Schonmal versucht, einen Hautarzttermin für ein akutes Problem in Berlin zu ergattern? Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. So schwer, wie einen guten Döner zu finden, der noch unter 7 Euro kostet. Das Terminportal Doctolib, zu dem viele Menschen eine Hassliebe pflegen, ist da auch keine große Hilfe. Im Gegenteil, wird man hier sogar zum unnötigen Geldausgeben verleitet. Das ist nun auch der Verbraucherzentrale aufgefallen, die eine offizielle Rüge gegen Doctolib ausspricht.
Der fiese Trick mit den Selbstzahler-Terminen
Denn ein aktueller Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: Wer auf Doctolib den Filter „Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen“ aktiviert, bekommt trotzdem Privatsprechstunden und Selbstzahlerleistungen angezeigt. Für Kassenpatienten ist das nicht nur ärgerlich, sondern potenziell teuer – denn oft wird erst spät im Buchungsprozess sichtbar, dass der ausgewählte Termin Geld kostet.

„Wer gezielt nach Terminen für gesetzlich Versicherte sucht, darf erwarten, dass ausschließlich Praxen aufgeführt werden, die mit der Krankenkasse abrechnen und keine zusätzlichen Kosten verursachen“, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). „Doctolib scheint nicht nur ein Terminportal, sondern auch eine Verkaufsplattform zu sein.“
Das ist ein Eindruck, den diese Autorin aus persönlicher Erfahrung bestätigen kann.
Landgericht Berlin verurteilt Doctolib wegen Irreführung
Die Kritik kommt nicht aus dem Nichts. Bereits im Januar verurteilte das Landgericht Berlin das Portal nach einer Klage des VZBV: Es sei irreführend, wenn trotz Kassenfilter auch Termine von Privatpraxen auftauchen. Doctolib hat Berufung eingelegt – und macht offenbar einfach weiter wie bisher.
Für den Marktcheck nahm der VZBV 349 Terminarten aus 37 gynäkologischen und dermatologischen Praxen in Berlin und Hamburg unter die Lupe. Das Ergebnis ist ernüchternd: Mehr als ein Drittel der angezeigten Terminarten – 144 von 349 – wiesen auf eine erforderliche Selbstzahlung hin. Bei 20 der 37 Praxen wurde bei mindestens einem Angebot ein mögliches Ausfallhonorar erwähnt. Und das Tückische: Erst wenn Praxis und Termin bereits ausgewählt sind, erfahren Patienten, dass sie zur Kasse gebeten werden.
Hautarztpraxen fallen besonders negativ auf
Besonders bemerkenswert ist die Lage bei den Dermatologen. Von 121 untersuchten Terminarten konnten nur 49 als reguläre Kassenleistung eingeordnet werden – also gerade mal zwei Fünftel. Und selbst von diesen 49 wurden mehr als die Hälfte (28) ausschließlich als Selbstzahlerleistung angeboten. Statt medizinisch notwendiger Termine finden sich auf Doctolib reihenweise ästhetische Behandlungen und sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die nichts mit der regulären Versorgung zu tun haben.

Für Patienten, die dringend einen Termin brauchen, wird die Suche damit zum Hindernislauf. Wer nicht aufpasst, bucht am Ende eine Leistung, die er selbst bezahlen muss – obwohl er eigentlich nur einen Ausschlag überprüfen lassen wollte.
Verbraucherschützer fordern klare Regeln für Terminportale
Die Politik ist gefragt, findet auch Pop: „Der Gesetzgeber muss klare Vorgaben für Arztterminportale festlegen. Der Zugang zu Arztterminen muss transparent gestaltet werden und darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Die Politik sollte auch dafür sorgen, dass die Terminbuchung vor Ort und telefonisch erhalten bleibt.“
Hoffnung macht das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Es soll die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung beauftragen, Mindeststandards für Terminplattformen festzulegen. Der VZBV fordert unter anderem: Terminvergabe nur nach Bedarf und Dringlichkeit, keine Benachteiligung von Kassenpatienten und eine eindeutige Kennzeichnung von Selbstzahlern.


