Sturmschaden

40 Grad im Zug: Hunderte Passagiere stundenlang in Brandenburg gestrandet

Nach einem Sturm wird ein Zug in der Prignitz zur Hitzefalle für Hunderte Reisende.

Author - Stefan Doerr
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Der Zug der tschechischen Bahn blieb auf freier Strecke stehen.
Der Zug der tschechischen Bahn blieb auf freier Strecke stehen.Landkreis Prignitz Feuerwehr/dpa

Was als normale Fahrt von Hamburg nach Prag begann, endete für mehr als 600 Menschen in einer stundenlangen Hitzefalle. Nach einem Sturm blieb ein Zug der tschechischen Bahn (České dráhy) am Samstagabend mitten in Brandenburg in der Prignitz liegen. Die Klimaanlage fiel aus, die Türen blieben zunächst verschlossen. Im Inneren stiegen die Temperaturen auf rund 40 Grad.

Strom und Klimaanlage im Zug fielen aus

Auslöser war ein Baum, der auf eine Oberleitung gestürzt war. Dadurch verlor der Zug seinen Fahrstrom und kam zum Stillstand. Die Türen blieben verriegelt, und weil ohne Strom auch die Klimaanlage ausfiel, wurde es für die rund 630 Passagiere schnell unerträglich. Laut Kreisbrandmeister Christian Reisinger war es im Innern 40 Grad heiß.

Die Feuerwehr kämpfte sich zunächst zum Zug vor und musste dafür Bäume von den Gleisen räumen. Anschließend öffneten die Einsatzkräfte die Türen und verschafften den Eingeschlossenen frische Luft. Im Zug kümmerten sie sich um die Reisenden.

Die gestrandeten Fahrgäste wurden in einer Sporthalle untergebracht.
Die gestrandeten Fahrgäste wurden in einer Sporthalle untergebracht.Landkreis Prignitz Feuerwehr/dpa

Drei Menschen mussten wegen Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei kamen noch direkt vom Zug in eine Klinik. Eine weitere Person erlitt später im Notlager Kreislaufprobleme und musste ebenfalls medizinisch versorgt werden.

Notlager für Zugpassagiere in einer Sporthalle

Besonders Kinder, Schwangere und ältere Menschen wurden zunächst aus dem überhitzten Zug gebracht. Alle anderen mussten weiter warten. Erst kurz vor 23 Uhr traf eine Diesellok ein, die den liegen gebliebenen Zug nach Karstädt schleppte. Aber dort war für die Passagiere die Reise in der Nacht dann endgültig zu Ende.

Für die gestrandeten Reisenden richteten die Einsatzkräfte kurzerhand ein Notlager in einer Sporthalle ein. Dort standen Kinderbetten, Spielzeug und Bierzeltgarnituren bereit. Trotz der Notlage blieb die Stimmung erstaunlich gelassen. „Es war eine ruhige Atmosphäre“, sagte der Kreisbrandmeister Christian Reisinger.

Ein Baum war bei Sturm auf die Oberleitung gefallen, der Zug verlor seinen Fahrstrom.
Ein Baum war bei Sturm auf die Oberleitung gefallen, der Zug verlor seinen Fahrstrom.Landkreis Prignitz Feuerwehr/dpa

Einige Fahrgäste wurden noch in der Nacht von Angehörigen oder Bekannten abgeholt. Für die übrigen organisierte die Feuerwehr am Sonntagmorgen Busse zum Bahnhof Karstädt. Von dort konnten rund 500 Reisende ihre Fahrt mit zwei ICE fortsetzen.

Nicht nur in der Prignitz sorgte die Hitze am Wochenende für Probleme auf der Schiene. Auch in Gransee im Landkreis Oberhavel blieb am Samstagnachmittag ein Regionalzug wegen eines technischen Defekts liegen. Die Fahrgäste mussten zwei bis drei Stunden ohne Klimaanlage ausharren. Zwischenzeitlich verließen rund 70 Menschen den Zug auf freier Strecke, bevor die Störung behoben wurde und die Fahrt weitergehen konnte.

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