Nach dem massiven Stromausfall Anfang Januar durch einen linksextremistischen Brandanschlag fahndet die Berliner Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Eine Million Euro wurden für Hinweise ausgesetzt. Aber die Jagd auf die Öko-Anarchisten der „Vulkangruppe“ ist schwer, sie machen selten Fehler.
Eine Million Euro für Hinweise auf die Täter
Eine Million Euro für einen entscheidenden Hinweis: Mit dieser ungewöhnlich hohen Belohnung fahndet die Bundesanwaltschaft nach den Drahtziehern des größten Blackouts der Berliner Nachkriegsgeschichte. Ob schon erste Hinweise eingingen, lässt der Generalbundesanwalt offen. Zu laufenden Ermittlungen äußert sich die Behörde nicht.
Seit einigen Tagen ist der Fahndungsaufruf in Berlin und Brandenburg auf elektronischen Anzeigetafeln zu sehen. Rot hervorgehoben ist dort der Hinweis „Befristet bis zum 24. Februar.“ Warum die Belohnung nur für kurze Zeit ausgesetzt ist, begründet das Bundesinnenministerium auf Nachfrage mit „polizeitaktischen Gründen“.

Die Millionensumme zeigt, wie groß der Druck auf Sicherheitsbehörden und Politik ist. Schließlich hatte der Anschlag enorme Folgen: Am 3. Januar wurden in Berlin-Lichterfelde Starkstromkabel in Brand gesetzt, die von einem Kraftwerk über den Teltowkanal führten. Mehr als 100.000 Menschen im Berliner Südwesten waren mitten im Winter tagelang ohne Strom.
Können Ermittler weitere Anschläge verhindern?
Besonders das Berliner Landeskriminalamt steht unter Zugzwang. Denn der Anschlag war kein Einzelfall und es könnten weitere folgen. „Die Vulkangruppen haben sich seit 2011 in mindestens 18 Fällen zu Anschlägen bekannt“, sagte Berlins Innen-Staatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) kürzlich. „Darunter mehrere Brandanschläge auf das Berliner S-Bahnnetz und auf Stromleitungen.“ Zusätzlich habe die Kampagne „Switch off“ mehr als 50 weitere Anschläge in Berlin aufgelistet, von Farbattacken bis zu schweren Brandstiftungen.
Besonders brisant waren die Attacken auf die Stromversorgung der Teslafabrik im März 2024 sowie auf Hochspannungskabel zum Technologiepark Adlershof im September 2025. Berlin gilt seit Jahren als Hotspot der Szene. Die Hauptstadt sei ein Schwerpunkt „linksextremistischer Betätigung“, so Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer.

„Vulkangruppe“ ist extrem abgeschottet
Doch warum gelingt es den Ermittlern bislang nicht, die Täter zu fassen? Verfassungsschutz-Chef Fischer erklärt: „Wir reden hier von Gruppen, die ein hohes Maß an Professionalität und ein hohes Maß an klandestinem Verhalten an den Tag legen“. Klandestin bedeutet hier konspirativ und heimlich. Die Täter seien Öko-Anarchisten, „die sich besonders schützen gegen staatliche Ermittlungen, die besonders im Voraus planen“.
Kaum Informanten aus linksextremistischer Szene
Die sogenannten Vulkangruppen machen offenbar kaum Fehler. Im Internet kursieren detaillierte Hinweise zum taktischen Vorgehen bei Anschlägen: keine eigenen Handys mitnehmen, Orte mit Kameras meiden, Mützen, Masken und Handschuhe tragen. Im aktuellen Fall konnte die Polizei immerhin Fußspuren im Schnee sichern. Ob sie zur Identifizierung der Täter beitragen, ist jedoch unklar.




