Wedding

Retten wir die Seekneipe! Ein Kiez kämpft um seinen Lieblingsort

Die Fischerpinte bleibt aufgrund des Todes des Betreibers Wolfgang Düring geschlossen, der Bezirk stellt sich in Sachen Nachfolge quer.

Author - Sharone Treskow
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Die Fischerpinte am Plötzensee ist ein Urberliner Ort, sie existiert seit 1946. Doch obwohl sie viele Stammkunden hat, muss sie für immer schließen.
Die Fischerpinte am Plötzensee ist ein Urberliner Ort, sie existiert seit 1946. Doch obwohl sie viele Stammkunden hat, muss sie für immer schließen.Sergej Glanze / Funke Foto Services / Imago

Die Fischerpinte ist seit Jahren ein fester Treffpunkt für den Wedding. In dem alten Bootshaus gibt es Würstchen, Brezeln, Kuchen und kalte Getränke mit Blick auf den Plötzensee. Doch in diesem Frühjahr bleibt zum ersten Mal alles verriegelt. Der langjährige Betreiber Wolfgang Düring ist im Februar gestorben. Mit seinem Tod gerät der beliebte Kiosk mit Bootsverleih in akute Not – und steht möglicherweise vor dem endgültigen Aus.

Fischerpinte am Plötzensee bleibt plötzlich geschlossen

Das Problem: Die Betriebserlaubnis für die Fischerpinte – der Ort besteht seit 1946 – lag ausschließlich bei Düring. Eine automatische Fortführung gibt es nicht, Nachfolger sind bisher nicht geregelt. Damit steht die Existenz eines der letzten unkomplizierten Aufenthaltsorte direkt am Wasser in Berlin-Mitte auf der Kippe.

Die Lage ist kompliziert. Denn die Fischerpinte liegt im Landschaftsschutzgebiet. Das Umweltamt Mitte verfolgt dort seit Jahren das Ziel, die Nutzung zurückzufahren. Wildbaden, Müll und stark beanspruchte Ufer gelten als große Probleme. Aus Sicht des Bezirks sollen Menschen eher aus sensiblen Naturzonen ferngehalten werden.

Wolfgang Düring war der Pächter der Fischerpinte, er starb im Februar.
Wolfgang Düring war der Pächter der Fischerpinte, er starb im Februar.GE-Foto/Imago

Im Mietvertrag von Wolfgang Düring war festgehalten, dass Stege und Bootshaus nach Aufgabe des Betriebs zurückgebaut werden müssen – auf eigene Kosten. Diese Verpflichtung würde nun auf mögliche Erben übergehen. Doch die Nachkommen haben das Erbe bereits ausgeschlagen.

Initiative aus dem Wedding kämpft für den Erhalt

Damit ist offen, wie es mit den baulichen Anlagen weitergeht. Das Grundstück gehört dem Bezirk, das Bootshaus und die Stege gehörten Düring. Nach der Erbausschlagung muss nun das Amtsgericht klären, wie mit dem Eigentum verfahren wird.

Während die Zukunft unklar ist, wächst im Kiez der Widerstand gegen ein stilles Verschwinden der Fischerpinte. Stammgast Andaras Hahn setzt sich seit Längerem für den Erhalt ein. Gemeinsam mit Unterstützern will er einen Verein gründen, um Kiosk und Bootsverleih weiterzuführen.

Mitarbeiterin Bine stand in der Fischerpinte hinter der Theke.
Mitarbeiterin Bine stand in der Fischerpinte hinter der Theke.GE-Foto/Imago

Ein 13-seitiges Konzept hat Hahn bereits beim Bezirk eingereicht. Für ihn ist die Fischerpinte mehr als ein Imbiss. „Es gibt nicht viele Orte wie diesen, wo man zwanglos in der Natur zusammensitzen kann“, sagt er dem Tagesspiegel. „An der Fischerpinte treffen sich alte und junge Menschen, Schulklassen und Rentner.“

Die Resonanz ist groß. Unter einem Beitrag auf Instagram für den lokalen Blog „Weddingweiser“ sammeln sich zahlreiche Kommentare. „Die Fischerpinte muss bleiben“, schreiben Nutzer. Andere fragen: „Was kann man tun? So ein schöner Ort!“

Bezirksamt sieht Konflikt mit dem Umweltschutz

Im Bezirksamt Mitte stößt die Initiative jedoch auf Skepsis. Umweltstadtrat Christopher Schriner (Grüne) verweist auf einen grundsätzlichen Zielkonflikt. „Den Konflikt zwischen Umweltschutz und gewerblicher Nutzung gab es immer“, sagt er dem Tagesspiegel.

Der Bezirk wolle künftig keine gewerbliche Nutzung und keinen Bootsverleih mehr zulassen. Gleichzeitig betont Schriner, dass man grundsätzlich offen dafür sei, die kiezige Identität des Ortes zu erhalten. Wie das konkret aussehen könnte, ist jedoch umstritten.

In diesem Fall stehen sich Umweltschutz und Kiezkultur gegenüber. Wer gewinnt?
In diesem Fall stehen sich Umweltschutz und Kiezkultur gegenüber. Wer gewinnt?GE-Foto/Imago

Zudem ist klar: Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Fischerpinte in diesem Sommer öffnen kann. Zu viele Fragen sind offen, von Eigentumsverhältnissen bis zu Genehmigungen.

Debatte um Naturpinte gibt es schon seit Jahren

Bereits vor vier Jahren stand die Zukunft der Fischerpinte auf der politischen Tagesordnung. Damals hatte das Umweltamt auf Abriss gedrängt. Auf Antrag der Linken stimmte die Bezirksverordnetenversammlung schließlich für den Erhalt.

Die damalige Umweltstadträtin Almut Neumann (Grüne) entwickelte einen Kompromiss: eine sogenannte Naturpinte. Neben Kiosk und Aufenthaltsbereich sollte es Umweltbildung für Schulklassen und Interessierte geben.

An der Fischerpinte konnte man sich auch immer Boote ausleihen, um über den Plötzensee zu paddeln.
An der Fischerpinte konnte man sich auch immer Boote ausleihen, um über den Plötzensee zu paddeln.GE-Foto/Imago

Doch dieses Konzept scheitert bislang am Geld. „Ich sehe nicht, dass wir aktuell die Mittel für ein Umweltbildungszentrum haben“, sagt Schriner. Auch zu Lebzeiten hatte sich Wolfgang Düring dagegen gesperrt, seinen Betrieb an einen Nachfolger zu übergeben – trotz entsprechender Bemühungen aus Politik und Kiez.

Kennen Sie die Fischerpinte? Schicken Sie uns gerne einen Leserbrief mit Ihren Erfahrungen per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.