Charlottenburg-Wilmersdorf

Leeres Hostel, volle Kasse: Jobcenter zahlte für Unterkünfte ohne Bewohner

Mutmaßlicher Sozialbetrug in Berlin. Ein Jobcenter zahlte monatelang für ein Hostel, obwohl dort nicht alle registrierten Wohnungslosen untergebracht waren.

Author - Sebastian Karkos
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Das Berliner Jobcenter hat einen Betrug aufgedeckt.
Das Berliner Jobcenter hat einen Betrug aufgedeckt.dpa

Monatelang überwies das Berliner Jobcenter Geld an ein Hotel zur Unterbringung Obdachloser – doch bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass einige von ihnen dort gar nicht lebten. Der Gesamtschaden soll bei rund einer Million Euro liegen. Die Folge: Die Polizei ermittelt.

Hostel kassierte Geld für Gäste, die dort nicht wohnten

Wie der Tagesspiegel berichtet, hat das Berliner Jobcenter einen mutmaßlichen Millionenbetrug bei der Unterbringung Wohnungsloser aufgedeckt. Demnach soll eine Pension im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf über Monate hinweg Geld für Personen kassiert haben, die dort gar nicht untergebracht waren. Der Schaden soll sich auf rund eine Million Euro belaufen. Etwa 600.000 Euro entfielen demnach auf die Kosten der Unterkunft, die direkt an die Pension gezahlt wurden. Der restliche Betrag soll aus individuellen Sozialleistungen bestanden haben.

Im Jahr 2025 soll es zu zwei Kontrollen in der Pension gekommen sein. „Bei beiden Prüfungen wurde ein Teil der Personen, für deren Unterbringung die Jobcenter Leistungen erbrachten, vor Ort nicht angetroffen“, sagte eine Sprecherin der Berliner Jobcenter dem Tagesspiegel.

Bei der ersten Kontrolle im April 2025 seien von 22 sogenannten Bedarfsgemeinschaften mit insgesamt 74 Personen 14 Bedarfsgemeinschaften nicht in der Pension anwesend gewesen. Im September 2025 überprüfte das Jobcenter die Einrichtung erneut. Diesmal wurden von 21 gemeldeten Bedarfsgemeinschaften 15 nicht angetroffen.

In der Pension lebten nicht alle Obdachlosen, die dort auch registriert waren.
In der Pension lebten nicht alle Obdachlosen, die dort auch registriert waren.dpa

„Es muss davon ausgegangen werden, dass die Unterbringung nie stattgefunden hat“, heißt es in einem internen Dokument der Bundesagentur für Arbeit, das dem Tagesspiegel vorliegt.

Wie es über einen so langen Zeitraum zu den Zahlungen kommen konnte – obwohl offenbar einige in dem Hostel gar nicht untergebracht waren –, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Solche Fälle werfen erneut ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten der Behörden, Missbrauch von Sozialleistungen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu verhindern.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Was halten Sie von den Betrugsvorwürfen gegen das Hostel in Charlottenburg? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com