Debatte

Köpenick: Die Stau-Falle Lange Brücke wird zur platten Beton-Hässlichkeit

Die neue Nerv-Baustelle im Herzen von Köpenick wird die Menschen noch lange beschäftigen. Bis 2034 soll an der Langen Brücke gebaut werden.

Author - Stefanie Hildebrandt
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So soll die neue Lange Brücke in Köpenick aussehen.
So soll die neue Lange Brücke in Köpenick aussehen.Visualisierung: Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG

Die Lange Brücke in Berlin-Köpenick hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Wer hier mit dem Rad unterwegs ist, kennt die engen Wege. Autofahrer kennen die Staus. Und wer Besuch nach Köpenick einlädt, muss erst einmal erklären, warum vor Schloss und Altstadt ein Sammelsurium aus alter Brücke und Provisorien über die Dahme führt. Genau das soll sich mit dem Neubau ab 2030 ändern. Nun regt sich erste Kritik an den Entwürfen.

Neue Lange Brücke wird kein Hingucker

Jetzt wird immer konkreter, wie die neue Lange Brücke einmal aussehen soll. Die gute Nachricht für Köpenicker: Es gibt mehr Platz. Für Fußgänger, für Radfahrer und für die Straßenbahn. Die schlechte Nachricht für Freunde spektakulärer Architektur: Der große Hingucker wird die neue Brücke nicht. 

Die ersten Visualisierungen, die bei der Infoveranstaltung zum Neubau gezeigt wurden, zeigen ein Bauwerk, das sich eher zurückhält. Keine riesigen Bögen, keine auffällige, gar historisierende Konstruktion. Von der Brücke aus soll der Blick auf das Schloss Köpenick, die Altstadt und die Dahme ungehindert fallen können. So will es der Denkmalschutz. Auch wenn die Brücke selber seit 2020 wegen ihrer Sanierungsbedürftigleit nicht mehr unter Denkmalschutz steht.

Köpenicker wollen echte Altstadtbrücke

In Foren wie auf Entwicklungsstadt.de regt sich bereits erster Unmut über die schlichte Gestaltung. „Die neue Brücke sieht ausgesprochen hässlich aus. Ein schlichtes Ersatzbauwerk wie aus den Siebzigerjahren“, schreibt ein User. „Die Köpenicker haben so einen trostlosen Anblick nicht verdient“, urteilt ein anderer. Warum man beim Neubau der Langen Brücke nicht Bezug auf die Altstadt nehme, fragen sich die Köpenicker.

Die Planer gaben bei der Infoveranstaltung allerdings an, das die konkrete Ausgestaltung  der Details noch offen ist. Wie Geländer, Beleuchtung, Oberflächen oder etwaige Fassadenelemente aussehen sollen, steht noch nicht fest.

Die Lange Brücke mit ihrem Bögen über die Dahme wird abgerissen.
Die Lange Brücke mit ihrem Bögen über die Dahme wird abgerissen.Maurizio Gambarini

Komplizierte Bauarbeiten

Was oben unspektakulär und funktional daherkommt, wird im Bau umso komplizierter. Künftig bekommt die Straßenbahn ihren eigenen Bereich in der Mitte der Brücke. Dort sollen auch Busse und Rettungsfahrzeuge unterwegs sein können. Der übrige Verkehr wird daneben geführt. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Im Alltag könnte es aber einiges verändern.

Vor allem Menschen auf dem Rad dürften aufatmen. Die Wege werden deutlich breiter als heute. Auch Fußgänger bekommen mehr Platz.

Die Brücke selbst ist nur ein Teil des Projekts. Rundherum werden Straßen und Wege angepasst. Die Verbindung zwischen Altstadt, Schlossplatz und Köllnischer Vorstadt soll übersichtlicher werden.

Die Lange Brücke gehört zu den wichtigsten Verbindungen im Berliner Südosten. Gleichzeitig liegt sie mitten in einer der schönsten Ecken Köpenicks. Uferpromenaden, Schloss, Schifffahrt, Straßenbahn, Autoverkehr – alles trifft hier auf engstem Raum zusammen. Und genau deshalb dauert die Planung schon so lange.

Bauarbeiten bei laufendem Verkehr

Während gebaut wird, muss der Verkehr weiterlaufen. Erst soll die historische Brücke verschwinden. Danach werden die Behelfsbrücken zurückgebaut. Parallel entstehen die neuen Bauwerke, Leitungen werden verlegt und Verkehrswege neu organisiert.

Bis die erste Straßenbahn wieder über die neue Lange Brücke rollt, braucht Köpenick allerdings noch Geduld. Nach aktuellem Stand könnte der Bau 2030 beginnen. Rund vier Jahre Bauzeit mit Tram-Ersatzverkehr sind dann eingeplant.

Bis dahin bleibt die alte Lange Brücke das, was sie heute ist: Nadelöhr, Dauerbaustellen-Kandidat und eines der meistdiskutierten Bauwerke in Köpenick. Die neue Brücke soll vor allem eines werden: eine Brücke, die endlich funktioniert.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Soll die neue Brücke das Altstadtflair in Köpenick aufnehmen? Oder reicht ein funktionaler Bau, der seine Aufgaben erfüllt? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com