Der Plötzensee in Berlin Wedding – sonst ein idyllischer Ruhepol mitten in Berlin – steht wieder im Zentrum einer altbekannten Sommerdebatte. Kaum steigen die Temperaturen, klettern Wildbader über die Zäune um sich an der Plötze abzukühlen. Doch jetzt hat das Bezirksamt Mitte aufgerüstet und mit neuen Zäunen den Zugang für Wildbader erschwert.
Picknick am See in Berlin
Sie breiten Picknickdecken aus, grillen, machen Feuer und trampeln dabei die sensible Ufervegetation platt: Wildbader am Plötzensee. Die Folgen für das Gewässer sind längst sichtbar. Der Boden ist verdichtet, die Ufer erodieren, Baumwurzeln liegen frei, und brütende Schwäne und Enten werden so massiv gestört, dass sie ihre Nester verlassen.
Der Nutzungsdruck am Plötzensee ist inzwischen so hoch, dass selbst die Idee, die Badenden auf wenige Zugänge am Ostufer zu lenken, keine Option mehr ist. „Die Enge würde nur dazu führen, dass die Leute wieder in die geschützten Bereiche ausweichen – und dort dieselben Schäden anrichten“, begründet das Bezirksamt seine drastischen Schritte zur Rettung der Natur. Nur im Strandbad Plötzensee ist das Baden noch erlaubt.

Um das ökologische Gleichgewicht zu retten, hat das Bezirksamt Mitte die alten Zäune rund um den See komplett erneuert oder mit Aufsätzen auf rund 1,65 Meter erhöht – ein unübersehbares Signal: Hier geht’s nicht durch.
Zusätzlich wurde an der Nordspitze des Sees eine neue Bojenkette installiert, damit auch Boote nicht mehr in die geschützten Bereiche eindringen. Wobei es nach der Schließung der Fischerpinte derzeit keinen Bootsverleih mehr an dem See gibt.

Diese Maßnahmen sollen den See stabilisieren
Doch der Bezirk belässt es nicht beim Abschotten. Parallel laufen umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, die den Plötzensee langfristig stabilisieren sollen. Rund 350 Kubikmeter Faulschlamm wurden aus der Nordspitze geholt, frisches Röhricht entlang der Uferlinie gepflanzt und sogar schwimmende Röhrichtinseln verankert – kleine Biotope, die Wellenschlag abfangen und Lebensraum schaffen.
Dazu kommt ein neues 140-Quadratmeter-Kleingewässer, das Amphibien fördern und den Biotopverbund stärken soll. Auf den Böschungen wächst künftig regionales Saatgut, das die Vegetation zurückbringen soll.
