50 Jahre ist es her, dass der Palast der Republik mitten in Berlin öffnete – nach drei Jahren Bauzeit wurde hier am 23. April 1976 die große Eröffnung gefeiert. Der rund 800 Millionen Mark teure Bau war das Zentrum der Macht in der DDR – hier hatte die Volkskammer ihren Sitz, das Parlament der DDR. Aber: Der Palast sollte auch ein Haus für das Volk sein, weshalb es hier nicht nur Veranstaltungshallen gab, sondern auch jede Menge Gastronomie. Aber: Was wurde im Palast der Republik gegessen und getrunken? Wir erinnern an Honeckers Speisekarten aus „Erichs Lampenladen“!
Im Palast der Republik gab es viel Gastronomie
Mit Essen verbindet man viele Erinnerungen – bei den Dingen, die wir für sie heute aus der Kiste gekramt haben, ist das auch der Fall, wenn auch auf andere Art und Weise. Denn auch wenn der Palast der Republik seit vielen Jahren Geschichte ist, der markante Bau im Herzen Berlins längst abgerissen wurde, gibt es die letzten Relikte aus dem „PdR“ noch heute. Etwa im Depot des DDR Museum Berlin und bei Sammlern: Speisekarten aus den verschiedenen Restaurants im Palast!
Denn gastronomisch hatte „Erichs Lampenladen“, wie der Palast der Republik im Volksmund genannt wurde, einiges zu bieten. Es gab eine Milchbar und eine Moccabar in der ersten Etage, das Lindenrestaurant, das Spreerestaurant, das Palastrestaurant und die Foyerbar in der zweiten Etage, in der dritten Etage warteten neben Bierstube und Weinstube auch Imbissgerichte in der Bowlingbahn auf hungrige Besucher. Aber: Was wurde im Palast überhaupt serviert?
Darüber geben die Speisekarten, die noch heute erhalten sind, Aufschluss. Erinnern Sie sich auch, im Palast der Republik gegessen zu haben? Dann schreiben Sie uns an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Berichte und Erinnerungen!
Café im Palast der Republik: Das stand auf der Karte
Ein sehr schönes Beispiel für Speisekarten aus dem Palast der Republik ist eine Karte aus dem Café am Großen Saal. Hier wurden neben Heißgetränken auch unterschiedliche Leckereien serviert, die man in Cafés heute leider nur selten findet. Klassiker wie Eiskaffee und Eisschokolade für je 2,20 Mark finden sich darauf, auch der Eisbecher „Birne Helene“ (1,90 Mark).
Aber: Es gab eben auch Orangencreme (3,60 Mark), Moccacreme (3,60 Mark) und Erdbeerquarkspeise „Lübbenau“ (1,20 Mark). Quarkspeise im Café? Der typische DDR-Nachtisch steht heute höchstens in Kantinen und an Autobahnraststätten auf der Karte.

Auch Kuchen und Gebäck standen auf der Karte – neben Vetschauer Obstkuchen für 60 Pfennig pro Stück wurde auch die Sahneschnitte „Cottbus“ (1,20 Mark) und die Lübbenauer Rolle (0,90 Mark) angeboten. Dazu konnten die Besucher Kaffee für 1 Mark genießen – und sich den Kuchen mit einem Klecks Sahne für 1,50 Mark verfeinern. Hier ist ein Ausschnitt aus der Speisekarte vom Palast der Republik:
- Eiskaffee 2,20 Mark
- Eisschokolade 2,20 Mark
- Orangencreme 3,60 Mark
- Moccacreme 3,60 Mark
- Erdbeerquarkspeise „Lübbenau“ 1,20 Mark
- Eisbecher „Spreewald“ 4,75 Mark
- Vetschauer Obstkuchen 0,60 Mark
- Sahneschnitte „Cottbus“ 1,20 Mark
- Lübbenauer Rolle 0,90 Mark
- Obstdessert 0,95 Mark
- Fruchtringe 1,15 Mark
- Lausitzer Sturmsäcke 1,50 Mark
- Spritzkuchen 0,45 Mark
- Portion Sahne 1,50 Mark
- Tasse Kaffee 1 Mark

Das gab es im Palast der Republik im Foyer
Es ist nicht die einzige Speisekarte aus dem Palast der Republik, die heute noch erhalten ist. Ein weiteres wunderschönes Beispiel ist die Karte der Foyergastronomie, die noch heute im Depot des DDR Museum Berlin schlummert.
Hier sind neben Getränken auch kleinere Speisen verzeichnet, etwa der Hühnerfleischcocktail für 2,85 Mark und die Geflügelsülze mit Dillremoulade und Brot für 2,70 Mark. Ein bunt gemischtes Käsebrett findet sich auf der Karte für 4 Mark – und auch die im Palast der Republik offenbar sehr beliebte Orangencreme findet sich hier wieder. Im Foyer kostete sie 1,75 Mark.
- Hühnerfleischcocktail 2,85 Mark
- 2 Roastbeefröllchen mit Sahnemeerrettich 2,85 Mark
- Geflügelsülze mit Dillremoulade und Brot 2,70 Mark
- Lübbenauer Fuhrmannsfrühstück 3,30 Mark
- Saftschinken mit Delikatessgurke, Butter und Brot 3,85 Mark
- Bunt gemischtes Käsebrett, Butter und Brot 4 Mark
- Postkutscher-Cocktail 2,45 Mark
- Orangencreme 1,75 Mark

Besonders schade ist, dass sich heute nur schwer nachvollziehen lässt, welche Gerichte sich hinter manchen Namen versteckten. Beispielsweise der Postkutscher-Cocktail und das Lübbenauer Fuhrmannsfrühstück: Man wüsste gern, was hier tatsächlich auf den Teller kam.
Das gilt auch im Café: Das sich hinter den Lausitzer Sturmsäcken Windbeutel versteckten, kann man sich noch herleiten. Was allerdings eine Cottbusser Sahneschnitte war, lässt sich nur schwer sagen. Wissen Sie noch, was sich hinter den Gerichten auf den Speisekarten aus dem Palast der Republik verbarg? Schreiben Sie uns an wirvonhier@berlinerverlag.com!

Feines Essen zum Palastball im Palast der Republik
Auch zu besonderen Anlässen konnte im Palast der Republik gespeist werden – eine Speisekarte aus dem Netz zeigt beispielsweise, was zum Palastball im Jahr 1985 auf den Tisch kam. In der Liste der Vorspeisen findet sich der allseits beliebte Geflügelcocktail wieder, dieses Mal für 3 Mark, außerdem ist hier Heringssalat mit Vollkornbrot (1,85 Mark), Kraftbrühe „Palast der Republik“ (2,15 Mark) und mit Weinbrand verfeinerte „Exotische Suppe“ (2,50 Mark) verzeichnet.
Der DDR-Klassiker Ragout Fin (auch bekannt als Würzfleisch) landete für 2,15 Mark auf den Tischen der Besucher – genau wie das Toast „Moskwa“ (3,55 Mark) und das Schweinsrückensteak auf Toast (4,75 Mark). Aus Topf und Pfanne gab es Hähnchen in Wein mit Zwiebeln, Pilzen und Kartoffeln (8,60 Mark), Radeberger Bierfleisch mit Pommes und Champignonsalat (8,45 Mark) und Braumeistersteak mit einer Füllung aus Schinken und Käse, für 7,35 Mark wurden dazu Pommes gereicht. Na, bekommen Sie da Appetit?
- Geflügelcocktail 3 Mark
- Heringssalat mit Vollkornbrot 1,85 Mark
- Kraftbrühe „Palast der Republik“ 2,15 Mark
- „Exotische Suppe“ mit Weinbrand verfeinert 2,50 Mark
- Ragout Fin 2,15 Mark
- Toast „Moskwa“ 3,55 Mark
- Schweinsrückensteak auf Toast mit Schinken und Käse überbacken 4,75 Mark
- Hähnchen in Wein mit Zwiebeln, Pilzen und Kartoffeln 8,60 Mark
- Radeberger Bierfleisch mit Pommes und Champignonsalat 8,45 Mark
- Braumeistersteak mit einer Füllung aus Schinken und Käse, dazu Pommes 7,35 Mark
- Rindslendenstreifen nach Art des Hauses mit Champignons und Kartoffelbällchen 9,85 Mark
- Filettopf Spreeathen (kleine Steaks auf Röstkartoffeln mit Geflügelleber), dazu grüne Bohnen und verschiedene Saucen 9,40 Mark
Im Palast der Republik wurde auch an die Kinder gedacht
Zu guter Letzt kamen auch die kleinen Besucher nicht zu kurz. Schließlich sollte der Palast der Republik auch ein Haus des Volkes sein – und zum Volk gehören auch die Kinder. Es wurde deshalb eine separate Kinderkarte angeboten.

Die kleinsten Esser konnten hier unter anderem aus Kraftbrühe mit Reiseinlage für 0,65 Mark, Wiener Würstchen mit Sahnesoße und Kartoffelpüree für 2,30 Mark und Berliner Beefsteak mit Setzei, Kartoffelsalat und süß-saurer Gurke für 3,10 Mark wählen. Außerdem gab es Schweinelendchen mit Pilzköpfen für 4,55 Mark und eine Kochschinkenscheibe mit Weißbrot und Butter für 1,85 Mark. Und danach? Erdbeeren mit Sahne und Gebäck waren für 2,15 Mark zu haben, Eierkuchen mit Früchten für 1,35 Mark.
- Kraftbrühe mit Reiseinlage 0,65 Mark
- Spargelsuppe im Töpfchen 1,70 Mark
- Wiener Würstchen mit Sahnesoße und Kartoffelpüree 2,30 Mark
- Rührei mit Kartoffelpüree und buntem Salatteller 2,65 Mark
- Berliner Beefsteak mit Setzei, Kartoffelsalat und süß-saurer Gurke 3,10 Mark
- Broilerkeulchen mit kleinen gefüllten Pastetchen und Reiskugeln 3,35 Mark
- Schweinelendchen mit Pilzköpfen 4,55 Mark
- Ungarische Salamihappen 2,65 Mark
- Kochschinkenscheibe mit Weißbrot und Butter 1,85 Mark
- Erdbeeren mit Sahne und Gebäck 2,15 Mark
- Eierkuchen mit Früchten und Schokoladensoße 1,35 Mark
- Eis mit Früchten, Sahne und Waffeln 2,75 Mark




