Sturm auf die Baumärkte

Streusalz verboten, doch die Berliner wollen es trotzdem kaufen

Es ist ein Hin und Her. Seit Mittwoch ist Streusalz in Berlin für Privatpersonen wieder verboten. Doch die Berliner schert das anscheinend nicht.

Author - Florian Thalmann
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Schon seit Jahren gibt es Streusalz im Baumarkt. In diesem Jahr ist es vielerorts ausverkauft – doch in Berlin ist das Streuen mit Salz für Privatpersonen untersagt.
Schon seit Jahren gibt es Streusalz im Baumarkt. In diesem Jahr ist es vielerorts ausverkauft – doch in Berlin ist das Streuen mit Salz für Privatpersonen untersagt.Christiane Dase/imago

Es ist eine Entscheidung, über die viele Berliner nur mit dem Kopf schütteln können: Obwohl die Gehwege in der Stadt vielerorts lebensgefährliche Rutschpisten mit Eis sind, urteilte ein Gericht am Mittwoch, dass die Verwendung von Streusalz wieder verboten wird. Wer begonnen hat, die Wege rund um sein Grundstück mit Salz zu enteisen, sollte vorsichtig sein: Wer salzt, riskiert krasse Strafen!

Gehwege sicher zu machen, ist in Berlin verboten

Glatte Wege mit Streusalz sicher zu machen, das ist in Berlin schon nach wenigen Tagen wieder verboten. Naturschützer des Nabu Berlin jubeln, dass „das Salz in die qualifizierten Hände der BSR zurückgeht“, heißt es in einer Erklärung. Denn nur die Stadtreinigung darf das weiße Gold nutzen, um Straßen eisfrei zu bekommen, für private Nutzer ist das Salz mit der Entscheidung am Dienstag wieder verboten. Erst am Freitag war das Salz für die Berliner freigegeben worden.

Spannend dabei: Wer nun glaubt, dass bisherige Salz-Fans ihr gekauftes Salz nun in die Baumärkte zurückbringen, der hat sich geirrt. „Es ist eher so, dass die Leute welches kaufen wollen – und wir keins haben“, sagt eine Mitarbeiterin eines Marktes in Weißensee dem KURIER. In einem anderen Baumarkt ist die Nachfrage ebenfalls ungebrochen. „Dass jemand Salz zurückgeben will, hatten wir noch gar nicht“, verrät eine Mitarbeiterin. „Die Leute wollen eher noch mehr.“ Doch der Stoff, aus dem die eisfreien Gehwege sind, ist ausverkauft.

Nur die Berliner Stadtreinigung darf noch Streusalz einsetzen – für Privatpersonen ist die Verwendung wieder verboten.
Nur die Berliner Stadtreinigung darf noch Streusalz einsetzen – für Privatpersonen ist die Verwendung wieder verboten.Sebastian Gollnow/dpa

Dabei kann es ganz schön ins Geld gehen, wenn man trotz Verbotes streut – denn es werden teils hohe Strafen aufgerufen, wenn verbotenes Streuen enttarnt wird. Laut Bußgeldkatalog werden Ersttäter oft mit kleinen Bußgeldern belegt, die zwischen 10 und 100 Euro liegen können.

Dieses Bußgeld kann in Berlin fürs Streuen fällig werden

Bei schweren Verstößen und je nach Region und geltenden Naturschutzgesetzen werden Bußgelder bis zu 10.000 Euro fällig. Berlin selbst ist allerdings der Hammer: In den Bußgeldvorschriften des Naturschutzgesetzes heißt es, dass Verstöße auch gegen das Streusalzverbot „mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden“ können. Es dürfte aber klar sein, dass solch hohe Strafen nur in besonders schweren Fällen aufgerufen werden.

Was tun mit gekauftem Streusalz in Berlin? Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
Was tun mit gekauftem Streusalz in Berlin? Es gibt verschiedene Möglichkeiten.Christophe Gatea/dpa

Wie entsorgt man Streusalz richtig?

Und was tun mit angebrochenem Streusalz, das man nach dem Verbot nun nicht mehr verwenden kann? Das hängt vom genauen Produkt ab. Streusalz ohne chemische Zusätze darf im Restmüll entsorgt werden, heißt es beim Portal entsorgen.org. Handelt es sich aber um Auftausalz, das chemische Stoffe wie Magnesiumchlorid oder Calciumchlorid enthält, muss es über den Sondermüll entsorgt werden. Denn diese Stoffe stellen eine Gefahr für die Umwelt dar.

Alternativ kann man das Streusalz aber auch an Verwandte oder Freunde in Bundesländern und Gemeinden verschenken, in denen das Streuen mit Salz noch gestattet ist. Oder: Lagern Sie das Salz einfach ein. Vielleicht wird ja im nächsten Jahr noch einmal verhandelt – und das Verbot noch einmal gekippt. Denn grundsätzlich ist Streusalz unbegrenzt haltbar.

Was halten Sie von der Streusalz-Debatte in Berlin? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!