Muss Deutschland weiter bibbern? Energie-Experten befürchten nach Stromausfall und „Elli“ nun den nächsten Kälte-Hammer: Die deutschen Gasspeicher sind lange nicht so voll, wie sie sein sollten. Gibt es Grund zur Sorge?
Experten fürchten um Deutschlands Gas-Versorgung
„Die aktuellen Füllstände der Gasspeicher liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt“, sagt Timm Kehler, Vorstand des Verbands Gas- und Wasserstoffwirtschaft. „Mit einem Füllstand von aktuell unter 52 Prozent verlaufen die Gasspeicherfüllstände auf einem historischen Tief“, schließt sich Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern, an.
Auch eine Sprecherin des Energiekonzerns Uniper sagt: „Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewährleistet, aber nicht garantiert.“ Bei einem langen, kalten Winter oder geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen Speicherfüllständen Engpässe entstehen, meinen die Experten.

Mit Sorge blickt auch der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, auf die aktuellen Füllstände. „Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war“, sagt Dohler. „Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.“
Deutschland hat weniger Gas als der Rest Europas
Deutschland liegt mit seinem Füllstand damit auch unter dem europäischen Durchschnitt, der am Montag laut Daten des Verbands der europäischen Gasinfrastrukturbetreiber, Gas Infrastructure Europe (GIE), bei rund 59 Prozent lag.
Andere EU-Länder verfügen über deutlich mehr Gasreserven als die Bundesrepublik. In Italien sind die Speicher beispielsweise zu 72, in Polen zu 80 und in Portugal sogar zu 93 Prozent gefüllt. Die Initiative Energien Speichern (INES), der Zusammenschluss der deutschen Speicherbetreiber, warnte daher bereits im November, dass es bei einem außergewöhnlich kalten Januar zu Engpässen kommen könnte – auch durch den höheren Gasverbrauch der letzten vier Monate.
Vorratsspeicher sind ein Puffer für Engpässe bei der Gas-Versorgung. Eine große Bedeutung haben aber inzwischen Terminals an Nord- und Ostsee, an denen Flüssigerdgas (LNG) ankommt, und im Notfall kann Deutschland auf LNG aus den USA zurückgreifen oder alternativ Gas aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien importieren.


