In Pankow droht der Ausbau der Kastanienallee für Schwerlastverkehr zu scheitern: Geldmangel und strengere Naturschutzgesetze bringen Anwohnerproteste gegen den Kahlschlag von 80 alten Kastanien in eine neue Dimension. Ist der Familien-Kiez vor einer Katastrophe gerettet?
Baubeginn in Kastanienallee ungewiss
Die Bürger, die gegen den Ausbau für den Schwerlastverkehr protestieren, hören solche Aussagen gern: „Ein Baubeginn für den geplanten Ausbau der Kastanienallee kann aufgrund der weiterhin bestehenden Haushaltssperre und des fehlenden Beweises für das Bau- und Planungsrecht nicht benannt werden“, teilt das Bezirksamt Pankow auf eine aktuelle Anfrage des Grünen-Verordneten Axel Lüssow mit. Das berichtet der Tagesspiegel.
Um den Ausbau der Straße voranzutreiben, fehlt vor allem ein aktuelles Schall- und Lärmgutachten. Auch die Bäume, die gefällt werden sollen, genießen seit Inkrafttreten des Berliner Klimaanpassungsgesetzes (KAnGBln) mehr Schutz. Stadtnatur soll demnach bei Bauprojekten mehr Vorrang haben.
Laut Bezirksamt wird derzeit geprüft, ob die Fällung der Bäume mit dem neuen Gesetz vereinbar ist. „Die Abwägung und Auswertung mit den Zielen des im November 2025 in Kraft getretenen KAnGBln sind derzeit nicht abgeschlossen“, so das Bezirksamt.
Streit um Lkw-Piste im Familien-Kiez
Um die Nutzung der Kastanienallee gibt es schon länger Streit. Die Straße wird schon heute als Zubringerstraße für Gewerbegebiete in Pankow und Reinickendorf genutzt, obwohl sie für den Lkw-Verkehr nicht ausgelegt ist. Heftig: Die Verkehrsverwaltung zählt auf der Kastanienallee und auf der benachbarten Schönhauser Straße abschnittsweise bis zu 40 Lkw pro Stunde.
Gegen das Ausbau-Vorhaben protestieren daher viele Anwohner. Sie haben als „Bürgerinitiative Kastanienallee“ 2025 einen ersten Erfolg errungen.

Der Baustart verzögert sich weiterhin
Ein Rechtsanwaltsbüro hatte im Namen von Anwohnern erklärt, die Arbeiten dürften aufgrund unzureichenden Schall- und Erschütterungsschutzes „nicht begonnen werden“. Das offizielle Schallgutachten sei fehlerhaft, veraltet und unvollständig. Weil der vorgeschriebene Grenzwert insbesondere nachts überschritten werde, löse dies „Schutzansprüche“ aus.
Das Problem: Während die Kastanienallee ausgebaut wird, soll der gesamte Schwerlastverkehr auf eine Ausweichroute durch Wohngebiete verlegt werden. Es geht nicht um ein paar Lieferwagen – es geht um täglich rund 200 Brummis, die sich drei Jahre lang durch eng bebaute Straßen quälen sollen. Für viele Anwohner ist das der absolute Albtraum.

