine Überhöhung, aber deutlich antifaschistisch. So, wie man es im Osten schätzte.

Obwohl Normalsterbliche in der DDR kaum eine Chance hatten, das kleine skandinavische Land zu besuchen, verspürten die meisten Sympathie für die Dänen. Daher war es für sie auch nicht erstaunlich, dass viele Schauspieler der Olsenbande auch in „Oh, diese Mieter!“ auftauchten. Standen die Kinofilme wie auch die TV-Serie doch für Zusammenhalt – kein Heldentum, sondern kollektives, solidarisches Handeln kleiner Leute.


