Füttern, wickeln, baden und dabei möglichst wenig Geldsorgen. Dafür gibt es seit 2007 das Elterngeld. Jetzt steht die beliebteste Familienleistung des Landes vor einem großen Umbau. Familienministerin Karin Prien (CDU) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Bezugsdauer verkürzt, Väter stärker in die Pflicht nimmt und zugleich die monatlichen Beträge erstmals seit fast 20 Jahren leicht anhebt.
Nur noch zwölf statt 14 Monate
Das Familienministerium bestätigte entsprechende Informationen des Portals „Politico“, betonte aber: Der Entwurf ist noch in der Abstimmung zwischen den Ministerien, danach muss das Parlament entscheiden. Beschlossen ist also noch nichts.
Die wichtigste Änderung: Das Elterngeld soll künftig nur noch zwölf statt bisher 14 Monate gezahlt werden. Und es gibt eine neue Bedingung: „Drei Monate sind zukünftig für jedes Elternteil reserviert“, zitiert „Politico“ aus dem Entwurf. „Sechs weitere Monate können zwischen den Eltern flexibel aufgeteilt werden.“ Bisher reichten zwei Partnermonate, um die volle Dauer zu bekommen. Väter oder allgemein der zweite Elternteil müssten also künftig mindestens drei Monate zu Hause bleiben, damit die Familie das Maximum ausschöpft. Für Alleinerziehende gilt die Regel nicht: Sie können weiterhin bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten.
Als Ausgleich sollen die Beträge steigen. Der Mindestbetrag soll von 300 auf 330 Euro klettern, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. An der Grundregel ändert sich nichts: Das Elterngeld ersetzt 65 Prozent des Nettoeinkommens. Auch die Einkommensgrenze bleibt Thema: Seit April 2025 gehen Paare und Alleinerziehende mit mehr als 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen leer aus. Geplant ist laut Entwurf zudem eine Änderung beim Mutterschutz: Arbeitszeitliche Beschäftigungsverbote sollen auf zwölf Monate nach der Geburt begrenzt werden.

Schon im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, „mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung“ zu setzen. Bisher liegt der Väteranteil unter den 1,61 Millionen Elterngeld-Beziehern bei gerade einmal 25,9 Prozent. Doch es geht vor allem auch ums Geld. Prien muss in ihrem Etat 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen und die Kürzung von zwei Monaten hilft dabei kräftig mit.
Kritik an den Kürzungsplänen
Der Deutsche Frauenrat warnt, gespart werde ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung und das, obwohl die Regierung jungen Menschen im Koalitionsvertrag eine verbesserte Leistung versprochen habe. „Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren“, warnt die Vorsitzende Beate von Miquel.


