Der „Sonnenhügel“ im Berliner Mauerpark (Prenzlauer Berg bis Wedding) gehört zu den bekanntesten Orten der Hauptstadt. Im Sommer sonnen sich dort Hunderte Besucher mit Blick über den Park, im Winter verwandelt sich der Hang regelmäßig in eine beliebte Rodelstrecke für Kinder und Familien. Doch nun sorgen Bauarbeiten und Sicherheitsmaßnahmen für Unruhe. Kritiker befürchten, dass ausgerechnet die traditionsreiche Rodelbahn verschwinden könnte.
Erdrutschgefahr am Sonnenhügel im Mauerpark
Was passiert gerade im Mauerpark? Hintergrund der Arbeiten ist eine zunehmende Erosion des Hanges. Nach Angaben der landeseigenen Grün Berlin GmbH besteht die Gefahr, dass Bodenmaterial weiter abrutscht. Deshalb wurden bereits erste Granitblöcke am Fuß des Hanges aufgestellt. Zudem finden aktuell Untersuchungen und Bauarbeiten statt.
Besonders betroffen ist der Westhang des ehemaligen Jahn-Stadions, das derzeit abgerissen wird. Der Wall entstand einst aus Kriegsschutt entlang des früheren Todesstreifens der Berliner Mauer. Auch die erhaltene DDR-Hinterlandmauer, die heute als Graffiti-Fläche genutzt wird, verläuft entlang der Böschung.

Laut Grün Berlin haben Witterungseinflüsse und Erosionsprozesse dazu geführt, dass der Sonnenhügel zunehmend seine ursprünglich geplante Form verliert. Vor allem im Bereich des Eschenhains nahe des südlichen Parkeingangs sei in den vergangenen Jahren immer wieder Erde abgerutscht. Das beeinträchtige nicht nur die Nutzung des Geländes, sondern wirke sich auch negativ auf die dort stehenden Bäume aus.
Freunde des Mauerparks fürchten um die Rodelbahn
Die Maßnahmen stoßen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Der Verein „Freunde des Mauerparks“ sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Besonders die beliebte Rodelstrecke am Eschenhain könnte nach Ansicht der Initiative durch die geplanten Veränderungen eingeschränkt werden.
Vereinsvertreter Alexander Puell warnt gegenüber dem Tagesspiegel, dass der Sonnenhügel einer der wenigen verbliebenen Schlittenhänge im Berliner Innenstadtbereich sei. „Und genau diesen Hang macht Grün Berlin womöglich unbrauchbar oder sogar lebensgefährlich.“ Gerade jetzt würden möglicherweise Entscheidungen getroffen, die erst im Winter sichtbar würden. Deshalb hat der Verein einen dringenden Appell an Grün Berlin gerichtet, den Rodelhang dauerhaft zu erhalten.

Auch die emotionale Bedeutung des Hügels betont Puell: „Wir sind nicht in Stuttgart, Schlittenfahren in einer öffentlichen Grünanlage gehört in Berlin einfach dazu.“ Viele Berliner Kinder hätten dort ihre ersten Erfahrungen mit Schnee und Schlitten gemacht. Aus Sicht des Vereins gehört die Nutzung des Hanges als Rodelstrecke fest zur Geschichte des Parks.
Zukunft des Sonnenhügels bleibt vorerst offen
Wie genau die langfristige Sicherung des Hanges aussehen soll, ist derzeit noch unklar. Nach Angaben von Grün Berlin werden verschiedene Lösungsansätze geprüft. Neben den bereits sichtbaren Granitblöcken wurden an anderen Stellen des Hanges Bodenöffnungen vorgenommen, offenbar um die Beschaffenheit des Untergrundes zu untersuchen.
Das Unternehmen Grün Berlin erklärt, man wolle Lösungen finden, die die Erosion verringern, weiteres Abrutschen von Boden verhindern und gleichzeitig die ursprüngliche Geländegestaltung des Mauerpark-Architekten Gustav Lange erhalten. Dabei würden Verkehrssicherheit, Schutz der Grünanlage und die bisherigen Nutzungen berücksichtigt.

Eine konkrete Zusage zum Erhalt der Rodelbahn gibt es bislang allerdings nicht. Stattdessen verweist das Unternehmen darauf, dass die Arbeiten mit Rücksicht auf die etablierten Nutzungen und die Natur durchgeführt würden. Erst nach Abschluss der fachlichen Prüfungen und Planungen soll entschieden werden, wie die Zukunft des Sonnenhügels aussieht.
Für die „Freunde des Mauerparks“ reicht das nicht aus. Sie fordern ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Rodelhangs und warnen davor, eine der beliebtesten Freizeittraditionen des Parks aufs Spiel zu setzen. Ob Berliner Kinder auch künftig am Sonnenhügel rodeln können, ist damit vorerst weiter offen.
Können Berliner dort noch sicher sitzen?
Nach aktuellem Stand ja. Die Erdrutschgefahr betrifft vor allem einzelne Hangbereiche, die nun untersucht und gesichert werden. Akute Risiken für Besucher hat Grün Berlin bislang nicht kommuniziert. Dennoch sollen die Maßnahmen verhindern, dass künftig weiteres Erdreich abrutscht.


