Aus Feld wird Stadt! Auf der Elisabeth-Aue in Berlin-Pankow sollen in den kommenden Jahren rund 5000 Wohnungen entstehen. Mehr als 10.000 Menschen sollen dort künftig leben und arbeiten. Damit das neue Quartier nicht im Verkehrschaos versinkt, plant die BVG gleich zwei neue Straßenbahn-Anbindungen. Jetzt startet die nächste Phase – doch für die künftigen Bewohner gibt es auch eine schlechte Nachricht.
BVG baut neue Tram-Strecken zur Elisabeth-Aue
Noch ist die Elisabeth-Aue vor allem eins: Freifläche. Bis 2040 soll daraus jedoch eines der größten Neubaugebiete Berlins werden.
Damit die Anwohner später schnell in die City kommen, soll die Straßenbahn deutlich ausgebaut werden. Die BVG sucht aktuell per Ausschreibung einen Generalplaner, der die Details der neuen Trassen ausarbeitet. Das berichtet der Tagesspiegel.
Geplant sind insgesamt 3,4 Kilometer neue Gleise und fünf barrierefreie Haltestellen. Die Kosten für das Tram-Projekt wurden zuletzt auf rund 74 Millionen Euro geschätzt.

Zwei Linien sollen das neue Quartier erschließen
Die Elisabeth-Aue soll künftig von zwei Seiten erreichbar sein:
Geplant sind eine Verlängerung der Tram 50 ab Guyotstraße und eine Verlängerung der M1 über die Dietzgenstraße. Beide Strecken treffen sich später am Rosenthaler Weg und führen anschließend mitten durch das neue Wohngebiet.
Besonders attraktiv dürfte für viele Fahrgäste die M1 werden. Sie bringt Pendler ohne Umwege direkt nach Pankow und weiter bis zum Hackeschen Markt ins Berliner Zentrum.
Problem-Stelle sorgt für Kopfzerbrechen
Doch die Planer stehen vor einer kniffligen Aufgabe. Teile der Dietzgenstraße sind für das Vorhaben eigentlich zu schmal. Nach BVG-Angaben wird die Trassenführung dort unter anderem durch eine denkmalgeschützte Friedhofsmauer begrenzt. Heißt: Der Platz für Autos, Radfahrer, Fußgänger und Straßenbahn ist knapp.
Haltestellen verschwinden
Mit dem Ausbau der M1 wird das bisher bestehende Netz umgekrempelt. Die Haltestellen Waldemarstraße und Schillerstraße sollen künftig wegfallen. Auch die Haltestelle Nordend bleibt nicht an ihrem bisherigen Standort, sondern wandert in die Dietzgenstraße.
Neu geplant sind dagegen die Stopps: Dammsmühler Straße, Wiesenkräuterweg, Elisabeth-Aue Süd und Elisabeth-Aue Nord. Am Ende der Strecke entsteht eine neue Wendeschleife.
Erst mal nur 870 Wohnungen
Zwar ist langfristig von 5000 Wohnungen die Rede, doch der erste Bauabschnitt an der Elisabeth-Aue fällt deutlich kleiner aus. Zunächst sollen etwa 870 Wohnungen sowie eine Oberschule, Sportanlagen und Grünflächen entstehen.
Für viele Berliner besonders interessant: Mindestens jede zweite Wohnung soll mietpreis- und belegungsgebunden sein. Damit setzt das Land bei dem Projekt auf einen hohen Anteil geförderten Wohnraums.
Tram kommt später als versprochen
Mit den neuen Wohnungen muss auch die Frage der Anbindung geklärt sein, fordert die Politik vor Ort. Jahrelang war von einer Fertigstellung der Trasse bis 2030 die Rede. Daraus wird nun nichts.
Nach den aktuellen Planungen rechnet die BVG erst im Frühjahr 2031 mit der entscheidenden Baugenehmigung. Selbst wenn danach alles glattläuft, könnten die ersten Bahnen frühestens Ende 2032 durch die Elisabeth-Aue rollen.
Streit-Projekt mit langer Vorgeschichte
Um die Bebauung der Elisabeth-Aue wird seit Jahren erbittert gestritten.
Ursprünglich wollte das Land Berlin dort sogar 9000 Wohnungen bauen. Nach massivem Widerstand von Anwohnern wurde das Vorhaben schließlich auf 5000 Wohnungen reduziert.
Im Frühjahr 2025 fiel dann die Entscheidung für das Siegerkonzept des Architekturbüros Hosoya Schaefer Architects, das nun als Grundlage für die weitere Planung dient.
Auch heute gibt es vor Ort noch Widerstand. Kritiker befürchten unter anderem zusätzliche Verkehrsprobleme und den Verlust wertvoller Freiflächen.

Brisantes Detail: Historisch belasteter Boden
Was viele nicht wissen: Die Elisabeth-Aue war früher Teil der Berliner Rieselfelder. Auf Teilen des Geländes gibt es deshalb Hinweise auf historische Bodenbelastungen. Kritiker führen dies regelmäßig als weiteres Argument gegen die Bebauung an.
Überraschende Wende beim alten Straßenbahnhof
Für eine echte Überraschung sorgt ein weiterer Punkt der BVG-Pläne.
Der seit Jahren gesperrte, denkmalgeschüzte Straßenbahnhof Niederschönhausen soll offenbar doch gerettet werden. Das Depot an der Schillerstraße könnte saniert und wieder genutzt werden. Doch auch das geht nicht ohne Probleme: Die historischen Hallentore sind lediglich 2,20 Meter breit. Moderne Berliner Straßenbahnen vom Typ Flexity und Urbanliner messen jedoch rund 2,40 Meter.


