Fahndung

So jagt die Berliner Polizei nach dem Mega-Stromausfall die Täter

Es gibt eine Million Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter. Doch die Jagd auf die Öko-Terroristen der „Vulkangruppen“ ist schwierig.

Author - Stefan Doerr
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Mit solchen Plakaten fahndet das Bundeskriminalamt nach den Strom-Terroristen.
Mit solchen Plakaten fahndet das Bundeskriminalamt nach den Strom-Terroristen.DAVIDS

Nach dem massiven Stromausfall Anfang Januar durch einen linksextremistischen Brandanschlag fahndet die Berliner Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Eine Million Euro wurden für Hinweise ausgesetzt. Aber die Jagd auf die Öko-Anarchisten der „Vulkangruppe“ ist schwer, sie machen selten Fehler.

Eine Million Euro für Hinweise auf die Täter

Eine Million Euro für einen entscheidenden Hinweis: Mit dieser ungewöhnlich hohen Belohnung fahndet die Bundesanwaltschaft nach den Drahtziehern des größten Blackouts der Berliner Nachkriegsgeschichte. Ob schon erste Hinweise eingingen, lässt der Generalbundesanwalt offen. Zu laufenden Ermittlungen äußert sich die Behörde nicht.

Seit einigen Tagen ist der Fahndungsaufruf in Berlin und Brandenburg auf elektronischen Anzeigetafeln zu sehen. Rot hervorgehoben ist dort der Hinweis „Befristet bis zum 24. Februar.“ Warum die Belohnung nur für kurze Zeit ausgesetzt ist, begründet das Bundesinnenministerium auf Nachfrage mit „polizeitaktischen Gründen“.

Polizisten an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal. Hier schlugen die Täter zu.
Polizisten an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal. Hier schlugen die Täter zu.Michael Kappeler/dpa

Die Millionensumme zeigt, wie groß der Druck auf Sicherheitsbehörden und Politik ist. Schließlich hatte der Anschlag enorme Folgen: Am 3. Januar wurden in Berlin-Lichterfelde Starkstromkabel in Brand gesetzt, die von einem Kraftwerk über den Teltowkanal führten. Mehr als 100.000 Menschen im Berliner Südwesten waren mitten im Winter tagelang ohne Strom.

Können Ermittler weitere Anschläge verhindern?

Besonders das Berliner Landeskriminalamt steht unter Zugzwang. Denn der Anschlag war kein Einzelfall und es könnten weitere folgen. „Die Vulkangruppen haben sich seit 2011 in mindestens 18 Fällen zu Anschlägen bekannt“, sagte Berlins Innen-Staatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) kürzlich. „Darunter mehrere Brandanschläge auf das Berliner S-Bahnnetz und auf Stromleitungen.“ Zusätzlich habe die Kampagne „Switch off“ mehr als 50 weitere Anschläge in Berlin aufgelistet, von Farbattacken bis zu schweren Brandstiftungen.

Besonders brisant waren die Attacken auf die Stromversorgung der Teslafabrik im März 2024 sowie auf Hochspannungskabel zum Technologiepark Adlershof im September 2025. Berlin gilt seit Jahren als Hotspot der Szene. Die Hauptstadt sei ein Schwerpunkt „linksextremistischer Betätigung“, so Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer.

Stockduster: Ein Mann geht Anfang Januar nach dem Stromausfall mit seinem Fahrrad durch den Bahnhof Wannsee.
Stockduster: Ein Mann geht Anfang Januar nach dem Stromausfall mit seinem Fahrrad durch den Bahnhof Wannsee.dpa

„Vulkangruppe“ ist extrem abgeschottet

Doch warum gelingt es den Ermittlern bislang nicht, die Täter zu fassen? Verfassungsschutz-Chef Fischer erklärt: „Wir reden hier von Gruppen, die ein hohes Maß an Professionalität und ein hohes Maß an klandestinem Verhalten an den Tag legen“. Klandestin bedeutet hier konspirativ und heimlich. Die Täter seien Öko-Anarchisten, „die sich besonders schützen gegen staatliche Ermittlungen, die besonders im Voraus planen“.

Kaum Informanten aus linksextremistischer Szene

Die sogenannten Vulkangruppen machen offenbar kaum Fehler. Im Internet kursieren detaillierte Hinweise zum taktischen Vorgehen bei Anschlägen: keine eigenen Handys mitnehmen, Orte mit Kameras meiden, Mützen, Masken und Handschuhe tragen. Im aktuellen Fall konnte die Polizei immerhin Fußspuren im Schnee sichern. Ob sie zur Identifizierung der Täter beitragen, ist jedoch unklar.

Ein zentrales Problem bleibt der Mangel an Informanten. Sowohl Polizei als auch Verfassungsschutz stoßen in der linksextremen Szene auf eine Mauer des Schweigens. Selbst der Verfassungsschutz räumte in einem Bericht zu den Vulkangruppen ein, die sich nach einem Vulkanausbruch mit lahmgelegtem Flugverkehr benannt haben: „Personenpotenzial in Berlin: nicht bekannt“.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com