Die Lange Brücke in Berlin-Köpenick hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Wer hier mit dem Rad unterwegs ist, kennt die engen Wege. Autofahrer kennen die Staus. Und wer Besuch nach Köpenick einlädt, muss erst einmal erklären, warum vor Schloss und Altstadt ein Sammelsurium aus alter Brücke und Provisorien über die Dahme führt. Genau das soll sich mit dem Neubau ab 2030 ändern. Nun regt sich erste Kritik an den Entwürfen.
Neue Lange Brücke wird kein Hingucker
Jetzt wird immer konkreter, wie die neue Lange Brücke einmal aussehen soll. Die gute Nachricht für Köpenicker: Es gibt mehr Platz. Für Fußgänger, für Radfahrer und für die Straßenbahn. Die schlechte Nachricht für Freunde spektakulärer Architektur: Der große Hingucker wird die neue Brücke nicht.
Die ersten Visualisierungen, die bei der Infoveranstaltung zum Neubau gezeigt wurden, zeigen ein Bauwerk, das sich eher zurückhält. Keine riesigen Bögen, keine auffällige, gar historisierende Konstruktion. Von der Brücke aus soll der Blick auf das Schloss Köpenick, die Altstadt und die Dahme ungehindert fallen können. So will es der Denkmalschutz. Auch wenn die Brücke selber seit 2020 wegen ihrer Sanierungsbedürftigleit nicht mehr unter Denkmalschutz steht.
Köpenicker wollen echte Altstadtbrücke
In Foren wie auf Entwicklungsstadt.de regt sich bereits erster Unmut über die schlichte Gestaltung. „Die neue Brücke sieht ausgesprochen hässlich aus. Ein schlichtes Ersatzbauwerk wie aus den Siebzigerjahren“, schreibt ein User. „Die Köpenicker haben so einen trostlosen Anblick nicht verdient“, urteilt ein anderer. Warum man beim Neubau der Langen Brücke nicht Bezug auf die Altstadt nehme, fragen sich die Köpenicker.
Die Planer gaben bei der Infoveranstaltung allerdings an, das die konkrete Ausgestaltung der Details noch offen ist. Wie Geländer, Beleuchtung, Oberflächen oder etwaige Fassadenelemente aussehen sollen, steht noch nicht fest.

Komplizierte Bauarbeiten
Was oben unspektakulär und funktional daherkommt, wird im Bau umso komplizierter. Künftig bekommt die Straßenbahn ihren eigenen Bereich in der Mitte der Brücke. Dort sollen auch Busse und Rettungsfahrzeuge unterwegs sein können. Der übrige Verkehr wird daneben geführt. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Im Alltag könnte es aber einiges verändern.
Vor allem Menschen auf dem Rad dürften aufatmen. Die Wege werden deutlich breiter als heute. Auch Fußgänger bekommen mehr Platz.
Die Brücke selbst ist nur ein Teil des Projekts. Rundherum werden Straßen und Wege angepasst. Die Verbindung zwischen Altstadt, Schlossplatz und Köllnischer Vorstadt soll übersichtlicher werden.
Die Lange Brücke gehört zu den wichtigsten Verbindungen im Berliner Südosten. Gleichzeitig liegt sie mitten in einer der schönsten Ecken Köpenicks. Uferpromenaden, Schloss, Schifffahrt, Straßenbahn, Autoverkehr – alles trifft hier auf engstem Raum zusammen. Und genau deshalb dauert die Planung schon so lange.


