Jagd auf Raser

So will Berlin die kriminellen Autovermietungen ausbremsen

Die Hauptstadt verschärft den Kampf gegen illegale Autorennen: Autovermieter sollen haften, Autos leichter eingezogen werden.

Author - Stefan Henseke
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Hunderte Fälle allein in Berlin: Mit Luxus-Sportwagen von Autovermietungen verabreden sich Raser zu illegalen Rennen.
Hunderte Fälle allein in Berlin: Mit Luxus-Sportwagen von Autovermietungen verabreden sich Raser zu illegalen Rennen.Christoph Hardt/imago

In Berlin rasen sie jeden Tag. Mehr als zwei illegale Autorennen registriert die Polizei täglich. Hunderte Verfahren landen Jahr für Jahr auf den Schreibtischen der Ermittler, die Justiz ist überlastet. Jetzt zieht Justizsenatorin Felor Badenberg die Reißleine – und nimmt eine Branche ins Visier, die bisher kaum jemand auf dem Radar hatte: Autovermieter.

Die CDU-Politikerin Badenberg will härter durchgreifen. Schon im Februar soll eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat. Ihr Ziel: Autos konsequent einziehen, wenn sie für illegale Rennen oder andere Straftaten genutzt werden. „Die Verantwortung muss dort greifen, wo Gefahr entsteht“, sagt Badenberg. Und die sei oft bei Firmen, die ihre Fahrzeuge an Kriminelle vermieten.

Autovermietungen für die Organisierte Kriminalität

Die Justizminister der Länder hatten im Herbst auf ihren Vorschlag hin ein entsprechendes Vorgehen beschlossen. Denn das Problem der organisierten Raser gibt es nicht nur in der Hauptstadt. Die Justizsenatorin sagt: „Speziell zu diesem Zweck gegründete Unternehmen überlassen der Organisierten Kriminalität hochwertige Kraftfahrzeuge, die als Tatmittel genutzt werden – etwa für illegale Autorennen oder als Drogenfahrzeuge.“

Und das Problem wächst. Laut Badenberg gibt es in Berlin inzwischen rund 60 Firmen, die gezielt hochmotorisierte Wagen an die Organisierte Kriminalität verleihen. 2023 waren es noch etwa 40. Insgesamt sollen rund 2200 Fahrzeuge im Umlauf sein, die immer wieder als „Tatmittel“ auftauchen – für Rennen, Drogentransporte oder Fluchtfahrten.

Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) will gegen Autovermietungen vorgehen, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden.
Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) will gegen Autovermietungen vorgehen, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden.Britta Pedersen/dpa

Das Problem: Bislang können die Behörden solche Autos kaum einziehen. Nur wenn ein Vermieter nachweislich mitgewirkt hat, greift das Gesetz. Doch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zu beweisen, ist fast unmöglich. Für Badenberg ein unhaltbarer Zustand. Kriminelle verlieren kaum Vermögen, Vermieter verdienen weiter – und die Polizei jagt die nächsten Raser.

In Berlin: 876 Verfahren wegen illegaler Rennen

Die Folgen sieht die Justiz jeden Tag. 876 Verfahren wegen illegaler Rennen wurden im vergangenen Jahr eingeleitet – die zweithöchste Zahl seit der Gesetzesverschärfung 2017. Nur 2024 war es noch schlimmer: 923 Fälle. Seit 2017 ermittelte die Berliner Justiz in insgesamt 6060 Verfahren. 1553 davon wurden rechtskräftig abgeschlossen.

Berlin bleibt damit ein Hotspot der Raser. Der wohl bekannteste Fall erschütterte die Stadt 2016. Damals starb ein 69-jähriger Autofahrer am Kurfürstendamm, weil sich zwei PS-Idioten ein illegales Rennen lieferten. Der Fall schrieb Rechtsgeschichte: Die Fahrer wurden später wegen Mordes verurteilt.

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