Sie wiegt 100 Tonnen

Verträgt das marode Schienennetz Berlins neue Mega-Tram?

In wenigen Wochen fährt der neue Urbanliner auf den maroden Berliner Schienen. Halten die Schienen die neue Mega-Tram überhaupt aus?

Author - Sebastian Krause
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Der neue Urbanliner kann zwar bis zu 100 Tonnen wiegen, soll das teils marode Schienennetz in Berlin aber nicht zusätzlich belasten.
Der neue Urbanliner kann zwar bis zu 100 Tonnen wiegen, soll das teils marode Schienennetz in Berlin aber nicht zusätzlich belasten.Bernd von Jutrczenka/dpa

Sie sind fast 51 Meter lang, transportieren 312 Personen und wiegen bis zu 100 Tonnen: die neuen Urbanliner. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) planen, die neue Mega-Tram ab Mitte Februar einzusetzen.

Angesichts der schieren Masse der neuen Straßenbahnen und der maroden Berliner Straßen und Brücken stellt sich die Frage: Hält das Schienennetz die neuen Mega-Bahnen überhaupt aus?

Linie M4 könnte zu Problemen führen

Fakt ist: Rund die Hälfte der neuen Bahnen soll auf der Linie M4 fahren. Wie es heißt, soll es aus Sicherheitsgründen auf einer Brücke im Verlauf der M4  eine Geschwindigkeitsbeschränkung geben. Wie die Berliner Zeitung erfuhr, sollen dort statt 60 nur 55 Kilometer pro Stunde möglich sein – eine Vorsichtsmaßnahme

Außerdem: Auf der M4 befindet sich eine mehrteilige Brücke am Bahnhof Hohenschönhausen. Dort kreuzt die BVG-Trasse den Berliner Außenring und die S-Bahn auf der Mittleren Falkenbergbrücke. Die Brücken aus den Jahren 1983 und 1986 will der Senat zwischen 2036 und 2039 abreißen und neu bauen lassen.

Schon im Jahr 2024 wurde die neue XXL-Tram, die ab Februar in Berlin fahren soll, offiziell vorgestellt.
Schon im Jahr 2024 wurde die neue XXL-Tram, die ab Februar in Berlin fahren soll, offiziell vorgestellt.Bernd von Jutrczenka/dpa

BVG sieht in der Verkehrsinfrastruktur kein Problem

Derzeit sieht die BVG in der Berliner Verkehrsinfrastruktur kein Problem. „Alle Gleisanlagen werden turnusmäßig erneuert, wenn sie einen bestimmten Verschleiß erreicht haben. Der Einsatz der neuen Fahrzeuge hat darauf keinen Einfluss“, erklärte BVG-Pressesprecher Markus Falkner auf Anfrage des Berliner KURIER.

„Auch die BVG-Infrastruktur und alle Systeme sind bereit für den Einsatz“, sagte Falkner. Die BVG erwarte beim Einsatz des Urbanliners keine relevanten Einschränkungen für die Fahrgäste.

BVG rechnet mit Start ab Mitte Februar

Auch wenn Falkner betont, dass alles für den Start bereit sei, so muss er sich noch einige Wochen gedulden. Denn: Die Technische Aufsichtsbehörde des Landes Berlin hat die Mega-Tram von Alstom noch nicht für den Fahrgastbetrieb freigegeben, hieß es bei dem Landesunternehmen.

Das soll sich schnell ändern. „Wir erwarten die Zulassung zeitnah“, sagte der BVG-Sprecher. Nach Informationen der Berliner Zeitung sieht die interne Fahrplanung einen Einsatz ab Mitte Februar vor. „Sobald uns die Zulassung vorliegt, werden wir auch den genauen Zeitplan für den ersten Fahrgasteinsatz festlegen und kommunizieren“, kündigte er an.

Neue Mega-Tram für Berlin: So sieht der Urbanliner, der ab Mitte Februar zum Einsatz kommen soll, von innen aus.
Neue Mega-Tram für Berlin: So sieht der Urbanliner, der ab Mitte Februar zum Einsatz kommen soll, von innen aus.Bernd von Jutrczenka/dpa

Schulungen für Mitarbeiter stehen an

Bis dahin stehen für die Mitarbeiter noch Schulungen an, um die neuen Systeme sicher zu verstehen. „Die Ausbildung beziehungsweise Schulung unserer Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst und in den Werkstätten laufen bereits“, erklärte Falkner. Danach sollen die Fahrgäste „vom Fahrkomfort und Platzangebot der neuen Züge profitieren“.

Die BVG hatte bei Alstom in Bautzen 65 Urbanliner bestellt, um neue Kapazitäten in der Fahrgastbeförderung zu schaffen. In Berlin ist die Zahl der Tram-Fahrgäste seit Jahren gestiegen. 2024 nahm sie um 13 Prozent zu – auf 226 Millionen, so lautet die letzte verfügbare Zahl.

Fahrgastzahlen seit Corona deutlich gestiegen

Die Fahrgäste legten 687,4 Millionen Kilometer zurück. Das sind sieben Prozent mehr als 2019, dem letzten Jahr vor Corona. Das Straßenbahnnetz ist hingegen nur langsam gewachsen. Nun rollt in wenigen Wochen ein neuer Gigant für die maroden Schienen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com