Entlastungsprämie

Frust über Krisenbonus: Warum viele Beschäftigte und auch Rentner leer ausgehen!

Besonders im Osten Deutschlands ist die Umsetzung der Prämie aufgrund geringer Tarifbindung problematisch.

Author - Sharone Treskow
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Betriebe sollen ihren Beschäftigten die Entlastungsprämie über 1000 Euro auszahlen. Doch welcher Betrieb wird das realistisch gesehen machen? (Symbolbild)
Betriebe sollen ihren Beschäftigten die Entlastungsprämie über 1000 Euro auszahlen. Doch welcher Betrieb wird das realistisch gesehen machen? (Symbolbild)Ray/Imago

Er klingt nach schneller Hilfe in schwierigen Zeiten: Eine Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro soll Beschäftigte wegen steigender Energie‑ und Spritpreise entlasten. Steuer‑ und abgabenfrei, so der Plan der Bundesregierung. Doch ein entscheidender Punkt sorgt bundesweit – und besonders im Osten – für Ärger: Der Staat zahlt nichts. Die Prämie soll freiwillig von den Arbeitgebern kommen. Und genau hier beginnt das Problem.

Krisenbonus sorgt für Frust bei Beschäftigten und Betrieben

Gerade in Ostdeutschland ist die Umsetzung schwierig. Viele Beschäftigte arbeiten ohne Tarifbindung, sind Aufstocker, Teilzeitkräfte oder verdienen lediglich Mindestlohn. In diesen Fällen ist völlig offen, ob Unternehmen die Prämie zahlen können oder wollen. Während größere tarifgebundene Betriebe Sonderzahlungen eher verhandeln könnten, sind solche Unternehmen in Mitteldeutschland rar.

Gerade in Ostdeutschland lässt sich die Prämie nicht so leicht umsetzen. (Symbolbild)
Gerade in Ostdeutschland lässt sich die Prämie nicht so leicht umsetzen. (Symbolbild)Ray / Imago

Grundsätzlich begrüßt der Deutsche Gewerkschaftsbund Maßnahmen zugunsten der Beschäftigten. DGB‑Regionalchef Daniel Knorr weist jedoch auf die Realität vor Ort hin: Gerade die geringe Tarifbindung mache die Durchsetzbarkeit des Bonus im Osten problematisch. Deshalb setzt Knorr vor allem auf den öffentlichen Dienst. Dort hofft er auf ein Signal an die Wirtschaft. Doch für viele private Betriebe sieht er wenig Spielraum.

Unternehmen kämpfen selbst mit explodierenden Kosten

Auch Arbeitgeberverbände zeigen sich wenig begeistert. In Thüringen spricht Ute Zacharias, Sprecherin der Arbeitgeber‑ und Wirtschaftsverbände, von einer klaren Verschiebung der Verantwortung. Die Bundesregierung wälze die finanziellen Folgen globaler Krisen auf die Wirtschaft ab und schüre Erwartungen, die viele Betriebe nicht erfüllen könnten.

Besonders kleinere Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Steigende Energiepreise, Materialkosten und Unsicherheiten in der Planung treffen sie hart. In dieser Situation eine freiwillige Prämie auszuzahlen, sei für viele schlicht nicht darstellbar. Die Skepsis in der Wirtschaft ist groß und wächst weiter.

Auch auf Arbeitnehmerseite fällt die Bewertung gemischt aus. Während der Gedanke der Entlastung Zustimmung findet, entsteht Frust darüber, dass es keinen verlässlichen Anspruch gibt. Wer den Bonus erhält, hängt vom Arbeitgeber ab – und damit vom Zufall. Gerade im Niedriglohnsektor droht der Krisenbonus für viele Beschäftigte reine Theorie zu bleiben.

Handwerkskammer nennt Krisenbonus eine Belastung

Noch schärfer fällt die Kritik aus dem Handwerk aus. Andreas Dieckmann, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, hält schon den Begriff Entlastungsprämie für falsch. Für die Betriebe sei es vielmehr das Gegenteil: „Es ist eher eine Belastungsprämie für meine Unternehmen, für die Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich finde, es ist eine Unverschämtheit, was die Bundesregierung hier auf den Weg gebracht hat.“

Viele handwerkliche Betriebe können sich die Prämie nicht leisten. (Symbolbild)
Viele handwerkliche Betriebe können sich die Prämie nicht leisten. (Symbolbild)Frank Hoermann/Sven SImon/Imago

Die Politik habe den Betrieben „nach Gutsherrenart“ ein weiteres Problem vor die Füße gelegt, so Dieckmann. Viele Handwerksunternehmen kämpfen selbst ums Überleben, vor allem wegen explodierender Energiekosten. Ob Friseurbetrieb oder Bäckerei: Die zusätzlichen 1000 Euro pro Mitarbeiter seien in vielen Fällen schlicht nicht finanzierbar.

Dabei gehe es nicht um mangelnde Wertschätzung für die Beschäftigten, betont Dieckmann. „Es geht nicht darum, dass man das den Beschäftigten nicht gönnt. Es geht einfach nicht.“ Der Krisenbonus zeigt vor allem eines: wie groß die Kluft zwischen politischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität inzwischen ist.

Warum die Rentner hier die Verlierer sind

Übel ist auch: Für Rentner bringt der Krisenbonus praktisch nichts. Die geplante 1000‑Euro‑Prämie richtet sich ausschließlich an Beschäftigte und ist an ein bestehendes Arbeitsverhältnis gebunden. Rentnerinnen und Rentner gehen damit leer aus – unabhängig davon, wie stark sie von steigenden Energie‑, Heiz‑ oder Spritkosten betroffen sind.

Indirekt wirkt sich das Modell sogar nachteilig auf viele ältere Menschen aus. Wenn Unternehmen den freiwilligen Bonus zahlen, müssen sie diese Kosten auffangen – etwa durch Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen, Investitionen oder Neueinstellungen. Das kann langfristig auch die Beitragsbasis der Rentenkasse schwächen, während die Renten selbst mit der aktuellen Preisentwicklung oft nicht Schritt halten. Für viele Rentner bleibt die finanzielle Lage damit angespannt.

Rentner sind nicht für einen Krisenbonus vorgesehen. (Symbolbild)
Rentner sind nicht für einen Krisenbonus vorgesehen. (Symbolbild)Mareen Fischinger/Imago

Besonders problematisch ist die Situation für armutsgefährdete Rentner. Sie profitieren weder von steuerfreien Sonderzahlungen noch von freiwilligen Arbeitgeberleistungen. Ihre Entlastung hängt stattdessen von staatlichen Maßnahmen wie Rentenanpassungen, Wohngeld, Grundsicherung oder Energiezuschüssen ab. Kritiker sehen darin eine soziale Schieflage: Während über freiwillige Prämien für Arbeitnehmer gestritten wird, bleibt die steigende Belastung vieler Rentner politisch weitgehend unbeantwortet.

Wie ist Ihre Meinung zu der Entlastungsprämie? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.